Eine grosse Baustelle

FUSSBALL ⋅ Elf Spiele, sieben Niederlagen. Der FC St.Gallen befindet seit dem Saisonstart im Tief. Aufwärtstendenzen folgen immer wieder Rückschläge. Wir zeigen die grössten Baustellen auf.

18. Oktober 2016, 08:33
Patricia Loher, Christian Brägger

FUSSBALL. Aufgrund der schwachen Leistung im Heimspiel gegen Vaduz deutet vieles darauf hin, dass der FC St.Gallen vor schwierigen Wochen steht. Folgen am Sonntag in Luzern, unter der Woche im Cup beim FC Zürich und dann zu Hause gegen Thun keine frappanten Steigerungen, droht nicht nur das Aus im Cup, sondern auch der letzte Platz in der Winterpause. Der FC St.Gallen ist mehr oder weniger seit Saisonbeginn in der Krise. Die acht grössten Baustellen:

1. Konzeptlosigkeit

Fast immer präsentiert sich die Startformation anders. Nehmen wir das Beispiel Andreas Wittwer: Dreimal in Folge gehörte die Neuverpflichtung in der Meisterschaft der Startformation an, der Berner spielte stets ansprechend. Aber gegen Vaduz war er nicht einmal mehr im Aufgebot. Die Rochaden sind nicht immer nachzuvollziehen, ebenso wenig wie die Wechsel. Gegen die Vaduzer brachte Trainer Joe Zinnbauer zur Pause den bis anhin wenig überzeugenden Mohamed Gouaida statt Albian Ajeti, der zuvor in vier Teileinsätzen ein Tor erzielt und einen Treffer vorbereitet hatte. Zudem ist einer wie Roy Gelmi einmal dabei, dann wieder nicht, dann wieder schon.

  • Enttäuscht, zerknirscht, ratlos: Joe Zinnbauer nach der jüngsten 0:3-Pleite beim FC Luzern.
  • Voller Hoffnungen: Joe Zinnbauer am 22. September 2015 vor seinem ersten Spiel als FCSG-Trainer.
  • Mit einem späten Treffer sicherte Roy Gelmi (rechts) Joe Zinnbauer in dessen erstem Spiel als FCSG-Trainer die ersten drei Punkte.

Seit etwas mehr als einem Jahr ist Joe Zinnbauer Trainer des FC St.Gallen. Nach dem 0:3 beim FC Luzern ist sein Job nun in höchster Gefahr. Ein Rückblick auf alle Meisterschaftspartien, in denen Zinnbauer an der Linie stand, in Bildern.


2. Transferpolitik

Angekündigt worden war nach dem Rücktritt von Jeff Saibene ein Philosophiewechsel: Mehr gute und allenfalls teurere Spieler sollten das Gerüst bilden, um das mit jungen Akteuren eine Mannschaft geformt werden sollte. Dafür hatte Sportchef Christian Stübi eine Million Franken mehr zur Verfügung, was – zugegeben – im Fussball wenig Geld iSt.Geglückt ist die Strategieänderung nicht: Das Kader umfasst 21 Feldspieler, von ihnen bewegen sich die meisten auf einem ähnlichen Niveau. Der Bundesliga-erfahrene Karim Haggui kann ein Leader werden, noch befindet er sich aber nicht auf Top-Level.

3. Kein Knipser
Roman Buess ist mit drei Toren St.Gallens treffsicherster Stürmer. Das ist an sich keine schlechte Quote, wenn auch andere Spieler treffen. Weil sie das aber nicht machen, ist bei keinem anderen Team die Torausbeute schlechter als bei den St.Gallern.

4. Trainingsweltmeister
Zinnbauer war über viele Monate hinweg nie um Antworten verlegen. In letzter Zeit war bei ihm aber Ratlosigkeit spürbar, weshalb sein Team die oftmals guten Trainingseindrücke nicht bestätigt. Letzten Endes liegt die Wahrheit auf dem Platz, wo auch der Druck am grössten ist – mit Trainingsweltmeistern lassen sich keine Spiele gewinnen.

5. Lustlosigkeit
Stellvertretend für diejenigen Spieler, die ihre Leistung seit längerer Zeit nicht mehr bringen, sind Yannis Tafer und Danijel Aleksic. Es macht den Anschein, als spulten sie ihr Programm einfach ab, die Körpersprache ist schlecht, sie scheinen ohne Leidenschaft, und keiner weiss so recht, warum. Fehlt es ihnen an der Zuneigung des Trainers und an Nestwärme, die im Fussball nicht unwichtig ist?

6. Spielsystem
Vom Ballbesitzfussball ist Zinnbauer inzwischen weggekommen, weil St.Gallen diesen nicht umsetzen kann. Doch welchen Fussball spielen die St.Galler? Die Linie fehlt, zu oft regiert das Prinzip Zufall. Dabei hätte St.Gallen bei einem perfekt ausgeführten 4–2–3–1 oder 4–4–2 mit willigen Flügeln und einem Marco Aratore, der derzeit als einziger Akteur zu gefallen weiss, durchaus Argumente für attraktiven Fussball.

7. Verantwortung
Nach dem 0:2 gegen Vaduz übernahm Mario Mutsch zwar für den von ihm verursachten Penalty die Verantwortung. Aber er wies zugleich signifikanterweise auf einige Fehler seiner Mitspieler hin. Nur: Eine Mannschaft, die auch nach innen scheinbar funktioniert, tritt in Verantwortungsfragen anders auf.

8. Publikum
Der FC St.Gallen muss aufpassen. Mit Auftritten wie gegen Lugano oder zuletzt gegen Vaduz verärgert er sein eigentlich leidensfähiges Publikum. Die Zuschauerzahlen waren schon vergangene Saison rückläufig. Bis anhin besuchten im Durchschnitt 12'243 Zuschauer die Heimspiele. Das ist ein bescheidener Wert. Zudem wurde ein Minusrekord erreicht. Zum Spiel gegen Basel kamen nur noch 14'257 Anhänger – weniger waren es im neuen Stadion gegen den Ligakrösus noch nie.

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