St. Gallen nimmt auch den Luganesi die Sorgen

FCSG ⋅ Zu wenig Präsenz, zu wenige Ideen: Der FC St.Gallen verliert gegen den FC Lugano mit 0:2. Die Ostschweizer schenken damit zum zweiten Mal in Folge einem Tabellenletzten drei Punkte.
Aktualisiert: 
19.11.2017, 08:00
18. November 2017, 20:30
Ralf Streule
Die Schweiz qualifiziert sich für die WM, der FC St.Gallen erhält ein neues Aktionariat, an der Generalversammlung steht der Verwaltungsrat in der Defensive. In den vergangenen zwei Wochen rückte die Mannschaft des FC St.Gallen derart in den Hintergrund, dass sich der Zuschauer vor dem gestrigen Heimspiel gegen Lugano zuerst in Erinnerung rufen musste, was zuletzt vor der Nationalmannschaftspause geschehen war. Eine Niederlage war es gewesen, ein empfindliches 0:3 gegen den Tabellenletzten in Luzern. Nun also war Samstagabend der neue Tabellenletzte zu Gast. Und St. Gallen wurde ein weiteres Mal zum Punktelieferanten für ein Team in Nöten. 2:0 hiess es am Ende für die Tessiner, und weder Spieler noch Trainer des FC St.Gallen konnten nach der Partie etwas schönreden: Es war eine ungenügende Leistung.
  • Danijel Aleksic: Note 2,5. Das einzige, das ihm gelingt: Er deutet seine technischen Fähigkeiten an. Ist aber ohne Einfluss.
  • Marco Aratore: Note 3,5. Beginnt dynamisch, gibt aber stetig ab. Nach 83 Minuten ersetzt ihn Yannis Tafer.
  • Boris Babic: Note 3,5. Er kommt für Taipi und bildet mit Buess zum Schluss einen Doppelsturm. Sieht kaum einen Ball.

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 – Leistungsträger bis 6 - Matchwinner.

Alexander Gerndt vergibt frühere Führung Luganos

Dabei hatte Contini nach der Niederlage in der Zentralschweiz einige Änderungen vorgenommen. Aus dem 4-1-4-1 wurde wieder ein 4-2-3-1, in der Innenverteidigung ersetzte Musavu-King den gesperrten Silvan Hefti, Gjelbrim Taipi spielte von Beginn weg im defensiven Mittelfeld anstelle von Stjepan Kukuruzovic. Doch auch wenn vor allem King seinen Part in der Innenverteidigung mit starker physischer Präsenz übernahm und auch wenn die Mannschaft Laufbereitschaft zeigte: Schon in den ersten Minuten zeigte sich, dass die Tessiner präsenter waren, dass die verschiedenen Reihen der St.Galler schlecht abgestimmt waren. So gehörten die beiden Grosschancen der ersten Hälfte den Tessinern, die aus einer sicheren Defensive agierten, aber dennoch stets gefährlicher wirkten. In der 25. Minute tauchte Alexander Gerndt alleine vor Daniel Lopar auf, schloss aber schwach ab. Sein Heber zehn Minuten später flog nur knapp am Tor vorbei. Als sich danach die St.Galler etwas zu fangen schienen, hofften die Zuschauer auf einen besseren zweiten Umgang. Es kam anders.

Kein Team hat mehr Gegentore erhalten

Noch stärker als in der ersten Halbzeit zeigte sich danach, dass Lugano mutiger, frischer und mit einer klareren Spielidee agierte. St.Gallen kam nie mehr gefährlich vor das gegnerische Tor, die Tessiner ihrerseits mehrmals. Das 0:1 in der 72. Minute hatte sich in den Minuten zuvor angekündigt. Nach einem Freistoss von Davide Mariani bewachte die St.Galler Hintermannschaft Jonathan Sabbatini zu wenig eng – er traf per Kopf. Schön anzusehen war schliesslich der zweite Treffer, der wiederum von Mariani eingeleitet wurde, diesmal mit einem langen, überraschenden  Pass in die Tiefe auf Carlinhos, der alleine vor Lopar souverän abschloss. 

Kein Super-League-Team hat unterdessen mehr Gegentore erhalten als der FC St.Gallen. Dass aber auch das Offensivspiel Sorgen macht, zeigte sich gestern in der Schlussphase. Eine Reaktion der St.Galler war im Ansatz zu sehen, dennoch schien Continis Team bis zum Ende öfters zu reagieren statt zu agieren. 

Eine weitere Negativmeldung am Samstagabend war die Zuschauerzahl: Nur knapp 10'000 Personen fanden ins Stadion, was Saisonminusrekord bedeutete. Es mag mit der Kälte erklärbar sein. Dass ein FC St.Gallen auf dem vierten Platz nicht mehr Leute anzieht, ist dennoch überraschend. Wollen die Ostschweizer dies ändern, dürfte in einer Woche in Thun eine Reaktion nötig sein. Es ist ein Spiel gegen einen weiteren Abstiegskandidaten. Als Favoriten gehen die St.Galler dennoch nicht ins Spiel.
  • Andreas Wittwer gegen Luganos Carlinhos Junior im Luftduell.
  • Der St. Galler Danijel Aleksic im Zweikampf mit Luganos Steve Rouiller.
  • Der St. Galler Marco Aratore versucht den Ball unter Kontrolle zu bringen.

Der FC St.Gallen verliert vor heimischer Kulisse mit 0:2 gegen Lugano. Die Tore für die Tessiner erzielen Sabbatini und Carlinhos.


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