Der FC St.Gallen bleibt ein Rätsel

FUSSBALL ⋅ Der FC St.Gallen tritt weiter an Ort. Nach dem 0:2 gegen Lugano muss sich Trainer Joe Zinnbauer die Frage gefallen lassen, weshalb er sein zuletzt siegreiches Team verändert hat.

13. September 2016, 08:23
Patricia Loher/Christian Brägger

FUSSBALL. Es war ein Dämpfer der herben Sorte, ein Rückschlag, der St.Gallens Trainer Joe Zinnbauer und seiner Mannschaft das Messer wieder an den Hals setzt. Das 0:2 gegen Lugano vor eigenem Publikum, verursacht durch einen uninspirierten, fast schon lethargischen Auftritt, mindert auch den Wert von St.Gallens gutem Spiel zwei Wochen zuvor beim 3:0 gegen Luzern. Mehr als ein Strohfeuer scheint die Leistung gegen die Zentralschweizer nicht gewesen zu sein. Es bleibt jedenfalls ein Rätsel, weshalb die Mannschaft am Sonntag wie ausgewechselt schien. Dabei wäre die Bestätigung des zweiten Heimsieges in dieser Saison schon ein Fortschritt gewesen. Denn noch nie ist es den Ostschweizern im vergangenen halben Jahr gelungen, eine überzeugende Leistung gleich zu wiederholen. Nach fünf Niederlagen aus sieben Spielen belegt St.Gallen mit bloss einem Punkt Vorsprung den zweitletzten Platz.

FC St.Gallen ein Abstiegskandidat?

Immerhin sagte Zinnbauer nach der Partie gegen die Tessiner, nach so einem Auftritt brauche sich keiner zu wundern, wenn Druck und Kritik wieder zunähmen. Nach den Spielen auswärts gegen Thun heute in einer Woche und zu Hause gegen Basel wird in der Super League am 24. September das erste Viertel abgeschlossen sein. Folgen nun weiterhin keine Punkte, muss sich der FC St.Gallen früh in der Saison damit befassen, ein Abstiegskandidat zu sein.

Unterdessen hat Zinnbauer in St.Gallen 35 Meisterschaftspartien absolviert und dabei 37 Punkte geholt. 18 Spiele hat der Deutsche verloren und damit jedes zweite. 10 Partien hat Zinnbauer gewonnen. Als Jeff Saibene vor etwas mehr als einem Jahr zurücktrat, hatte er in einer vergleichbaren Zeitspanne ab dem Saisonstart 2014/15 aus 43 Partien 54 Punkte geholt und 19mal verloren. 15 Partien entschied St.Gallen unter Saibene für sich. Richtig vorwärts gekommen sind die Ostschweizer seit dem Trainerwechsel also nicht. Im Gegenteil: Keine andere Mannschaft, die schon vergangene Saison der Super League angehörte, schnitt seit Anfang dieses Jahres meisterschaftsübergreifend schlechter ab als die Ostschweizer.

Dabei scheint die Qualität für die Super League durchaus auszureichen. Zumindest auf dem Papier ist die Mannschaft besser besetzt als Vaduz, Thun, Lugano oder Lausanne-Sport.

Es werden keine guten Signale gesendet

Kritik gefallen lassen muss sich Zinnbauer nach der Niederlage gegen Lugano vor allem, weil er ohne Not seine gegen Luzern noch überzeugende Innenverteidigung komplett umstellte. Auf Alain Wiss und Roy Gelmi folgten am Sonntag der am Jochbein operierte Neuzugang Karim Haggui und Martin Angha, der gegen Luzern gesperrt war. Natürlich lag es nicht an der Abwehr allein, dass St.Gallen derart Schiffbruch erlitt, dass es nach Lausanne-Sport und Vaduz gegen ein nächstes Team verlor, das eigentlich in Reichweite liegen müsste. Die Mannschaft kam insgesamt nie in die Gänge, und doch stellt sich die Frage, ob Zinnbauer mit solchen Wechseln die richtigen Signale sendet. Es stellt sich die Frage, ob es in St.Gallen zurzeit das sogenannte Belohnungssystem nicht gibt, wenn Spieler nach guten Leistungen schon in der folgenden Partie der Startformation nicht mehr angehören. Zinnbauer begründete die Wechsel mit taktischen Überlegungen. Der sich in Hochform befindende Ezgjan Alioski sei schnell, er habe dem Luganesi den ebenfalls schnellen Angha gegenüberstellen wollen. Zudem sei Haggui gelernter Innenverteidiger und bringe viel Routine mit. Alioski erzielte am Sonntag nach einem durch Haggui abgelenkten Abschluss schon in der sechsten Minute das 1:0 für die Tessiner.


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