St. Gallen abgeklärt zum Sieg – und mit einem Quäntchen Glück

FCSG ⋅ Weil der FC St. Gallen bis zum Schluss konzentriert und ruhig bleibt, besiegt er die Grasshoppers dank zwei Toren in der Endphase 3:1. Für Trainer Murat Yakin ist es die erste Niederlage mit dem Rekordmeister.
Aktualisiert: 
29.10.2017, 19:00
29. Oktober 2017, 17:38
Christian Brägger

Es war die Geschichte des Spiels: Zwei Freunde, einst in Luzern als Lehrmeister und Lehrling gemeinsam an der Seitenlinie, treffen erstmals als Trainer aufeinander. Vor der Affiche lassen sie sich in Ruhe – es gibt keinen Kontakt. Der eine, Murat Yakin, geniesst einen Topruf. Man sagt, ihn umgebe eine Aura, wie man sie sich selbst nicht aneignen kann. Das trage man in sich – und nach aussen. Der andere, Giorgio Contini, geht seinen eigenen, ambitionierten Weg. Vielleicht will er irgendwann auf Yakins Flughöhe sein. Im Idealfall wäre also der Sieg in der Direktbegegnung ein nächster Schritt dahin. Der Idealfall trat ein, das nicht einmal unverdient. 3:1 lautete das Verdikt, das dank einem starken Schlussspurt mit Toren in der 85. Minute durch Roman Buess und in der 90. Minute durch Tranquillo Barnetta Tatsache wurde. Mit dem Erfolg hält sich der FC St. Gallen nicht nur den Gegner punktemässig vom Leib, nach 13 Runden schafft er als Vierter gar eine Kluft von vier Punkten zwischen sich und den ersten Verfolger.

  • Daniel Lopar: Note 3. Zweimal auf dem Posten. Doch der Ausgleich geht auf seine Kappe, da er Jeffren den Ball serviert.
  • Nicolas Lüchinger: Note 4,5. Immer wieder gefällige Offensivaktionen – mit wenig Ertrag. Defensiv ein passabler Auftritt.
  • Karim Haggui: Note 4,5. Der Abwehrchef wird kaum wahrgenommen, und eigentlich ist das ein gutes Zeichen.

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 - Leistungsträger bis 6 - Matchwinner. (Bilder: PD)


Noch in der Vorwoche waren die Formkurven in die umgekehrte Richtung verlaufen, der bis dahin mit dem Grasshoppers unbesiegte Yakin überzeugend. Während sich der FC St. Gallen noch eine 0:4-Heimklatsche gegen Lausanne eingefangen hatte.
 

St. Gallen lernt aus der Niederlage gegen Lausanne

Doch Contini hatte die Lehren gezogen, stellte sein Team anders ein, und vor allem: Er kannte Yakin, spürte, wie dieser wohl spielen lassen würde. Diesmal machte der Coach des FC St. Gallen vor 13 000 Zuschauern im Kybunpark alles richtig. Nichts mehr von jener Naivität war bei seinen Spielern zu sehen, nichts mehr von diesem blinden Anrennen gegen einen Gegner, der wie Lausanne im Ruf steht, auf Konter zu lauern. Hinzu kam, dass der Taktik des FC St. Gallen, aus einer gesicherten Defensive mit nur einem Stürmer zu agieren, Danijel Aleksic bereits nach sechs Minuten in die Karten spielte: Der Serbe, der auf seiner Lieblingsposition hinter der Spitze agieren durfte, stoppte Daniel Lopars weiten Ball mit der Brust, drehte sich Richtung GC-Tor und traf aus 25 Metern; es war ein typischer Aleksic-Treffer nach einem typischen Aleksic-Moment, und später hörte man ihn sagen: «Es war unser bestes Spiel der Saison.» Vielleicht war das ein wenig übertrieben, aber mit dem 1:0 im Rücken war St. Gallen natürlich gut aus dem Startblock gekommen. Ehe es in der ersten Halbzeit zusehends den Grasshoppers den Lead überliess. Doch der Rekordmeister wurde niemals zwingend, auch bei seinem Ausgleich vor der Pause nicht. Lopar missriet nach einem Rückpass das Abspiel auf einen St. Galler, er bediente stattdessen «mustergültig» Jeffren, der sich nicht zweimal bitten liess.

  • Die Choreographie der St. Gallen-Fans vor dem Spiel.
  • FC St. Gallen Trainer Giorgio Contini begrüsst kurz vor Spielbeginn GC Trainer Murat Yakin.
  • Souleyman Doumbia und Nicolas Luechinger im Zweikampf.

Vor knapp 13'000 Zuschauern gewinnt der FC St.Gallen gegen GC mit 3:1. Danijel Aleksic traf bereits nach sechs Minuten. Roman Buess und Tranquillo Barnetta sorgten dann in der Schlussphase für die Entscheidung.


Die St. Galler blieben unbeirrt, sie wirkten nach der Pause weiterhin abgeklärt und gefälliger – wenn auch in überschaubarem Rahmen. Offener denn je wurde der Ausgang dann in den letzten 20 Minuten. «Wir hatten das Quäntchen Glück auf unserer Seite», sagte Contini. Das konnte man so sehen, weil auch Yakin das so sah. Doch musste man ebenfalls feststellen, dass Contini bei seinen Wechseln das bessere Händchen hatte. Zuerst brachte er Gjelbrim Taipi, der nach einem Effort im Sechzehner, den GC-Goalie Heinz Linder falsch einschätzte, Buess perfekt bediente. Und dann hatte der eingewechselte Barnetta seinen Sondermoment – es war sein erster Super-League-Tor aus dem Spiel heraus. Lopar konnte durchatmen, sein Fehler hatte keine Punkte gekostet: «Das Team hat für mich gespielt, vielleicht gebe ich zwei Runden aus», sagte er.


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