Dreikampf der FCSG-Legenden

WER IST DER GRÖSSTE? ⋅ Ivan Zamorano, Marc Zellweger oder Charles Amoah? Der FC St.Gallen sucht in einem Voting jenen Espen-Spieler, der auf einem Legenden-Shirt verewigt werden soll. Drei Redaktoren von Tagblatt Online schwärmen von ihrem ganz persönlichen Favoriten und erklären, wer das Voting gewinnen muss.

18. November 2016, 14:30
Daniel Walt Zoom

Daniel Walt (tb)

Meine Wahl: Ivan, der Schreckliche!
Keiner schraubte sich bei Kopfbällen so unnachahmlich in die Luft wie er. Keiner war vor dem Tor so kaltblütig wie er. Und keiner jubelte so schön wie er. Die Rede ist von Ivan Luis Zamorano. 1988 vom FC Bologna an den FC St.Gallen ausgeliehen und in der Ostschweiz schon fast als Flop abgestempelt, drehte der Chilene im Herbst 1989 so richtig auf. An der Seite seines kongenialen Landsmannes und Vorbereiters Hugo Rubio traf Zamorano bis zur Winterpause am Laufmeter: 17 Tore in 24 Spielen erzielte er – vier davon alleine im Auswärtsspiel bei Xamax Neuchâtel. Im Espenmoos gegen YB war der Chilene dreimal innert vier Minuten erfolgreich – und liess auch gestandene Haupttribünen-Besucher komplett ausrasten. Wer in jener Hinrunde einen guten Platz in der St.Galler Fankurve wollte, musste spätestens eineinhalb Stunden vor Anpfiff dort sein – selbst bei Schnee, Eis und bissiger Kälte beim Spitzenspiel gegen Xamax kurz vor der Winterpause. St.Gallen war Tabellenführer, die Euphorie im Umfeld grenzenlos. Und selbst das nationale Fernsehen oder die "Schweizer Illustrierte" widmeten Ivan Zamorano und der St.Galler Südamerika-Connection umfangreiche Beiträge.
  • Ivan Zamorano erzielt gegen den FC Sion eins seiner vielen Tore für den FC St.Gallen.
  • Spitzenspiel im Dezember 1989 gegen Xamax: Ivan Zamorano liess sich im Espenmoos auch vom Schnee nicht stoppen.
  • Die Fans des FC St.Gallen hatten im Herbst 1989 einen unbestrittenen Liebling: Ivan Zamorano.

1989 sorgte der FC St.Gallen mit seinen Chilenen Ivan Zamorano, Hugo Rubio und Patricio Mardones für Begeisterungsstürme in der Ostschweiz. Eine Rückschau auf den goldenen FCSG-Herbst in Bildern. (Bilder: Archiv/St.Galler Tagblatt)


In der Rückrunde folgte dann der grosse Absturz – Ivan Zamorano lief es wie dem gesamten Team nicht mehr nach Wunsch, sogar die Uefa-Cup-Qualifikation wurde schliesslich noch verspielt. Immerhin: Zamorano wurde Torschützenkönig. Als der Chilene Anfang der nächsten Saison für eine Millionensumme nach Spanien wechselte, trauerte eine ganze Fangemeinde um ihren Liebling. Mit umso grösserem Stolz verfolgten die Espen-Fans aber, wie Zamorano bei Sevilla und später bei Real Madrid zum Weltstar wurde. Vergessen hat dieser den FC St.Gallen in all den Jahren nie. 2004, als der Verein sein 125-Jahr-Jubiläum feierte, spielte der Chilene an der Seite von anderen Clublegenden gegen die aktuelle Mannschaft. Und auch als 2008 die AFG Arena eröffnet wurde, nahm Zamorano die weite Reise aus Chile in die Ostschweiz auf sich, um mit von der Partie zu sein. Und – natürlich: Er traf in beiden Spielen.


Niemals mehr nach der Ära Zamorano herrschte im Espenmoos eine derart elektrisierende Stimmung wie im Herbst 1989. Mit seinem leidenschaftlichen Einsatz für Grünweiss und unvergesslichen Toren spielte sich der Chilene in die Herzen des St.Galler Anhangs. Hier wurde er gross, von hier aus eroberte er die Fussball-Weltbühne, vergass dabei aber nie, dass es der FC St.Gallen gewesen war, der ihm als Sprungbrett für seine Weltkarriere gedient hatte. Aus all diesen Gründen steht fest: Der grösste kann nur einer sein: Ivan, der Schreckliche.

Daniel Walt


Tim Naef Zoom

Tim Naef (tb)

Meine Wahl: Marc Zellweger - Fussballgott!
Sein Trikot hängt unter dem Stadiondach. Seine Nummer 17 wird nie mehr vergeben. Die Rede ist natürlich von Marc Zellweger. Mit keinem anderen Spieler in der 136-jährigen Geschichte des FC St.Gallen konnten sich die Fans besser identifizieren als mit unserer Nummer 17. Mit "Zelli" im Team ist der FCSG in den Cupfinal vorgedrungen, hat im Uefa-Cup gespielt, den Wiederaufstieg in die Super League geschafft und ist ins neue Stadion gezogen. Doch vor allem etwas ist der FC St.Gallen mit Marc Zellweger nach endlos scheinenden 96 Jahren geworden: Schweizer Meister.
 
  • Einer der Gründe, warum Marc Zellweger unsterblich ist: Er hält den Penalty gegen Gürkan Sermeter.
  • So, wie wir ihn kennen: Marc Zellweger gewinnt den Zweikampf gegen seinen Kontrahenten.
  • Ein Marc Zellweger aus früheren Jahren.

