Der Schwerarbeiter

OFFENSIVE ⋅ Nach einer lange schwierigen Vorrunde ist St. Gallens Roman Buess nach der Winterpause aufgeblüht. Tranquillo Barnetta und Albian Ajeti tun dem Stürmer gut. Morgen ab 13.45 Uhr spielt St. Gallen in Sitten.
04. März 2017, 13:10
Patricia Loher

Patricia Loher

Es ist ein Eindruck von der Tribüne aus, doch Roman Buess liefert die Bestätigung. Mit Albian Ajeti an seiner Seite und Tranquillo Barnetta im Rücken ist der Stürmer aufgeblüht. «Sie sind wichtig für mich. Barnetta dank seiner Erfahrung, Ajeti dank seines Talents. Es tun sich in der gegnerischen Abwehr nun vermehrt Lücken auf.» Seit der Winterpause hat der 24-jährige Buess an Präsenz und Ausstrahlung zugelegt. Ein Höhepunkt war in dieser Hinsicht das Auswärtsspiel bei den Young Boys, als Buess das 1:1 durch Ajeti vorbereitete und das 2:1 selber erzielte. Hätte St. Gallen das 2:1 über die Zeit gebracht, wäre Buess der unumstrittene Mann des Spiels gewesen.

Der FC St. Gallen ist trotz der zwei Basler im Sturm noch immer keine Torfabrik. Die Ostschweizer – immerhin stellen sie die beste Abwehr der Liga – haben in 22 Spielen bloss 25-mal getroffen. Kein anderes Team in der Super League hat weniger Tore erzielt. Zum Vergleich: St. Gallens morgiger Gegner Sion hat 20 Treffer mehr auf dem Konto.

«Man muss sein Ego zurücknehmen»

Diese Zahlen kennt auch Buess, mit fünf Treffern St. Gallens zweitbester Torschütze. Er sagt, während der lange schwierigen Vorrunde habe man sich oft auf die Defensive konzentrieren müssen. «Zum Wohl des Klubs und zum Wohl der Mannschaft war es damals einfach wichtig, auch einmal ein dreckiges 1:0 zu holen.» Buess musste in jenen schwierigen und turbulenten Tagen oft deutlich mehr in die Abwehrarbeit investieren, vorne aber wurde er kaum unterstützt. Buess glaubt, nun habe man einen guten Mittelweg gefunden. Sein Trainer Joe Zinnbauer sagt: «Ein Stürmer ist davon abhängig, wie die Mannschaft mit dem Ball umgeht. Ist ein Team im Strafraum präsenter, sieht automatisch auch der Stürmer besser aus.» Buess habe viel für die Mannschaft gearbeitet, so der Deutsche. Der Spieler sagt: «In schwierigen Situationen muss man sein Ego zurücknehmen. Wir brauchten die vielen kleinen Schritte, wir waren auf dem letzten Rang klassiert.»

Gestärkt aus der Krise hervorgegangen

Doch lange aufhalten mag sich Buess nicht mit der Durststrecke der Vorrunde, er will sich auch keine Gedanken darüber machen, ob das 0:1 vom Sonntag zu Hause gegen Lugano ein Rückfall in alte Muster war. Er denke nur an das Positive, Partien wie gegen Lugano könnten passieren und seien ein Weckruf. «Für mich zählt, dass es uns gelungen ist, den Teufelskreis in der Vorrunde zu durchbrechen. Das war nicht einfach, doch wir sind gestärkt aus der Krise hervorgegangen.»

Der in Muttenz aufgewachsene Buess hat die Juniorenabteilung beim FC Basel durchlaufen. 2011/12 trainierte er mit der ersten Mannschaft – und dabei mit Spielern wie Alex Frei und Marco Streller. Später wurden sie gemeinsam Schweizer Meister. Doch der Durchbruch war Buess in Basel nicht gelungen, er hatte nur einmal gespielt. Der Stürmer wurde nach Aarau und Locarno in die Challenge League ausgeliehen. Über Wohlen kam Buess zum FC Thun, wo er zum Super-League-Spieler reifte und für den er in der vergangenen Saison neun Tore erzielte. Im Berner Oberland aber war der Stürmer nicht mehr rundum glücklich, er fühlte sich gebremst. So unterzeichnete er vergangenen Sommer in St. Gallen einen Dreijahresvertrag. Trainer Zinnbauer sagt: «Wenn wir Romans jetzige Trefferquote hochrechnen, käme er bis zum Saisonende auf zehn bis zwölf Tore. Damit wären wir zufrieden.»


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