Eine Achterbahnfahrt zum Saisonstart

FCSG ⋅ St.Gallen und Lausanne-Sport lieferten sich zum Saisonauftakt einen spektakulären Schlagabtausch. Das Heimteam verspielte eine frühe Führung, kam durch einen Doppelschlag nach der Pause aber noch zum 3:3-Remis.
Aktualisiert: 
23.07.2017, 07:00
22. Juli 2017, 20:42

Ralf Streule, Lausanne

Der Saisonstart ist eine Wundertüte. Das war schon immer so und zeigte sich gestern Abend auf der Pontaise einmal mehr. Keiner der beiden Trainer schien nach 90 intensiven Minuten richtig zu wissen, ob er mit dem 3:3 nun zufrieden sein soll oder nicht. Zufrieden war zumindest der neutrale Zuschauer. Er hatte eine Partie gesehen mit Auf und Abs, mit sechs Toren und viel Engagement beider Teams. Ein Spiel, das irgendwie an ein Rennen zwischen einem Ruderboot und einem schweren Frachtschiff erinnerte. Das welsche Ruderboot nahm sehr schnell Tempo auf. Der FC St. Gallen, körperlich zwar überlegen, aber eben zu Beginn auch etwas schwerfällig, glich dem beladenen Schiff, das nur langsam Tempo aufnimmt.

Lausannes Startfurioso mit blauem Auge überstanden

So leichtfüssig wirkten die Lausanner in den ersten 20 Minuten, dass den St. Gallern etwas bang werden musste. Dabei hatte man doch eher den Waadtländern ­einen schwierigen Start vorausgesagt – da ihr Trainer Fabio Celestini im Vergleich zum vergangenen Aufeinandertreffen mit St. Gallen gleich auf sechs Positionen Änderungen hatte vornehmen müssen. Es waren dann aber doch zwei Bisherige, die aus Lausannes Startfurioso eine Führung machten: Elton Monteiros 40-Meter-Pass erreichte in der siebten Minute Samuele Campo, der trocken zum 1:0 abschloss. Die Ostschweizer fingen sich nicht so schnell, die Abstimmung in der Abwehr, in der Silvan Hefti verletzungshalber fehlte, funktionierte noch nicht – was alleine Gonzalo Zarate in der ersten Phase des Spiels drei Grosschancen einbrachte.

Schnelle Kombinationen bringen St. Gallen zurück

Dass es nach einer halben Stunde dennoch plötzlich 2:1 für die St. Galler stand, war nicht einem Sturmlauf der Ostschweizer zu verdanken. Sondern ihrer Effektivität bei zwei sehr direkt und schnell herausgespielten Toren, fast aus dem Nichts. Der gutaufgelegte Roman Buess und Marco Aratore trafen. Von einem «Blackout» seiner Mannschaft in jener Phase sprach Celestini nach dem Spiel. Nun hatte das St. Galler Schiff Fahrt aufgenommen. Und nichts schien es mehr bremsen zu können, als Danijel Aleksic – zuvor kaum zu sehen – nach der Pause zu seiner Spezialdisziplin Freistoss antrat und eine dominante Phase der Ostschweizer mit dem 3:1 abschloss.

  • Nach insgesamt sechs Treffern teilen sich die beiden Teams die Punkte: St.Galler Nassim Ben Khalifa und Andreas Wittwer sowie Waadtländer Valeri Bozhinov sind enttäuscht.
  • Weder die Espen noch die Waadtländer sind nach je drei Treffern mit dem Unentschieden zufrieden: Enttäuschung bei den St.Gallern Nassim Ben Khalifa und Andreas Wittwer sowie beim Waadtländer Valeri Bozhinov nach dem Spiel.
  • Jubel beim Torschützen zum 1:1: Nach dem Ausgleichstreffer von Roman Buess in der 28. Minute haben die Espen eine 3:1-Führung aufgebaut. Danach haben die Waadtländer bereits bis zur 62. Minute wieder ausgeglichen.

Der FC St.Gallen startet zumindest in der Offensive mit einer guten Leistung in die neue Saison und teilt sich trotz drei Treffern die Punkte mit den Waadtländern nach dem 3:3 im Auswärtsspiel. Für die Espen haben Buess, Aratore und Aleksic getroffen, für die Waadtländer Campo, Geissmann und Zaraté. (Bilder: Freshfocus)

Doch Lausanne erhöhte überraschend noch einmal die Schlagzahl, St. Gallen nahm ebenso überraschend Tempo weg. Und so stellten die Lausanner Neuzugänge Joël Geissmann und Zarate bis zur 62. Minute auf 3:3. Der Rest blieb ein unterhaltsames Hin und Her, das aber auf beiden Seiten nur mehr wenig einbrachte. Auch der ehemalige Lausanner Nassim Ben Khalifa, der erst in der Schlussphase zum Einsatz kam, konnte daran nichts ändern. Und auch nicht Gjelbrim Taipi bei seinem Super-League-Début.

Die Offensive überzeugt mehr als die Defensive

Auch wenn der FC St. Gallen erstmals seit drei Partien gegen Lausanne nicht gewinnen konnte und eher von zwei verlorenen Punkten sprechen muss: Das Fazit aus Ostschweizer Sicht ist nicht rundweg negativ. Vor allem in der Offensive stimmte vieles zusammen, Laufwege schienen gut aufeinander abgestimmt und besonders Yannis Tafer, Buess und Aratore harmonierten im Direktspiel. Im defensiven Mittelfeld spielten zudem die St. Galler Neuzugänge Stjepan Kukuruzovic und Peter Tschernigg einen soliden Part, wenn auch noch nicht immer mit der nötigen Kreativität. Weniger überzeugend war am gestrigen Abend hingegen die Abwehr-Viererkette, die von Steilpässen oft überrascht wurde. Unter dem Strich aber hiess die Devise von Trainer Giorgio Contini: «Darauf kann man aufbauen.» Umso mehr gilt dies, als dass mit Tranquillo Barnetta, Albian Ajeti, Hefti und Toko in den kommenden Wochen und Monaten noch Spieler mit Potenzial ins Team zurückkehren werden.
 

  • Daniel Lopar: Note 4. Der Captain hat bei den Gegentoren wenig auszurichten – und steht sonst selten im Fokus.
  • Philippe Koch: Note 3. Deutet Stärken an, ist unter Druck aber fehlerhaft – und noch ohne Einfluss nach vorne.
  • Karim Haggui: Note 3,5. Dirigierte die Abwehr auch schon souveräner – im Kopfballspiel aber meist solid.

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 – Leistungsträger bis 6 - Matchwinner. (Bilder: pd)


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