Mit seinem Einsatz und seiner Loyalität ist Marc Zellweger zur Identifikationsfigur des FC St.Gallen geworden. Bilder aus seiner Karriere. (Bilder: Keystone)


"Zelli" war nie einer, der sich in den Mittelpunkt gedrängt hat. Er war nie der Goalgetter, nie der Schönspieler und auch sicher nicht der beste Fussballer, den wir in St.Gallen jemals hatten. Aber Marc Zellweger war in den über 500 Spielen für Grün-Weiss vor allem eines: einer von uns. Ein Fussball-Arbeiter eben. Ein bissiger Verteidiger. Eine Identifikationsfigur. Aber auch ein Penaltykiller.
 
Unvergessen bleibt der 22. Spieltag im Februar 2004 im Espenmoos. In der 75. Minute stoppt Stefano Razzetti YB’s Leandro mit einer Notbremse im Strafraum. Das Verdikt: Rot für Razzetti und Penalty für die Berner. Weil Heinz Peischl aber schon dreimal gewechselt hat, muss ein Feldspieler in Tor. Die Wahl ist schnell getroffen: Marc Zellweger soll den Penalty halten. Er zieht sich das Leibchen von Ersatzgoalie Flavio Agosti über und stellt sich ins Tor. Gürkan Sermeter läuft für YB an und scheitert am mirakulösen "Zelli".
 
Zwar verlieren die Espen das Spiel mit 1:3. Nach der Partie ist aber nur der gehaltene Elfmeter Thema. Auf die Frage von Beni Thurnheer, ob er denn spekuliert habe, gibt Zellweger folgende Antwort: "Ich chan nur i dä rächt gumpe, also bini i dä rächt gumped." So einfach kann Fussball sein.

 
Genau wegen solcher Antworten war und ist er bei den Anhängern des FCSG so beliebt. Kein anderer Spieler steht mehr für den FC St.Gallen als Marc Zellweger. Und genau deshalb kann nur er die grösste St.Galler Clublegende sein: Unsere Nummer 17. Marc Zellweger. F-u-s-s-b-a-l-l-g-o-t-t.

Tim Naef


Christof Krapf Zoom

Christof Krapf (tb)

Meine Wahl: Amoah - oh, oh!
Alles war angerichtet für St.Gallens Einbruch an diesem nasskalten Märzabend im Jahr 2000. Überraschend hatten die Ostschweizer als NLA-Leader überwintert und gastierten zum Auftakt der Rückrunde im Zürcher Hardturm bei Verfolger GC. Die ganze Fussballschweiz rechnete damit, dass der St.Galler Lauf nach der Winterpause enden und die Mannschaft in der Tabelle durchgereicht würde. Und tatsächlich: Hakan Yakin, 1:0. Stéphane Chapuisat, 2:0. Bernt Haas, 3:0 – der FCSG lag nach einer Viertelstunde gegen das Zürcher Starensemble 0:3 zurück und schien erledigt. Doch die Fussballschweiz hatte die Rechnung ohne Charles Amoah gemacht. Jenen Stürmer aus Ghana, der es via Frauenfeld und Wil in die Super League geschafft hatte. Der jenen Torriecher hatte, den man nicht trainieren kann. Der einfach immer am richtigen Ort stand. Nach einer halben Stunde traf Amoah zum 1:3. Ionel Gane und Jairo glichen die Partie bis zur Pause mit ihren Treffern aus.
  • Sie verzückten die Espen-Fans in der Meistersaison: Charles Amoah und sein Sturmpartner Ionel Gane.
  • Umjubelter Meisterstürmer: Charles Amoah lässt sich feiern.
  • So kannten und liebten ihn die St.Galler Fans: Charles Amoah setzt zur Jubelrunde an.

Er war der treffsicherste Stürmer des FC St.Gallen in der Meistersaison 1999/2000: Charles Amoah. Bilder des Jubels. (Bilder: Keystone)


Der 0:3-Rückstand war aber nicht der einzige Nackenschlag für St.Gallen an diesem Abend. In der 90. Minute gelang Richard Nuñez das 4:3 für GC. Doch wieder hatten die Zürcher ihre Rechnung ohne Amoah gemacht. Der Ghanaer schlenzte den Ball aus 18 Metern ins Tor – dem damaligen GC-Trainer Roy Hodgson blieb nur das Staunen und das Fluchen. "Für einmal schien Zürich Mailand oder Barcelona zu sein, war Fussball hier so schön wie fast noch nie", stand damals im  "Tagesanzeiger".


Nach Barcelona oder Mailand hat es Amoah zwar nicht gereicht - 2001 wechselte er nach Österreich zu Sturm Graz. Später spielte der Stürmer für Salzburg und Lienz, wo seine Karriere 2007 wegen einer Knieverletzung zu Ende ging. Österreich statt Spanien oder Italien, also. Amoah war aber der Hauptgrund dafür, dass der Lauf des FC St.Gallen nicht an einem kalten Märzabend im Hardturm zu Ende ging. Vielmehr wurde der Verein im Frühsommer 2000 erstmals seit 96 Jahren wieder Meister und Amoah mit 25 Saisontoren Torschützenkönig. Zamorano war Torschützenkönig; Zellweger Meister. Beide Titel hat aber nur einer mit St.Gallen gewonnen. Deshalb ist Amoah die FCSG-Clublegende – "Amoah - oh, oh"!

Christof Krapf

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Das Voting des FC St.Gallen zur grössten Clublegende läuft weiterhin unter diesem Link
 


 

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