Nahe dran im Tessin

AUSWÄRTSNIEDERLAGE ⋅ Der FC St.Gallen verliert in Lugano unglücklich mit 2:3. Die erste Niederlage unter Trainer Giorgio Contini ist aber eine mit Lichtblicken: Die St.Galler zeigen in der zweiten Halbzeit eine starke Reaktion.
Aktualisiert: 
17.05.2017, 06:00
16. Mai 2017, 22:19
RALF STREULE/LUGANO
Es waren zwei Teams im Aufwind, die sich im Cornaredo gegenüberstanden. Da St.Gallen, das sich zuletzt mit zwei Siegen seit dem Trainerwechsel Luft verschafft hat. Dort Lugano, das sich in den vergangenen Runden auf den vierten Platz gehievt hatte. In der Anfangsphase aber war von den zwei aufstrebenden Teams wenig zu sehen: Fehlpässe und technische Probleme bei der Ballannahme deuteten eher auf Nervosität hin. Lange lösten sich die taktischen Fesseln nicht. Nach 90 Minuten aber durfte man feststellen: Es war ein unterhaltsamer Abend, mit fünf Toren, einem frechen Lugano – und einem FC St.Gallen, der sich trotz 2:3-Niederlage gute Noten verdient hat. Als die St.Galler Spieler am Ende der Partie den gut 100 mitgereisten Fans dankten, sagte ihre positive Körpersprache vieles aus über die Partie.  

  • Daniel Lopar: Note 4. Der Goalie sieht beim 1:0 aus der Distanz von Davide Mariani unglücklich aus – der Flatterball ist aber schwer zu halten. Bei den anderen beiden Gegentoren ohne Chance. Versucht zunehmend, sich im Aufbauspiel zu beteiligen, anstatt überhastet mit einem hohen Ball zu befreien.
  • Karim Haggui: Note 4. Der Innenverteidiger ist als Organisator der Defensive solid, hält dank seinem Stellungsspiel auch die schnellen Tessiner Offensivkräfte in Schach. Nach vorne mit wenigen Impulsen.
  • Silvan Hefti: Note 5. Eine seiner stärksten Partien. Ist im Zweikampf mit Ezgjan Alioski meist Sieger. Bringt vor allem in der zweiten Halbzeit mit mutigem und fintenreichem Spiel nach vorne viel Gefahr.

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 – Leistungsträger bis 6 - Matchwinner. (Bilder: PD)

0:2-Hypothek schon nach einer halben Stunde

Nachdem die Tessiner nach einer halben Stunde mit ihren ersten zwei Versuchen gleich auf 2:0 stellten, waren die Ostschweizer nur kurz geschockt gewesen. Sie überstanden ein Tessiner Furioso vor der Pause – und stemmten sich danach konsequent gegen die Niederlage, setzten die Luganesi unter Druck und kamen dank eines Tessiner Eigentors und eines Weitschusses durch Toko zum Ausgleich. Und auch nach Davide Marianis zweitem Tor des Abends zum 2:3 blieben die St.Galler dran. Hadern mussten sie höchstens mit der Chancenauswertung. 

Die erste Niederlage im dritten Spiel unter Trainer Giorgio Contini nimmt der restlichen Saison des FC St.Gallen mehr oder weniger die Spannung, da die Europacup-Plätze wohl definitiv nicht mehr in Reichweite sein werden. Und dennoch ist es eine Niederlage, die Mumm geben kann. Weil sich die Mannschaft  gegen die Niederlage stemmte, weil sie – wie kaum zuvor in dieser Saison – ein Zweitorerückstand kurzzeitig ausgleichen konnte. Weil sie, je länger die Partie dauerte, im Spielaufbau selbstbewusster wurde. Aber auch, weil einzelne Spieler hoffnungsvolle Leistungen zeigten.
 
  • Die Luganesi feiern ihre gute Leistung gegen den FCSG.
  • Jubel zum 2:0: Luganos Domen Crnigoj erzielte den zweiten Führungstreffer.
  • Die St.Galler Marco Aratore und Danijel Aleksic überlassen dem Luganesi Domen Crnigoj keinen Ball.

St.Gallens guter Lauf hält nicht an. Gegen den FC Lugano setzt es eine 2:3-Niederlage. Die Luganesi festigen damit Platz 4 in der Tabelle und bleiben auf Kurs in Richtung Europa League. (Bilder: Keystone)



Zum Beisipiel Silvan Hefti, dem eine seiner besten Partien gelungen ist – noch nie war er in der Vorwärtsbewegung so quirlig und mutig wie an diesem Abend. Oder Sejad Selihovic, dem gegen Ende der Partie zwar zunehmend die Kräfte fehlten, der aber im defensiven Mittelfeld viel Spiellust versprühte. Oder Toko, der physisch präsent war im Mittelfeld und Salihovic den nötigen Platz verschaffte. Nur eines fehlte am Ende: Ein Treffer, der den Ostschweizern einen verdienten Punkt im Tessin beschert hätte.

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