Auf dem Platz wieder im Soll

FCSG ⋅ Erstmals seit einem Jahr gelingt es St. Gallen, zwei Ligaspiele in Serie zu gewinnen. Beim 2:0 gegen Lausanne lässt sich das Team von unruhigen Tagen nicht beirren – und zeigt sich im neuen taktischen System stabil.

21. November 2016, 07:54
Ralf Streule
Überwintert der FC St. Gallen auf einem Europacup-Platz? Die nicht ganz ernst gemeinte Frage eines Zuschauers am Sonntagnachmittag nach dem 2:0-Sieg der Ostschweizer gegen Lausanne ist nicht so utopisch, wie sie zunächst tönt. St. Gallen hat sich im dichten Mittelfeld der Liga gefangen, der vierte Platz liegt weiter nur sechs Punkte entfernt. Der gestrige Nachmittag zeigte: Die Stimmung in der Ostschweiz kann sich schnell aufhellen, wenn die Resultate stimmen. Nach Wochen, in denen Trainer Joe Zinnbauer den FC St. Gallen nicht voranbrachte und nach Tagen, in denen die Entlassung von Assistenztrainer Martin Stocklasa und die Club-Kommunikation für Verwirrung sorgte, hat das Team die St. Galler Fussballwelt zumindest halbwegs wieder ins Lot gebracht. Und die knapp 11000 Anhänger im Stadion versöhnlich gestimmt.

Dreierabwehr als Heilsbringer?

Auch wenn es kein grosser, emotionaler Fussballnachmittag war und der Sieg nicht gleich als grosser Befreiungsschlag bezeichnet werden kann: St. Gallen zeigte sich so stabil wie selten in dieser Saison. Die Dreierabwehr, die bereits in Lugano Erfolg gebracht hatte, könnte für das Team zu einem Heilsbringer werden – zumindest gegen Mannschaften auf Augenhöhe. St. Gallen wirkt variabler im Spiel nach vorne, ohne defensiv wackliger zu werden. Martin Angha, Karim Haggui und Silvan Hefti in der Dreierabwehr waren in den meisten Situationen bereit. Auch wenn Zinnbauer nach dem Spiel sagte: «Es ist erst ein Anfang. Wir haben noch viel daran zu arbeiten.» Er weiss: Europacupplatz und Abstiegskampf liegen in dieser Saison nahe beisammen.

Da Alain Wiss gelbgesperrt fehlte – er sah sich das Spiel neben Rückkehrer Tranquillo Barnetta auf der Tribüne an – und Gianluca Gaudino krank Forfait geben musste, stiess Verteidiger Roy Gelmi erstmals von Beginn weg ins defensive Mittelfeld. Viel ging von ihm und Nebenmann Toko aus. Profit schlagen aus dem Übergewicht konnten die St. Galler aber lange Zeit nicht. Immerhin zählte man vor der Pause zwei Chancen von Albian Ajeti. Die Erlösung aus St. Galler Sicht kam in der 57. Minute, als Roman Buess, zuvor kaum gesehen, einen weiten Pass von Haggui souverän zum 1:0 verwertete.

Tafer trifft vier Minuten nach seiner Einwechslung

Eine schöne Geschichte rundete den ersten St. Galler Heimsieg seit Ende August ab: Yannis Tafer, zuletzt kaum mehr im Einsatz, erzielte kurz vor Schluss, vier Minuten nach seiner Einwechslung, das 2:0. Kurz zuvor hatten es die Lausanner verpasst, auszugleichen. Eine Grosschance von Nassim Ben Kalifa konnte Goalie Daniel Lopar reflexartig mit dem Fuss abwehren.

Lausanne-Trainer Fabio Celestini ärgerte sich nach dem Spiel weniger über die verlorenen Punkte als über die «fehlende Spontaneität und Leichtigkeit» seiner Spieler. In diesen beiden Sparten kann sicher auch der FC St. Gallen weiter zulegen. Dass Leichtigkeit im Normalfall eng mit Erfolgserlebnissen verknüpft ist, weiss Celestini nur zu gut. Sein Team hatte sich zum Saisonbeginn als Aufsteiger in einen Lauf gespielt.


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