St. Gallen trotzt dem Chaos - und der Unterzahl

FCSG-FCZ 1:1 ⋅ Der FC St. Gallen erzielt im Letzigrund gegen Leader Zürich nach der Pause das 1:1. Nach dem Platzverweis gegen Gjelbrim Taipi in der 55. Minute verteidigen die Ostschweizer den Punkt clever und mit Glück.
Aktualisiert: 
10.09.2017, 07:00
09. September 2017, 20:45
Patricia Loher
Natürlich hatten sie im Führungsgremium des FC St. Gallen gehofft, die Mannschaft möge in Zürich ablenken vom Chaos, das seit Tagen herrscht. Die Verantwortlichen träumten von einem Punkt. In einem guten Moment dachten sie vielleicht sogar an drei Zähler, die hätten helfen können, die Stimmung wenigstens ein bisschen aufzuhellen. «Chaos isch üsen Part. Nöd dä vom Vorstand», hatten die Anhänger auf ein Spruchband gepinselt. Ansonsten hielten sich die Fanproteste im Letzigrund in Grenzen.

 
Am Ende war die Welt wenigstens für einen Abend wieder in Ordnung. Das Team von Giorgio Contini tat der Vereinsleitung um Präsident Stefan Hernandez den Gefallen und sicherte sich beim Leader einen verdienten Punkt. Die Mannschaft trat in Zürich weit geschlossener auf als in diesen Tagen ihre Chefs in der Teppichetage und trotzte den widrigen Umständen auf dem Platz. Schon in der 19. Minute waren die Gäste in Rückstand geraten, Moussa Koné aber hatte das Tor aus abseitsverdächtiger Position erzielt. Nachdem der eingewechselte Danijel Aleksic in der 51. Minute zum 1:1 getroffen hatte, verlor St. Gallen seinen Mittelfeldspieler Gjelbrim Taipi aufgrund einer roten Karte. Es war vorerst nicht ersichtlich, weshalb Schiedsrichter Adrien Jaccottet den St. Galler des Feldes verwies. Nach dem Spiel stellte sich aber heraus, dass sich der Unparteiische durch Taipi verbal attackiert gefühlt hatte. Trainer Contini sagte jedenfalls, dass der Platzverweis wohl korrekt gewesen sei. «Aber dass der Schiedsrichter nach dem Spiel Taipis Entschuldigung nicht annehmen wollte, hat mich dann doch befremdet.» Zudem sei sein Team beim Gegentor im Letzigrund zum zweiten Mal nach dem wohl nach einem Hands erzielten 2:2 gegen die Young Boys benachteiligt worden. «Aber es war mir wichtig, dass wir nach diesen unruhigen Tagen eine solidarische Leistung abrufen, was uns gelungen ist. Wir waren eine Mannschaft mit viel Herzblut», so der Trainer. Schon in der ersten Halbzeit war St. Gallen dem Leader aus Zürich ein ebenbürtiger Gegner gewesen. Die Ostschweizer hielten die Mannschaft von Uli Forte in Schach, ohne allerdings offensiv gefährlich in Erscheinung zu treten. St. Gallens Auftritt war zwar mutig, die Mannschaft stand hoch. Doch um Zürich ernsthaft in Bedrängnis bringen zu können, hätte es im Angriff mehr Ideen und weniger Fehlzuspiele gebraucht.
  • Die St.Galler Fans machen mit ihrem Transparent der Clubführung eines klar: "Chaos isch üsen Part, nöd dä vom Vorstand."
  • Der Führungstreffer der Hausherren ist früh gefallen: Moussa Koné erzielt das Tor zum 1:0 in der 19. Minute.
  • Torschütze Moussa Koné jubelt nach seinem Führungstreffer.

Die St.Galler Spieler haben sich von den Querelen der letzten Wochen definitiv nicht beeinflussen lassen und haben auf dem Feld eine starke Leistung gezeigt. Spitzenreiter FC Zürich kommt im Heimspiel gegen den FC St. Gallen nicht über ein 1:1-Unentschieden hinaus. (Bilder: Freshfocus)

Zürich sucht verzweifelt die Lücke

Mit der Einwechslung von Aleksic zur Pause bewies Contini schliesslich ein gutes Händchen. Nach einem präzisen langen Ball von Taipi erzielte Aleksic das 1:1. Für St. Gallen schien wieder einiges drinzuliegen an diesem Abend, zumal der FC Zürich während 90 Minuten kaum auf seine Leistung kam. Nur der überflüssige Platzverweis durchkreuzte die Pläne. Contini brachte Alain Wiss für Tranquillo Barnetta, und über weite Strecken war den Ostschweizern die Unterzahl kaum anzumerken. Sie hielten den Schaden clever in Grenzen, machten die Räume zu und fanden phasenweise sogar mehr Platz vor als noch vorher. St. Gallen erhielt gar die Möglichkeit, den einen oder anderen Konter zu fahren, was das Team aber nicht wirklich ausnützte. Gegen Ende wurde der Druck der Zürcher immer grösser, die St. Galler hatten schliesslich auch Glück, weil der Gegner zwei, drei gute Möglichkeiten ausliess. Die Gastgeber rannten an, suchten verzweifelt nach der Lücke und als sie diese schliesslich gefunden schienen, traf Roberto Rodriguez nur die Latte.
  • Daniel Lopar: Note 4. Der Goalie war kaum gefordert, da der FC Zürich an diesem Abend vor allem am eigenen Unvermögen scheiterte.
  • Philippe Koch: Note 4. Der frühere Spieler des FC Zürich lieferte eine solide, unaufgeregte Partie ab.
  • Karim Haggui: Note 4,5. Hatte Glück, dass sein Kopfball kurz nach der Pause im eigenen Strafraum nur an die Latte ging.

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 – Leistungsträger bis 6 - Matchwinner. (Bilder: PD)


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