Stübis Neuanfang

RICHTUNGSWECHSEL ⋅ Während der FC St. Gallen weiterhin einen neuen Sportchef sucht, hat der frühere sein Berufsleben neu ausgerichtet: Christian Stübi kehrt in den Immobiliensektor zurück.
22. November 2017, 05:19
Christian Brägger

Man hätte Christian Stübi weiterhin als Sportchef in der Super League oder im nahen Ausland erwartet. In Luzern war er heuer schon im Gespräch, bei den Grass­hoppers auch. Nun hat der im Sommer nicht ohne Misstöne zurückgetretene Sportchef des FC St.Gallen entschieden, vorerst nicht in den Fussball zurückzukehren – wohl auch der Familie zuliebe. Der Goldacher wird beim Immobiliendienstleister Müller + Specht AG mit Niederlassungen in Stein am Rhein sowie Frauenfeld nach dem Jahreswechsel als Partner und Mitglied der Geschäftsleitung einsteigen. Und dort als COO die operativen Bereiche wie Prozess- und Qualitätsmanagement sowie Vertrieb und Marketing übernehmen. Die vorläufige Abkehr vom Fussball stellt für Stübi eine Art Rückkehr dar; bereits vor seiner Zeit beim FC Schaffhausen war er in der Immobilienbranche tätig.

Gute und schlechte Transfers

Stübi war im Mai 2015 intern von der Position des Teammanagers zum Sportchef des FC St.Gallen befördert worden und folgte damit auf den entlassenen Heinz Peischl. In seine Schaffenszeit fallen gelungene Transfers wie jener Albian Ajetis. Zudem holte er St.Gallens verlorenen Sohn Tranquillo Barnetta zurück. Doch auch Stübi lief nicht alles nach Wunsch, Batuhan Karadeniz, Kofi Schulz oder Joe Zinnbauer genügten den Ansprüchen des Clubs nie. Die letzten Monate als Sportchef der Ostschweizer mussten dem 47-Jährigen dann aber ziemlich zugesetzt haben, nachdem der damalige Präsident Dölf Früh im Mai in einer letzten Amtshandlung völlig überraschend Ferruccio Vanin über Stübi gestellt und zum CEO im Bereich Sport gemacht hatte. Ob Früh damit bezweckte, Vanin zu schützen oder Stübi zu destabilisieren, ist unklar. Die Auswirkungen dieser Umstrukturierung blieben nicht aus, in Transferangelegenheiten entstanden Unstimmigkeiten, auch sonst gab es Kompetenzgerangel – mit Vanin, mit Marco Otero, dem technischen Leiter des Nachwuchsprojektes FCO, der nun auf gleicher Hierarchiestufe wie Stübi stand. Im Juni sah der frustrierte Sportchef für sich keinen anderen Ausweg mehr, als zu kündigen, im August wurde er freigestellt. Bald entwickelt er Immobilien statt den FC St.Gallen – vielleicht liegt das gar nicht so weit auseinander.

 

Christian Brägger


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