Einer der wenigen

Silvan Hefti: Hart arbeiten für den grossen Traum, irgendwann im Ausland zu spielen. Zoom

Silvan Hefti: Hart arbeiten für den grossen Traum, irgendwann im Ausland zu spielen. (Keystone)

FC ST.GALLEN ⋅ Silvan Hefti ist das Eigengewächs des FC St. Gallen mit den besten Perspektiven. Der Goldacher ist trotz seiner erst 18 Jahre bereits Stammspieler. Macht er so weiter, winkt eine gute Karriere.

01. Oktober 2016, 15:31
Christian Brägger

FUSSBALL. Eistee und ein Gipfeli. Silvan Hefti wollte seinem Körper etwas gönnen, lehnte gemütlich zurück und atmete in der Akademie des Future Champs Ostschweiz FCO durch. Es waren strenge Meisterschaftswochen gewesen, damals, die Saison mit der U21 war gerade fertig. Später am Abend sollte es für ihn mit dem Training im Nachwuchs weitergehen. Sollte. Unterdessen nahmen die Spieler der ersten Mannschaft am Esstisch in der Akademie Platz und wurden von der Küche vor dem abendlichen Testspiel gegen Lustenau verpflegt. Hefti sagt: «Manche schauten mich verdutzt an. Und plötzlich stand Jeff Saibene völlig entgeistert neben mir: <Was isst du denn da, was machst du? Du spielst doch am Abend mit uns.>» Der 18-Jährige muss schmunzeln, wenn er daran zurückdenkt, wie er am 23. Juni 2015 zu seinem ersten Aufgebot und zum ersten Einsatz mit dem FC St. Gallen kam. Noch in der Saisonvorbereitung wurde Hefti zum festen Bestandteil von Saibenes Team, und vor der ersten Meisterschaftspartie – ausgerechnet gegen Basel – unterschrieb er den ersten Kontrakt: «Hätte ich nicht unterschrieben, hätte ich nicht gespielt. Kein Verein gibt einem Profi eine solche Plattform, ohne diesen an sich zu binden. Das wäre ja blöd.»

Weltweit kein wertvollerer Spieler

Seither ist viel passiert – und Hefti steht mit der Nummer 36 beinahe im Dauereinsatz. «Die Nummer brachte mir gegen Lustenau Glück, also behielt ich sie», sagt er. Es sei manchmal schwierig, alles zu realisieren, weil Woche für Woche eine neue Partie anstehe. «Erst in den Ferien wurde mir bewusst, was ich bisher geschafft habe. Und dass das alles schon nicht ganz normal ist.» Nicht normal heisst in Zahlen ausgedrückt: 25 Pflichtspiele als rechter Verteidiger und jüngster Spieler der Super League als 17-Jähriger in der vergangenen Saison. In dieser Spielzeit sind es bislang neun Pflichtspiele, damit ist Hefti im ersten Fünftel des Teams. Sein Marktwert wird auf eine Million Franken geschätzt. Laut Transfermarkt gibt es in seinem Alter weltweit keinen wertvolleren Spieler auf der rechten Verteidigerpostition. Ein Konkurrent auf ebendieser ist in St. Gallen Mario Mutsch. Nicolas Lüchinger wäre ebenfalls einer gewesen, dem Potenzial attestiert wird, doch wechselte der von St. Gallen nach Chiasso ausgeliehene Rheintaler im Sommer zum FC Sion. «Dass Lüchinger nicht zurückkam, war ein Signal. Der Club setzt auf mich.»

Hefti kann auch als Innenverteidiger auflaufen, in der Juniorennationalmannschaft agiert er auf dieser Position. «Egal wo, Hauptsache ist doch, dass ich spiele.» Seine Stärken sieht er im Zweikampfverhalten, auch mit dem Ball könne er Tempo aufnehmen. In der Offensive liege aber noch viel mehr drin. «Ich muss frecher werden», sagt er. Verblüffend und von Trainer Joe Zinnbauer geschätzt ist Heftis Abgeklärtheit, die Ruhe auf dem Platz. Diese entspricht wohl dem zurückhaltenden Wesen des Goldachers, auch wenn er sagt, dass er auch laut werden könne. Falls dies denn notwendig sei.

«Es hat sich einfach so ergeben»

Mit dem Teamkollegen Marco Aratore teilt er das Zimmer, das sei schon lustig mit ihm, sagt Hefti. Just in diesem Moment entgegnet Aratore, der wieder einmal kurz gelauscht hat: «Hey Bruder, erzähl keinen Seich.» Lacht und rauscht davon. Hefti lächelt ebenfalls, und schliesslich erzählt der Verteidiger, dass er nie den Traum gehabt habe, Fussballprofi zu werden. «Man hat mir stets gesagt, dass nur die wenigsten es schaffen würden. Es hat sich bei mir mit den Jahren einfach so ergeben. Schön wäre es, wenn ich irgendwann mit meinem jüngeren Bruder, der linker Verteidiger ist, für St. Gallen spielen könnte. Er ist ein Talent.»

Hefti spürt, irgendwann wird, ja muss die Reise weitergehen. «Mir gefällt es hier, aber ich habe Träume. Ziel ist es, in einer höheren Liga zu landen. Mit jedem Spiel komme ich diesem näher. Es muss viel zusammenpassen, Timing, Glück und Qualität.» Gerade in diesen Tagen könnten Parallelen zum Eigengewächs Tranquillo Barnetta, der früh auszog in die weite Fussballwelt, offensichtlicher nicht sein.


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