Zu mutlos gegen leidenschaftliche Luzerner

RÜCKSCHLAG ⋅ Die erste Saisonniederlage im dritten Spiel: Der FC St.Gallen unterliegt dem FC Luzern mit 0:2. Dabei wirken die Ostschweizer weit harmloser als drei Tage zuvor gegen Sion.
10. August 2017, 07:42
Ralf Streule

Ralf Streule

In der Nachspielzeit kam sie doch noch, die Grosschance für den FC St.Gallen. 90 Minuten lang war kaum eine Möglichkeit zu ­notieren gewesen – mit Ausnahme vielleicht eines Distanzversuchs von Tranquillo Barnetta in der 51. Minute. Nun aber gab es diesen Lattentreffer von Albian Ajeti. Doch auch wenn der Ball im Tor gelandet wäre, an der St.Galler Niederlage gegen den FC Luzern hätte es wohl nichts mehr geändert. Kurz zuvor hatten die Ostschweizer nämlich das 0:2 hinnehmen müssen, ein Konter war es gewesen, nach schwach getretenem St.Galler Freistoss. Ein symptomatischer Moment in einem Spiel, in dem die Luzerner vieles geschickter, eleganter und konsequenter angegangen waren. Und auch wenn wohl beide Tore aus Offsidepositionen fielen: Verdient war der Sieg der Zentralschweizer allemal.

  • Daniel Lopar: Note 4,5. Ohne ihn wäre St.Gallen zur Pause deutlicher als nur 0:1 im Rückstand gelegen. Glanzparade in der 25. Minute gegen Rodriguez.
  • Philippe Koch: Note 3,5. Noch fehlte dem Neuzugang die Bindung zum Team, was sich in Unsicherheiten spiegelte.
  • Alain Wiss: Note 3,5. Grundsätzlich solid, wäre da nicht das 0:1 nach einem Freistoss, der sekundenlang in der Luft war.

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 – Leistungsträger bis 6 - Matchwinner.

Luzern mit mehr Engagement als Sitten zuvor

Nach dem 2:0-Sieg gegen Sion am Sonntag hatte man aus Sicht der Ostschweizer von einem soliden, sicheren Auftritt gesprochen, von Ruhe, Geduld. Die Bestätigung ist den St.Gallen nicht gelungen, auch, weil sie «mutlos» auftraten, wie Giorgio Contini am Ende konstatierte. Aber auch, weil die Zentralschweizer schlicht der bessere Gegner waren als die lustlosen Sittener drei Tage zuvor. Sie standen von Beginn weg hoch, hatten mit Cedric Itten und dem Nordkoreaner Jong Gefahrenherde in der Offensive – und behielten im Mittelfeld dank herzhaftem Engagement die Überhand, zumindest in der ersten Halbzeit. Dabei schienen die Spielanlagen der beiden Teams ähnlich zu sein. Mit Ruhe und Beharrlichkeit, mit stetem Pressing und überlegtem Aufbau wollte man zum Erfolg kommen. Den Zentralschweizern gelang dies besser, weil sie genauer, schneller und variantenreicher spielten. Sehr überraschend fiel deshalb das Gegentor in der 41. Minute nicht – auch nicht in seiner Entstehung. Freistösse von Francisco Rodriguez hatten schon zuvor mehrmals Gefahr ­gebracht – diesmal konnte Goalie Daniel Lopar nichts gegen den Kopfball von Yannick Schmid ausrichten.

Gegen Ende wird der FC St.Gallen kreativer

Eine kleine Steigerung aus Sicht des FC St.Gallen war nach der Pause und vor allem gegen Ende der Partie auszumachen. Die Angriffsversuche der Ostschweizer wurden kreativer – wenn auch lange Zeit nicht erfolgversprechender. Contini hatte nach einer Stunde versucht, mit Wechseln in der Offensive neuen Wind zu bringen. Für den wenig wirkungsvollen Barnetta war Ajeti gekommen, für den zurückhaltenden Danijel Aleksic kam Yannis Tafer. Und Nassim Ben Khalifa wurde am Ende durch Roman Buess ersetzt. Ändern konnten die drei nichts – auch, weil der FC Luzern defensiv sehr routiniert auftrat. Und weil der FC St.Gallen im Spiel nach vorne doch immer wieder zu ungenau agierte.

Die Saisonkurzbilanz könnte nach drei Spielen ausgeglichener nicht sein: ein ansprechender Beginn und ein Punkt in Lausanne, ein überzeugender Auftritt gegen Sion, ein ungenügender gegen Luzern. Man werde nun nicht den Kopf hängen lassen, sagte Con­tini am Ende – schliesslich habe man nach dem Sion-Spiel auch nicht laut gejubelt. Weiterarbeiten, heisse die Devise. Ansätze gibt es nach dem gestrigen Abend einige.


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