"Er kann den Karren nicht alleine aus dem Dreck ziehen"

FUSSBALL ⋅ Die Fans des FC St.Gallen setzen grosse Hoffnungen in die Rückkehr von Tranquillo Barnetta. Sie warnen aber davor, im 31-Jährigen nun den alleinigen Heilsbringer zu sehen.

14. November 2016, 16:16
Daniel Walt
FUSSBALL. Seit 50 Jahren besucht Robert Zimmermann aus Teufen die Spiele des FC St.Gallen. Einmal pro Woche ist er im Schnitt im Training dabei – so auch am Montagnachmittag, als Tranquillo Barnetta zum ersten Mal seit zwölf Jahren wieder die Fussballschuhe für Grünweiss schnürte. Zimmermann ortet durch den Zuzug Barnettas eine gewisse Aufbruchsstimmung rund um den Verein – "überbewerten sollte man aber nichts", sagt der 67-Jährige.

Robert Zimmermann, Teufen. Zoom

Robert Zimmermann, Teufen. (dwa)

"Saisonziele nicht revidieren"
Auch wenn Barnetta bereits 31 sei, spiele er sicher noch guten Fussball, ist Robert Zimmermann überzeugt. Zudem könne er seine neuen Mitspieler vielleicht zu besseren Leistungen pushen – "diese Mannschaft ist nämlich besser, als sie derzeit dasteht", sagt Zimmermann. Er warnt aber davor, dass Trainer, Team und Umfeld jetzt abheben: "Barnetta kann den Karren nicht alleine aus dem Dreck ziehen", sagt der langjährige Espen-Anhänger. Aber das erwarte auch niemand. Der FC St.Gallen solle auch seine Saisonziele nicht revidieren und weiterhin einen gesicherten Platz im Mittelfeld der Tabelle anstreben- "auf nächste Saison hin werden die Karten dann neu gemischt".

Gabriela Studer, St.Gallen. Zoom

Gabriela Studer, St.Gallen. (dwa)

Barnetta aufwachsen sehen
"Voll happy": So beschreibt die St.Gallerin Gabriela Studer ihre Gefühlslage nach der Rückkehr Tranquillo Barnettas zu den Espen. Sie kennt ihn, seit er geboren ist, wohnt sie doch neben Familie Barnetta. "So erlebten wir natürlich auch, wie ‘Quillo’ in seinen Fussballschuhen gross wurde", blickt Gabriela Studer zurück. "Ein grosses Ding" sei es gewesen, als Barnetta ab 2002 in der ersten Mannschaft des FC St.Gallen gespielt habe, so die 50-Jährige.
  • Jubel für den FC St.Gallen: Der junge Tranquillo Barnetta freut sich mit Alex Tachie-Mensah im Sommer 2003 über ein Tor gegen den FC Zürich.
  • Seine Heimat war das Espenmoos: Tranquillo Barnetta nach seiner Rückkehr aus den USA im früheren Stadion des FC St.Gallen.
  • So fing alles an: Tranquillo Barnetta im Sommer 2002 im Dress der Espen.

Der grosse Tag ist da: Nach zwölf Jahren schnürt Tranquillo Barnetta am Montag erstmals wieder seine Fussballschuhe für den FC St.Gallen. Ein Blick zurück auf die Karriere des St.Gallers, von dessen Rückkehr sich die Espen-Fans so viel erhoffen. (Bilder: Keystone)



Als Barnetta mit 19 Jahren in die Bundesliga wechselte, war Gabriela Studer glücklich und traurig zugleich – und verfolgte die Karriere des Nachbarsbuben weiterhin aufmerksam. Dies immer in der Hoffnung, er möge dereinst zum FCSG zurückkehren, wie sie sagt. "Als er vor einem Jahr dann nach Philadelphia ging, fragte ich mich schon, ob es mit der Rückkehr wirklich noch klappen würde", bekennt sie. Umso schöner sei es, dass Barnetta nun zurück sei und sein Traum, noch einmal für St.Gallen zu spielen, in Erfüllung gehe. Sie ist überzeugt: Die Zeit in Philadelphia hat Barnetta weiter reifen lassen – "für uns Fans ist er jetzt ein Hoffnungsschimmer – wobei Barnetta alleine das Steuer nicht wird herumreissen können", so Gabriela Studer.

Tamara Trifkovic, Urnäsch. Zoom

Tamara Trifkovic, Urnäsch. (dwa)

"Ich musste einfach dabei sein"
Seit drei Jahren ist die 15-jährige Tamara Trifkovic Fan des FC St.Gallen. Bei den Heimspielen ist sie jeweils im Espenblock dabei. Die Urnäscherin ist überzeugt: Die Rückkehr Tranquillo Barnettas wird für eine bessere Stimmung rund um den FC St.Gallen sorgen. Trifkovic – sie ist zu jung, um sich an Barnettas Anfänge bei Grünweiss zu erinnern – hat schon vieles über St.Gallens neuen Hoffnungsträger gelesen. "Als ich hörte, dass er heute zum ersten Mal trainiert, wusste ich, dass ich dabei sein muss", sagt sie. Die 15-Jährige hofft, dass Barnetta das Team weiterbringen kann – "ich bin überzeugt, dass er dies trotz der hohen Erwartungen durchziehen kann", sagt sie.

Manuel Tobler, Rheineck. Zoom

Manuel Tobler, Rheineck. (dwa)

"Soll Team Sicherheit geben"
Auch der 17-jährige Manuel Tobler aus Rheineck erinnert sich nicht an die Zeiten, als Tranquillo Barnetta als Jungspund die FCSG-Anhänger im Espenmoos verzückte. "Ich kenne ihn von der Schweizer Nati und der Bundesliga her", sagt Tobler. Er habe immer um Barnettas St.Galler Wurzeln gewusst, deshalb sei der Offensivspieler auch immer ein spezieller Akteur für ihn gewesen, sagt Tobler. Seine Erwartungen an den Rückkehrer sind klar: "Ich hoffe, dass er dem Team Sicherheit gibt", sagt Manuel Tobler. Dass Barnetta dem Erwartungsdruck standhalten wird, steht für den Rheinecker ausser Frage: "Barnetta hat in seiner Karriere genug erlebt", sagt er.

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