Ein Sieg mit kleinem Makel

FC ST.GALLEN ⋅ Gegen ein harmloses Lausanne gewinnt der FC St.Gallen verdient mit 2:1. Für die Ostschweizer gibt es dabei nur einen Wermutstropfen: Tranquillo Barnetta wird um die perfekte Rückkehr nach St. Gallen gebracht.

12. Februar 2017, 21:39
Ralf Streule
Zur Pause stand es zwischen dem FC St.Gallen und Lausanne 0:0 – und dennoch hatten die Zuschauer im Kybunpark in den ersten Minuten bereits zweimal gejubelt. Zum ersten Mal, noch im kleinen Rahmen, nur diejenigen, die über das Smartphone die Siegesfahrt von Beat Feuz an der WM in St.Moritz mitverfolgt hatten. Zum zweiten Mal, nur Augenblicke später, im kollektiven Kurzrausch, als Rückkehrer Tranquillo Barnetta die Faust vor dem Espenblock ballte. Er, der vor knapp 13 Jahren letztmals vor St.Galler Publikum angetreten war, hatte in der 23. Minute einen Pass von Marco Aratore technisch perfekt und druckvoll direkt abgenommen und das vermeintliche 1:0 erzielt. Der perfekte Start für den 31-jährigen im Heimstadion, dachte man. Das eigentlich reguläre Tor wurde aber wegen Offsides aberkannt. In Vaduz war Barnetta noch am Pfosten gescheitert – nun also am Schiedsrichter.

  • Daniel Lopar: Note 3. Der St.Galler Torhüter hat nur wenig zu tun, fällt in zwei Aktionen auf: Beim Freistoss, der zum Ausgleich durch Benjamin Kololli führt, lässt er sich in der Goalieecke erwischen. Danach macht er seinen Fehler gut, als er einen Steilpass der Lausanner auf Nassim Ben Khalifa mit frühem Hinauslaufen abfängt. Bei Rückpässen, von Lausannern bedrängt, strahlt er wenig Ruhe aus.
  • Karim Haggui: Note 5. Macht seinen Fehler beim Ausgleich in Vaduz vergessen. Ist sehr präsent im gegnerischen Strafraum und kommt per Kopf gleich zu vier Abschlussmöglichkeiten. Eine nutzt er zum 1:0. Auch defensiv im Zentrum fast immer auf der Höhe.
  • Silvan Hefti: Note 5. Der 19-jährige St.Galler macht ein starkes Spiel und ist einer der technisch besten Ostschweizer. Im Defensivspiel fast tadellos, nach vorne mit Zug und einigen vielversprechenden Aktionen.

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 – Leistungsträger bis 6 - Matchwinner. (Bilder: pd)

Beim Führungstor schaut Barnetta nur zu
Dennoch zeigte Barnetta mit gefährlichen Freistössen und Eckbällen, mit seiner Ballsicherheit und Dribblings, dass er für den FC St.Gallen die erhoffte Verstärkung ist. Nur an den Toren war er – im Gegensatz zum Spiel in Vaduz vor einer Woche – nicht beteiligt. Als er sich nach einem Abschlussversuch kurz nach der Pause an der Seitenlinie pflegen lassen musste, trat für einmal ein anderer den Eckball: Aratore. Ausgerechnet diesmal kam die Führung zustande. Karim Haggui nickte mit einer Flugeinlage wuchtig ein – er, der bereits in der ersten Halbzeit nach Standardsituationen per Kopf zwei Chancen ausgelassen hatte.

Die Führung war verdient. St.Gallen war spielbestimmend, machte vor allem direkt vor der Pause und direkt danach viel Druck. Auf der rechten Seite überzeugten Aratore und Silvan Hefti mit viel Zug nach vorne, in der Mitte hielten Toko und Roy Gelmi dicht. Weniger Einfluss aufs Spiel hatte die linke Seite mit Andreas Wittwer und Kofi Schulz.
  • Lange ersehnt: Die Rückkehr von Tranquillo Barnetta.

Der FC St.Gallen sichert sich im Heimspiel gegen Lausanne-Sport den ersten Sieg in der Rückrunde. Die Ostschweizer setzen sich 2:1 durch. (Bilder: Freshfocus)

Natürlich profitierte das Team von Joe Zinnbauer auch vom Gegner, der harmlos wirkte und seit seinem Hoch im Herbst auf dem Boden der Realität gelandet ist, wie es Trainer Fabio Celestini nach dem Spiel formulierte. Nur in den ersten Minuten hielten die Waadtländer ansatzweise mit. Ihr Ausgleichstor kam "aus dem Nichts", wie Gelmi später sagte. Benjamin Kololli versenkte einen Freistoss aus rund 25 Metern flach in der linken Ecke – haltbar für Daniel Lopar.  

Kompakter geworden
St.Gallen liess sich davon nur kurz aus dem Konzept bringen. In der 68. Minute tat Albian Ajeti, was einen guten Stürmer auszeichnet. Die Leihgabe, zuvor selten gesehen, tankte sich gegen zwei Lausanner durch und traf kaltblütig zum 2:1. Der sehenswerte Pass war von Yannis Tafer gekommen, vom Franzosen, der im Herbst gegen Lausanne als Joker getroffen hatte.

Danach verpassten es die St.Galler nach dem Platzverweis Elton Monteiros, das Spiel noch deutlicher zu dominieren. Glück hatten sie beim nicht geahndeten Handspiel Wittwers im Strafraum. Dennoch bleibt die Erkenntnis: Das Team ist seit dem Saisonstart kompakter geworden. Es festigt den fünften Platz, hat zuletzt in sieben Spielen 14 Punkte gesammelt, nur in Basel verloren.  Gegen die Young Boys am Samstag hat es die Chance, den Trend auf höherem Niveau zu bestätigen.

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