Wer beerbt Dölf Früh?

FCSG ⋅ Heute wird der neue Präsident des FC St.Gallen gewählt. Mit Rolf Schubiger und Peter Stadelmann nehmen sich zwei aus dem Spiel, die als Dölf Frühs Nachfolger gehandelt wurden. Fünf Antworten zur heutigen Generalversammlung.
12. Mai 2017, 08:06
Ralf Streule

Mit der Einsetzung von Giorgio Contini als Cheftrainer hat der FC St.Gallen vergangene Woche eine wichtige sportliche Entscheidung getroffen. Die nächste zukunftsweisende Personalie wird heute verhandelt. Die Aktionäre der FC St.Gallen Event AG treffen sich zur ausserordentlichen Generalversammlung (GV), um Dölf Frühs Nachfolge zu regeln. Die wichtigsten Fragen zur Präsidentenwahl im Überblick:
 

Wer entscheidet?

Die Aktionäre der FC St.Gallen Event AG. Dazu gehört der abtretende Präsident Dölf Früh, der knapp 40 Prozent der Aktien hält. Mit je knapp zehn Prozent sind Event-AG-CEO Pascal Kesseli, Unternehmer Edgar Oehler sowie Bankier Steffen Tolle beteiligt. Fast fünf Prozent halten Rolf Schubiger vom gleichnamigen Küchenunternehmen und Martin Jäger. 1,6 Prozent der Aktien hält die Schützengarten AG. Rund ein Fünftel der Aktien sind im Besitz der AG selbst– als Reserve für einen allfälligen späteren Aktienverkauf. Früh ist mit seinem Anteil praktisch Alleinentscheider. Sollte ein von Früh favorisierter Plan den anderen Aktionären nicht genehm sein, müssten diese wohl eine geschlossene Koalition bilden, um ein abweichendes Anliegen durchzubringen.
 

Weshalb ist die GV nicht öffentlich?

Das hat mit dem Konstrukt der zwei Gesellschaften Event AG und FC St.Gallen AG zu tun. Wie bisher wird der Präsident beiden Gesellschaften vorstehen. Die Event AG ist faktisch eine Muttergesellschaft der FC St.Gallen AG, da sie einen grossen Teil der Aktien der FC St. Gallen AG hält. Der grundsätzliche Entscheid fällt deshalb innerhalb der Event AG, wo genannte Grossaktionäre beteiligt sind. Sie beraten unter sich. Die Kleinaktionäre – Zuschauer, Gönner, Fans – halten Aktien der FC St.Gallen AG und sind an deren GV im Herbst eingeladen. Dort ist ein Aufbegehren gegen einen gewählten Präsidenten theoretisch möglich – faktisch ist eine Abwahl aufgrund der Aktienverteilung aber nicht realistisch. Diese komplizierten Strukturen wurden bei der Einführung angeprangert. Die kritischen Stimmen verstummten aber weitgehend, da unter Dölf Früh nicht an den Kleinaktionären vorbeigewirtschaftet wurde.
 

Welche Szenarien sind möglich?

Lange war die Rede davon, dass Michael Hüppi als Vizepräsident interimistisch das Amt übernehmen könnte, bis eine endgültige Lösung gefunden ist. Die Zeichen verdichten sich aber, dass ein Präsident gefunden ist. Eine Hauptfrage ist, ob Dölf Früh einen geschäftsführenden Präsidenten installiert, aufgrund seiner grossen Aktienanteile aber weiter am Ruder bleibt. Oder ob ein neuer «starker Mann» gefunden wird. Möglich ist auch, dass sich die Aktienanteile innerhalb der Event AG verschieben. Dem Vernehmen nach wird Früh seine Anteile behalten.
 

Welche Kandidaten wurden gehandelt?

Viele Namen kursierten zuletzt. Kesseli und der angeblich von Früh angefragte ehemalige FC-Basel-Präsident Bernard Heusler verneinten schon vor einiger Zeit. Gestern gaben auch Rolf Schubiger und Peter Stadelmann ein klares «Nein» zu Protokoll.
 

Wann wird entschieden?

Die GV soll heute Mittag beginnen. Später findet die Verwaltungsratssitzung mit dem neuen Präsidenten statt, wo der VR sich selbst konstituiert. Die Sitzungen dürften sich bis weit in die Nacht hineinziehen. Offiziell wird die neue Lösung wohl erst am Samstag bekanntgegeben werden.

 

Ralf Streule


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