FCSG-Präsident Hernandez: "Ajeti war mit dem Kopf schon länger in Basel"

ABGANG ⋅ Mit Albian Ajeti hat der FC St.Gallen seinen besten Torschützen der vergangenen Saison an den FC Basel verkauft. Die Summe gaben die Clubs nicht bekannt. Präsident Stefan Hernandez über das Unverständnis der Anhänger und Ajetis Befindlichkeit.
04. Oktober 2017, 05:50
Interview: Patricia Loher

Stefan Hernandez, weshalb verkauft St.Gallen seinen talentiertesten Stürmer?
Der FC Basel hat mehr als einmal wegen Albian Ajeti bei uns angeklopft. Im Sommer waren die Kriterien für einen Transfer nicht erfüllt – nun schon. Der Erlös verschafft uns die Möglichkeit, die Mannschaft weiter zu stabilisieren und zu verstärken.

Ein grosser Teil der Anhänger kann diesen Transfer nicht verstehen. Es heisst, so sei man weiter ohne Ambitionen.
Der Entscheid, Ajeti abzugeben, wird zu hundert Prozent von der sportlichen Leitung mitgetragen. Ajeti wollte gehen, seine Leistungen in dieser Saison waren nicht mehr so überzeugend wie noch in der vergangenen Meisterschaft. Ajetis Abgang erwischt uns sicher nicht auf dem falschen Fuss. Wir waren vorbereitet, obwohl wir dachten, der Wechsel käme erst im Winter zustande. Doch dann hat sich in Basel die Situation mit der Verletzung von Ricky van Wolfswinkel geändert.

Also war Ajeti mit dem Kopf schon länger in Basel?
Ja, das spürte man.

Basel soll bei weiteren Clubs vorstellig geworden sein um über Transfers zu verhandeln. Diese Vereine blieben hart.
Beim FC Basel hatte Ajetis Transfer oberste Priorität. Und wenn ein Spieler den Verein wechseln will, bringt es nichts, ihn zum Bleiben zu zwingen.

Es heisst, der FC St.Gallen sei beim Wechsel von Ajeti aus Augsburg im Frühling Kompromisse eingegangen, es partizipierten nun einige Parteien an diesem Wechsel. Ist der Transfer nach Basel ein Nullsummenspiel?
Nein. Es fliesst eine schöne Summe. Sonst hätten wir dem Transfer nicht zugestimmt. Im Vergleich mit dem Angebot im Sommer (2,7 Millionen, Red.) hat Basel deutlich nachgebessert.

Der Club hat das Geschäftsjahr mit einem Verlust von zwei Millionen Franken abgeschlossen. Wurde Ajeti auch deshalb abgegeben?
Nein, die zwei Millionen Franken Verlust haben uns nicht unerwartet getroffen. Vor einem Jahr wurde das Budget für die erste Mannschaft um eine Million aufgestockt, hinzu kam die Trennung von Joe Zinnbauer, der bis 2018 unter Vertrag ist. Dieses Defizit können wir auffangen. Deshalb haben wir auch nicht vor, den Erlös aus dem Ajeti-Transfer zu horten. Wir haben einige Ideen, wie das Geld in die erste Mannschaft investiert werden kann. Wir leben von Transfererlösen. Ajeti ist der erste Spieler seit Oscar Scarione im Jahr 2013, der uns wieder schönes Geld einbringt.

St.Gallen ist noch immer ohne Sportchef. Wer hat mit dem FC Basel verhandelt?
Der CEO FCO Ferruccio Vanin, Finanzchef Sascha Roth und ich. Unser Trainer Giorgio Contini war auch stets informiert.

Ajeti hätte als lokal ausgebildeter U21-Spieler noch bis Ende März national wechseln können. Dasselbe gilt für Silvan Hefti. Was, wenn für ihn nächstens ein gutes Angebot auf den Tisch flattert?
Wir wissen, dass Hefti auf sich aufmerksam gemacht hat. Aber wir brauchen ihn. Natürlich gibt es Kriterien, nach denen wir ihn ziehen lassen würden. Wir sind jedoch nicht ohne Plan und können uns vorbereiten auf den Fall, dass Hefti uns dereinst verlässt.

 


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