Wenig Geld, mehr Kompetenz: Was alles auf Sportchef Alain Sutter zukommen wird

FC ST.GALLEN ⋅ Der finanzielle Spielraum für den neuen Sportchef Alain Sutter ist zwar klein, dafür aber sind die Kompetenzen gross. Der 49-Jährige wird im Gegensatz zu seinem Vorgänger auch über den Nachwuchs wachen.
05. Januar 2018, 06:01
Patricia Loher

Patricia Loher

Es war ein starkes Zeichen. Nur gerade drei Wochen nach dem Umsturz hat das neue Führungsgremium sein erstes Versprechen eingelöst. Der FC St.Gallen verfügt wieder über einen Sportchef. Nach dem turbulenten vergangenen Jahr war die Installierung von Alain Sutter durchaus ein Vertrauen erweckendes Signal – sowohl gegen innen als auch gegen aussen: Da sind nun Leute am Werk, die Worten Taten folgen lassen. Natürlich, auch in St.Gallen liegt die Wahrheit trotz der Prominenz in der Führungsetage noch immer auf dem Platz. Und was auf dem Platz geschieht, wird wesentlich durch die finanziellen Möglichkeiten beeinflusst. Sutter, der am 22. Januar seinen 50. Geburtstag feiert, übernimmt das Amt zu einer Zeit, in der Ebbe herrscht in der Kasse des FC St.Gallen.

Eigentlich müsste die Mannschaft auf ein, zwei Positionen verstärkt werden, will sie den vierten Rang bis zum Ende der Saison verteidigen. Vor allem die Lücke, die Albian Ajeti hinterlassen hat, wurde nicht geschlossen. Insgesamt fehlt es der Mannschaft noch an Stabilität. Die Tordifferenz spricht trotz der eigentlich starken Zwischenplatzierung keine gute Sprache: St.Gallen hat in 19 Spielen mit 37 Toren am meisten Gegentreffer hinnehmen müssen, selber jedoch nur 26-mal getroffen. Präsident Matthias Hüppi hat dem Team aber das Vertrauen ausgesprochen: «Ich bin überzeugt von der Qualität der Mannschaft. Sonst würde sie nicht den vierten Platz belegen. Schnellschüsse kommen jedenfalls nicht in Frage.»

Identifikation durch Nachhaltigkeit

Ursprünglich war im Hinblick auf die zweite Saisonhälfte ein Leihgeschäft geplant, das nun aber nicht zu Stande kommen wird. «Leihgeschäfte werden wir künftig vermeiden, es sei denn, es besteht die Möglichkeit, diesen Spieler später definitiv zu übernehmen», so Hüppi. Er und seine Kollegen im Verwaltungsrat sowie die Aktionäre haben sich der Nachhaltigkeit verschrieben. So soll eine neue Identifikation entstehen. Dieses Credo trägt auch der neue Sportchef mit.

1,5 Millionen Franken sollen dem FC St.Gallen vom Transfer des Stürmers Ajeti zum FC Basel geblieben sein. Aktuell scheint es fraglich, ob die Ostschweizer dieses Geld investieren. Denn sie liegen bereits wieder hinter dem Budget 2017/18 zurück. Sparen ist angesagt. Schon zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres klaffte ein Loch von 2,6 Millionen Franken in der Kasse. Nachdem das Budget aufgestockt worden war, haben auch die Turbulenzen um Joe Zinnbauer, Christian Stübi, Pascal Kesseli, Martin Stock­lasa oder Simon Storm ihre Spuren hinterlassen. Hinzu kommt nun, dass der frühere Präsident Stefan Hernandez ebenfalls noch ein halbes Jahr seinen Lohn bezieht. Zinnbauer und sein ehemaliger Assistent Daniel Tarone stehen noch bis Mitte dieses Jahres auf der Liste der Lohnbezüger, Kesseli noch drei Monate.

Die Summe aus dem Ajeti-Transfer scheint erst in der nächsten Jahresrechnung auf. So ist der FC St.Gallen in seiner Existenz nicht bedroht, zumal in den vergangenen Jahren Reserven angelegt werden konnten. Trotzdem gibt es bei den Aktionären den Gedanken, Geld einzuschiessen, um den Club von Altlasten zu befreien und ihm ­einen Neustart zu ermöglichen.

Wirtschaftsprüfer untersuchen derzeit die Geldflüsse der vergangenen Monate. Mitte Februar sollen die Resultate vorliegen. Diesbezüglich ist vor allem das Nachwuchsprojekt Future Champs Ostschweiz ein Sorgenkind. Trotz eines stattlichen Budgets von 4,4 Millionen Franken fehlten am Ende des vergangenen Geschäftsjahres 400'000 Franken – und seit Silvan Hefti hat nur noch Silvan Gönitzer den Sprung in die erste Mannschaft halbwegs geschafft. Noch ist der Aufwand zu gross, der Ertrag aber zu klein. Im Gegensatz zu Stübi, der nur Sportchef der ersten Mannschaft war, im Nachwuchs aber über keine Kompetenzen verfügt hat, wacht sein Nachfolger Sutter auch über die Talentförderung. Der frühere Internationale, der direkt dem Verwaltungsrat unterstellt ist, wird also mit den selben Kompetenzen ausgestattet wie einst der Österreicher Heinz Peischl. Erst, nachdem Marco Otero als Nachwuchschef installiert worden war, entschied der damalige Präsident Dölf Früh, Peischl die Verantwortung für den Junioren-Spitzenfussball zu entziehen. Es sei für einen allein nicht machbar, sowohl das Super-League-Team als auch die Nachwuchs­abteilung professionell zu führen, hiess es damals. Danach stellte sich heraus, dass Otero und Peischl das Heu nicht auf der selben Bühne hatten, wenig später musste Peischl gehen.

Sutter wird im Nachwuchs ­genau hinschauen, das wurde an der Medienkonferenz vom Mittwoch klar. Hüppi sagte: «Future Champs Ostschweiz ist ein fast einzigartiges Projekt. Nun gilt es die Personalstrukturen anzuschauen und zu analysieren, wohin das Geld fliesst.»
 

«Wollen uns auf Platz vier festbeissen»

Nachwuchs und erste Mannschaft: Es wartet viel Arbeit auf den neuen Sportchef. Am Mittwoch wird Sutter mit dem Super-League-Team ins Trainingslager nach Spanien reisen. Die Verträge von Captain Toko, Andreas Wittwer, Gjelbrim Taipi, Karim Haggui und das leihweise Engagement von Yrondu Musavu-King laufen im Sommer aus. Im Trainingslager geben Trainer und Sportchef die Richtung vor. «Wir wollen uns auf Platz vier fest­beissen», sagte Coach Giorgio Contini zum Trainingsstart am Mittwoch. Nach der Vorstellung Sutters schob er nach: «Ich bin froh über die Unterstützung.»


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