Die zehn Gebote des Espenblocks

VERHALTENSKODEX ⋅ Bei den Heimspielen des FC St.Gallen braucht’s wieder mehr Pfupf – nicht nur auf dem Rasen, sondern vor allem auch in der Kurve. Der Espenblock reagiert: Mit einem Regelwerk werden die Kurvenbesucher auf Linie gebracht.
06. April 2017, 15:27
Nein, es läuft nicht rund beim FC St.Gallen. Zwar wird nicht mehr wie in der ersten Saisonhälfte im unteren Tabellendrittel gekickt, aber dennoch sind die Partien seither nur marginal attraktiver geworden. Kein Wunder, hat da selbst der fanatischste Anhänger mal Motivationsprobleme. Statt sich singend, klatschend und schalschwenkend von Anpfiff bis Schlusspfiff zu hangeln, parliert man lieber mit dem Stehplatznachbarn, knipst ein bisschen in der Gegend rum und vergisst dabei ganz das grüne A2-Papier, das man eigentlich zu Spielbeginn hätte in die Luft strecken sollen.

Der Espenblock will diesen Schlendrian in den eigenen Reihen nicht länger dulden und hat deshalb beim Spiel gegen Basel eine Flyerkampagne gestartet. Der handliche Zettel soll die Besucher der Sektoren D2 und D3 zur Raison bringen und sie vor allem –  Zitat – "auf einige Grundsätze, welche im Espenblock gelten, hinweisen".

Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss halt der Prophet zum Berg. Und in solch Mose’scher Manier ist der Zettel denn auch abgefasst. Tagblatt Online hat das Regelwerk unter die Lupe genommen und die wichtigsten Handlungsanweisungen für den geneigten Kurvenbesucher sinngemäss zusammengefasst.
 

Die zehn Gebote des Espenblocks

  1. Du sollst für eine ansprechende Heimspielatmosphäre sorgen.
  2. Du sollst laut und bunt sein.
  3. Du sollst Dich 90 Minuten am aktiven Support beteiligen.
  4. Du sollst nur in der Mitte stehen, wenn Du mitsingst.
  5. Du sollst die Instruktionen des Capos befolgen.
  6. Du sollst Fahnen und Blätter für die Choreo auf Kommando hochhalten und auch wieder runternehmen.
  7. Du sollst während des Spiels auf den Gebrauch Deines Handys verzichten.
  8. Du sollst wissen, dass die Atmosphäre im Espenblock einmalig ist, und dass Du diese nicht mit einem verwackelten Handyfoto festhalten kannst.
  9. Du sollst sowieso keine Filme und Fotos machen, erst recht keine aus dem Espenblock.
  10. Tust Du es doch, sollst Du die Filme und Fotos nicht ins Internet stellen.

Im FCSG-Forum wird der Verhaltenskodex heftig diskutiert. Der Stimmungsbefehl samt Handyverbot sei bloss ein Deckmäntelchen für Pyro-Aktionen, die nicht dokumentiert werden sollen, heisst es da etwa. Ein weiterer Kritikpunkt: Es sei ein Widerspruch, wenn der Espenblock, der sich gerne als rechtsfreier Raum sehe, anderen Vorschriften mache.

Was genau das Ansinnen der Verfasser war und auf welche "aktuellen Entwicklungen" sie mit dem Flyer reagieren wollten, darüber kann also nur spekuliert werden. Etwas weniger Moses und dafür etwas mehr pragmatische Fanpoesie wären aber so oder so angebracht. In diesem Sinne: "Wöttsch en Erinnerig för dehei, zücksch s’Handy halt au im D2." (red.)
 

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