Chancenlos gegen YB? So gewann der FCSG vor 12 Jahren letztmals in Bern

CUP-VIERTELFINAL ⋅ Die Cupauslosung hat dem FC St.Gallen die schwierige Aufgabe eines Auswärtsspiels bei Tabellenführer YB beschehrt. Lange ist's her, als Grünweiss letztmals in Bern als Sieger vom Platz ging. Am 20. März 2005 - vor genau 4604 Tagen. Wir haben im Archiv den damaligen Matchbericht gefunden.
27. Oktober 2017, 12:24

Mit dem Glück des Tüchtigen

Fussball. Beim 3:2 in Bern hat der FC St. Gallen zwar einen sehr glücklichen, aber nicht unverdienten Sieg gefeiert. Nach einer deutlichen 3:0-Führung mussten die Gäste noch um ihren Erfolg zittern.

Markus Scherrer/Bern
Der Neufeld-Rasen scheint dem FC St. Gallen in dieser Saison ganz besonders zu liegen. Am 26. September 2004 waren die Ostschweizer gegen die Young Boys zu ihrem bis gestern einzigen Auswärtssieg (1:0) der aktuellen Spielzeit gekommen. Nun hat die Mannschaft von Trainer Heinz Peischl die Berner an gleicher Stätte erneut bezwungen. Am Ende konnten die St. Galler einen 3:2-Erfolg feiern, der zwar mit einigem Glück zustande gekommen, aber nicht als unverdient zu bezeichnen war.

Hatten sie sich zuletzt nach den beiden 0:0 gegen Schaffhausen und Aarau noch über ihr Abschlusspech beklagt, wiesen sie gestern eine fast hundertprozentige Chancenauswertung auf. Und dies trotz der Absenz von Stürmer Eric Hassli, der im Abschlusstraining eine Hirnerschütterung erlitt, bis am späten Samstagabend deswegen im Spital lag und tags darauf Forfait geben musste.
 

Unerwartete St. Galler Führung

Dass selbst Heinz Peischl hinterher unter anderem von einem glücklichen Sieg sprach, war fast ausschliesslich auf die erste Halbzeit zurückzuführen, in welcher der FC St. Gallen zwar sehr solid verteidigte, aber im Spiel nach vorne doch einige Mängel erkennen liess. Er konnte sich praktisch keine Chancen erarbeiten. Und er entging in der 43. Minute nur knapp einem Verlusttreffer. Den ersten Kopfball von Joël Magnin lenkte Torhüter Stefano Razzetti, der sein Können in der 54. Minute bei einem Schuss Häberlis noch einmal eindrücklich unter Beweis stellte, mirakulös in Corner. Der zweite von Magnin, nur Sekunden später, prallte an die Latte. Und Hans-Peter Zaugg, der Coach der Young Boys, sagte später: «Das hätte ein Tor sein müssen. Wäre uns ein Treffer gelungen, hätte das Spiel unter Umständen anders aussehen können.»

Doch just in jener Phase, in der die Young Boys dem 1:0 wirklich nahe standen, gingen die Ostschweizer, bei denen Mijat Maric in der 36. Minute nach einem Zusammenprall mit De Napoli mit einer Platzwunde am Kopf ausschied, plötzlich und unerwartet in Führung. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte fand ein von Julio López getretener Freistossball an Freund und Feind vorbei den Weg ins Tor. Der FC St. Gallen war damit zum 1:0 gekommen wie die Jungfrau zum Kind.


Pavlovics wunderbares Tor

Mit diesem Vorsprung im Rücken trat der FC St. Gallen einerseits zu Beginn der zweiten 45 Minuten dominanter auf, und andererseits wurde der Gegner dazu gezwungen, mehr zu wagen. Diese Risikobereitschaft des Heimteams nützten die Ostschweizer konsequent aus. Zuerst schloss Moreno Merenda in der 63. Minute einen mustergültig vorgetragenen Angriff - über López und Bruno Sutter - zum 2:0 ab. Und nur sechs Minuten später erzielte Dusan Pavlovic mit einem sehenswerten, ja geradezu wunderbaren Lobball aus rund 20 Metern das 3:0. Allein dieser Treffer war das Eintrittsgeld wert. «Wir haben gesehen, dass der Weg von einem 0:3 zu einem 0:5 nicht unbedingt weit ist», sagte Zaugg. Denn die St. Galler, die an diesem Nachmittag eine geschlossene Teamleistung boten, einen grossen Willen erkennen liessen, besassen durchaus Möglichkeiten, ihr Skore weiter auszubauen.

Dass die Ostschweizer am Ende doch noch eine hektische Schlussphase durchleben mussten, hatten sie sich vor allem selbst zuzuschreiben. Denn nach der deutlichen Führung wurden sie in ihrem Defensivverhalten doch etwas gar nachlässig. Urdaneta gelang nach 75 Minuten das 1:3, Chapuisat erzielte drei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit den Anschlusstreffer. Obwohl die St. Galler in der Schlussphase alles andere als souverän auftraten, war ihr Erfolg dennoch nicht mehr ernsthaft in Gefahr.

Der Sieg des FC St. Gallen sei nicht unverdient, sagte Hans-Peter Zaugg später. «Wir haben uns in Eins-gegen-eins-Situationen nicht durchgesetzt.» Derweil war Heinz Peischl «sehr froh, dass wir drei Punkte geholt haben». Zudem habe die Mannschaft gesehen, dass sie auch ohne Hassli spielen und gewinnen könne.
 

 


Young Boys - St. Gallen 2:3 (0:1)
Neufeld - 7650 Zuschauer - Sr. Busacca.
Tore: 45. Lopez 0:1. 63. Merenda 0:2. 69. Pavlovic 0:3. 75. Urdaneta 1:3. 87. Chapuisat 2:3.
Einwechslungen St. Gallen: 38. Fabinho (4) für Maric. 79. Callà für Sutter. 86. Marazzi für Lopez.
Young Boys: Bettoni; Geiser (68. Melunovic), Carreño, Disler, Rochat; De Napoli (46. Häberli), Knez, Joël Magnin (86. Maksimovic), Urdaneta; Neri, Chapuisat.
Bemerkungen: Young Boys ohne Eugster (gesperrt), Sermeter, Berisha und Aziawonou (alle verletzt). St. Gallen ohne Wolf (gesperrt), Agouda und Hassli (beide verletzt). - 6. Tor von Alex aberkannt (Handspiel). - 38. Maric nach Zusammenprall mit De Napoli mit einer Platzwunde am Kopf ausgeschieden (Montandon wechselt in die Abwehr, Fabinho spielt im Mittelfeld). In der Pause musste auch De Napoli ausgewechselt und ins Spital überführt werden. - 43. Kopfball von Magnin an die Latte. - Verwarnungen: 45. Jenny (Foul) 53. Sutter (Ballwegschlagen), 86. Magnin (Foul).

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