St.Gallen verkauft Gelmi und sondiert den Markt

FUSSBALL ⋅ Roy Gelmi wechselt auf eigenen Wunsch zum FC Thun, obwohl der FC St. Gallen den 22-Jährigen gut gebrauchen könnte. Trainer Giorgio Contini sagt aber: "Wir hätten uns unabhängig von der Personalie Gelmi nach einem neuen Spieler umgesehen."
11. Juli 2017, 21:19
Patricia Loher
Innert fünf Tagen haben sich St.Gallens personelle Probleme in der Defensive verschärft. Der am Knie operierte Toko fällt drei Monate aus. Roy Gelmi, ein potenzieller Vertreter des Captains im defensiven Mittelfeld, verlässt die Ostschweizer per sofort in Richtung Thun. Und seit Dienstag steht fest: Silvan Hefti – auch ihn hätte Gelmi in der Innenverteidigung ersetzen können – muss pausieren. Der 19-jährige Hefti war am Freitag im Testspiel gegen Wohlen um­geknickt und fällt mit einer Teil­ruptur am Innenband des linken Sprunggelenks für drei Wochen aus. Somit verpasst er sicher den Saisonstart am 22. Juli. Die Innenverteidigung könnten zu Beginn Alain Wiss, der nach Adduktorenproblemen wieder im Training ist, und Karim Haggui bilden. Somit käme Wiss nicht für Tokos Position in Frage.


"Gelmi sieht beim FC Thun die besseren Möglichkeiten"

Es tönt bizarr: Die Ostschweizer verkaufen mit Gelmi einen eigenen, jungen Spieler auf dessen Wunsch ins Berner Oberland, während man ihn in der Heimat gut gebrauchen könnte. St.Gallen will gar nochmals auf dem Transfermarkt aktiv werden. Trainer Giorgio Contini relativiert. Unabhängig von der Personalie Gelmi hätte sich der Club nach Tokos Verletzung nach einem neuen Spieler umgeschaut: "Um den Konkurrenzkampf zu fördern", wie er sagt. So schien Gelmi, der mit 15 Jahren in die Nachwuchsabteilung des FC St.Gallen gewechselt hatte, seine Chancen, regelmässig zum Einsatz zu ­kommen, als klein zu beurteilen. ­Zumal die Ostschweizer in der Sommerpause mit Stjepan Kukuruzovic und Gjelbrim Taipi zwei zentrale Mittelfeldspieler verpflichtet hatten. Ferruccio Vanin, CEO der FC St.Gallen AG, liess in einer Mitteilung verlauten: "Wir hätten Roy Gelmi sehr gerne bei uns behalten, da er sich bei uns hervorragend entwickelt hat. Er sieht für sich jedoch beim FC Thun die besseren Möglichkeiten für seinen nächsten Karriereschritt."

Anscheinend wertete der 22-Jährige die Zeichen der St.Galler Vereinsverantwort­lichen wenig positiv, obwohl auch Contini sagt, er hätte gerne ­weiter mit Gelmi gearbeitet. Gelmi, der zwischenzeitlich gar Captain der St.Galler war, unterschrieb in Thun jedenfalls einen Dreijahresvertrag mit Option. Über die ­Ablösemodalitäten wurde Stillschweigen vereinbart. Thun musste Gelmi aus einem noch bis 2018 gültigen Vertrag herauslösen. Insgesamt absolvierte Gelmi 59 Super-League-Spiele für die St.Galler, dabei gelangen ihm zwei Tore. Sein erstes erzielte er ausgerechnet gegen seinen neuen Verein: Im September 2015 traf Gelmi zum entscheidenden 1:0 gegen Thun. Nach dem Rücktritt von Sportchef Christian Stübi ist es nun an CEO Vanin, den Transfermarkt zu sondieren.

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