Auf dem Weg der Genesung

PATIENT ⋅ Sportlich hat der FC St. Gallen – zumindest vorübergehend – die Talsohle durchschritten. Die Frage ist: Kann er noch weiter zulegen? Und die Frage bleibt: Was sind die Hintergründe in der Causa Martin Stocklasa?

22. November 2016, 09:11
Christian Brägger

Christian Brägger

Jetzt ist alles wieder gut, nach zuletzt zwei Siegen in Serie. Möchte man meinen. Zumal dank der Konstellation im Schweizer Cup – das Spitzenquartett der Super League mit Basel, den Young Boys, Sion und Luzern steht im Viertelfinal – im Normalfall der fünfte Ligaplatz dazu berechtigt, die Qualifikation für die Europa League zu bestreiten. Der FC St. Gallen ist derzeit Siebter, punktgleich mit dem Tabellenfünften Lausanne. Schön, bietet sich plötzlich und unerwartet wieder diese ambitionierte Perspektive, jetzt, wo er so gut wie nie klassiert ist in der Saison.

Gewiss, auf dem Fussballplatz befindet sich der FC St. Gallen im Aufwind. In der Defensive steht er bis auf wenige Ausnahmen sicher, das neue 3–4–3-System bekommt ihm gut, die polyvalenten Silvan Hefti und Martin Angha können sich darin wie jüngst gegen die Waadtländer entfalten. Ausgerechnet Rekrut Angha, der am 11. September letztmals von Beginn an und über 90 Minuten gespielt hatte. Die Mannschaft von Trainer Joe Zinnbauer zeigte sich zu Hause gegen Lausanne durchaus von einer soliden Seite, und es lag vor allem an den Ostschweizern, dass der Gegner für seine biedere Darbietung kritisiert wurde. Dennoch sind die St. Galler zu Hause aber nicht die Hausmacht früherer, fast vergessener Tage, die das Fürchten lehrte. Dafür ist die Offensive noch zu harmlos, auch wenn sie mittlerweile wieder Tore erzielt. Doch wenn Solidität wie jene gegen Lausanne zum Erfolg führt, dann war das ein gutes Zeichen für die kommenden Auftritte im Kybunpark.

Babic erstmals im Kader

Überdies stand am Sonntag mit Boris Babic ein neues Gesicht erstmals im Kader des FC St. Gallen. Unter Jeff Saibene unterschrieb der 19-Jährige einst seinen ersten Vertrag, später stürmte er leihweise für Biel, ehe er sich über die St. Galler U21 wieder herankämpfte. Jetzt trainiert Babic mit der ersten Mannschaft.

Dennoch: Es wäre ein Trugschluss, nun alles gutzureden. Dafür ist die Statistik Zinnbauers noch immer schlecht und die echten Prüfsteine bis zur Winterpause folgen mit den Grasshoppers, Sion und Basel erst. Zudem ist der Beigeschmack der Freistellung Martin Stocklasas noch immer zu fahl. Man hatte das Gefühl, dass sich die Spieler gegen Lausanne vor allem auch für ihren ehemaligen Co-Trainer so sehr ins Zeug legten. Selbst sie scheint die fehlende Transparenz in dieser Causa zu irritieren. Ebenfalls nicht neu war es, dass sich Präsident Dölf Früh weiterhin der Antwort verweigerte, weshalb es zur Trennung von Stocklasa kam. Insbesondere bleibt die Frage, was ein Bauernopfer wie Stocklasa bringen soll. Spätestens dann, wenn die Clubführung seinen Ersatz präsentiert, wird sie begründen müssen.


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