Der Glücksbringer

IN FORM ⋅ Der FC St. Gallen erinnert sich gerne an den heutigen Gegner. Seit dem Erfolg im November in Lugano geht es aufwärts. St. Gallens Goalie war damals Dejan Stojanovic. Der 23-Jährige ist die Nummer zwei. Damit zufrieden geben mag er sich nicht.
26. Februar 2017, 05:37
Patricia Loher

Patricia Loher

Als St. Gallens gute Serie begann, stand Dejan Stojanovic im Tor. Seit dem 3:2-Erfolg in Lugano haben die zuvor lange gebeutelten Ostschweizer in sieben Spielen nur noch einmal verloren, der fünfte Rang ist gefestigt. Nach dem Spiel im Tessin setzte Trainer Joe Zinnbauer zwar wieder auf Daniel Lopar. Aber trotzdem: Stojanovic, der Glücksbringer? Der 23-Jährige schmunzelt. «In der Tat war in Lugano auch Glück im Spiel», sagt er und fügt an: «Nicht jeder Schiedsrichter hätte uns damals den Penalty gegeben.» Marco Aratores Elfmeter in der 76. Minute nach einem Foul wohl ausserhalb des Strafraums entschied die Partie.

Stojanovic war zum Einsatz gekommen, weil sich Lopar beim Aufwärmen leicht am Oberschenkel verletzt hatte. Erst zehn Minuten vor der Partie erfuhr der Österreicher mit Wurzeln in Mazedonien, dass er auflaufen würde. Stojanovic ist seit Sommer in St. Gallen unter Vertrag, kürzlich wurde der Kontrakt bis 2018 verlängert. Der Konkurrenzkampf ist gross: «Natürlich wusste ich schon vorher, dass Lopar die Nummer eins ist. Aber auch ich will spielen. Unbedingt.»

Der Vater lief einst für St. Margrethen auf

Nach zwei Einsätzen im Cup war das Spiel im Tessin ein nächster Beweis, dass der FC St. Gallen über eine verlässliche Nummer zwei verfügt. Für seine Ruhe und die sichere Ausstrahlung erhielt der 1,96 m grosse Stojanovic viel Lob. «Dabei hatte ich zuvor fast drei Jahre lang kaum gespielt», sagt er. Der in Bregenz aufgewachsene Goalie, dessen Vater Aco Stojanovic als Stürmer einst für den FC St. Margrethen spielte, hat seine Jugend in Italien verbracht. Mit 17 Jahren verliess er den FC Lustenau und wechselte nach Bologna in die Serie A. Stojanovic war trotz seines jungen Alters bereits Stammtorhüter in Österreichs zweithöchster Liga gewesen, ihm wurde eine grosse Zukunft vorausgesagt. Klubs wie Inter Mailand, Milan, Parma, Sampdoria Genua oder Wolfsburg hatten sich um den Vorarlberger bemüht, doch Stojanovic entschied sich für Bologna. In der Serie A brachte er es auf fünf Einsätze. Sein Debüt feierte er im Mai 2013. Gegen das damals von Vladimir Petkovic trainierte Lazio Rom setzte es gleich ein 0:6 ab. Fünf Treffer gingen auf das Konto von Miroslav Klose.

Trotz allem bekam der damals 19-Jährige gute Noten, bei fünf von sechs Gegentoren sei er machtlos gewesen, wurde geschrieben. Mehrheitlich lief Stojanovic aber in der Primavera B auf, einer Spielklasse für Nachwuchsteams. Trainieren durfte er mit den Goalies der ersten Mannschaft. Und davon, so sagt er heute, habe er während der fünf Jahre in Italien am meisten profitiert. Seine Trainingspartner waren Antonio Mirante und Angelo da Costa, «zwei Torhüter der Extraklasse. Auch wenn ich in der Folge nicht mehr oft zum Einsatz kam: Allein die Trainings in Bologna haben mich weitergebracht.» Heute nun ist Stefano Razzetti, St. Gallens Torhütertrainer, die wichtigste Ansprechperson des jungen Goalies. «Seine Übungseinheiten sind herausragend», so Stojanovic.

Dreieinhalb Jahre verbrachte er in Bologna, ehe bei den Italienern nach dem Abstieg in die Serie B kein Stein auf dem anderen blieb, Führung sowie Trainer wechselten und Stojanovic nach Crotone in die Serie B ausgeliehen wurde. Rückblickend sei dieser Schritt ein Fehler gewesen, begleitet von Misserverständnissen, die schliesslich zur Folge gehabt hätten, dass er nur gerade zu sieben Einsätzen kam. Nach seiner Rückkehr nach Bologna entschieden sich die Parteien vergangene Saison, den Vertrag nicht zu verlängern.

In Italien waren die Zeiten stürmischer

Stojanovic kam also ohne Verein nach Vorarlberg zurück. Aber als sich im vergangenen August beim FC St. Gallen Ersatzgoalie Marcel Herzog verletzte, eröffnete sich Stojanovic in der Nähe seiner Heimat ein nächstes Engagement. Als er anfing, war es aufgrund der sportlichen Leistungen unruhig in St. Gallen, die Mannschaft war in der Tabelle zwischenzeitlich bedrohlich weit abgerutscht. Der Torhüter sagt, in Italien habe er schon weitaus stürmischere Zeiten erlebt, allein zehn Zeitungen hätten über den FC Bologna berichtet. Zudem sei es für ihn immer nur eine Frage der Zeit gewesen, bis sich die positiven Resultate einstellten. «Ich sah schnell, dass St. Gallen über ein gutes Team verfügt.» Vielleicht war der Sieg im November in Lugano der Knackpunkt. Stojanovic sagt: «Wer weiss. Im Fussball braucht es manchmal wenig.»


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