Der FC St.Gallen rockt gegen Basel

HEIMSIEG ⋅ Die Mannschaft von Trainer Giorgio Contini setzt gegen den FC Basel ein Ausrufezeichen und gewinnt verdient 2:1. Vor allem in der berauschenden ersten Halbzeit offenbart sie ungeahnte Qualitäten.
20. September 2017, 23:09
Christian Brägger
Plötzlich war da doch noch Hektik. Sie war unnötig, aber sie war da. Soeben hatte Luca Zuffi in der 89. Minute den Basler Anschlusstreffer erzielt, der FC St.Gallen lag «nur» noch 2:1 in Führung. Dabei war er doch so lange auf einen ungefährdeten Heimsieg zugesteuert. Sollte er sich tatsächlich noch die Butter vom Brot nehmen lassen? Es wurde laut im Kybunpark, Pfiffe von den Rängen, Hektik überall, das Herz begann zu rasen. Schiedsrichter Stephan Klossner entschied, drei Minuten nachzuspielen, wieder Pfiffe, die Anspannung wuchs, der letzte hohe Ball Basels in den Sechzehner – vergebens. Dann der Schlusspfiff, alles gut, St.Gallen besiegt den Serienmeister, was für ein Abend.

  • Daniel Lopar: Note 5,5. Der Captain überzeugt mit starkem Stellungsspiel. Nach Hagguis Patzer pariert er zudem stark gegen Van Wolfswinkel.
  • Nicolas Lüchinger: Note 4,5. Hinten steht der neue Verteidiger meist sicher, verliert in der Vorwärtsbewegung allerdings einige Bälle. Deshalb auch die gelbe Karte.
  • Karim Haggui. Note: 4,5. Im Kopfballspiel ist der Innenverteidiger eine Bank. Der Riesenschnitzer, der nur dank Lopar nicht zum Tor führt, darf ihm nie passieren.

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 – Leistungsträger bis 6 - Matchwinner. (Bilder: pd)


 

St.Gallen oder die Stones schauen?

Dabei hatte es gestern eigentlich nur im Vorfeld der Partie einen Zwiespalt gegeben: Sollte man nach Zürich pilgern und die Rolling Stones, diese Evergreens der Musik, im Letzigrund rocken sehen? Oder doch den grünweissen FC St.Gallen im Kybunpark gegen den FC Basel unterstützen? 12 214 Zuschauer entschieden sich für Letzteres – sie bereuten es nicht. Zumal die Ostschweizer im achten Spiel der Saison den Serienmeister nach zwei frühen Toren von Marco Aratore und Danijel Aleksic bereits nach 25 Minuten in die Schranken wiesen. Aratore hatte den Ball in der 15. Minute wunderbar in die hohe Torecke geschlenzt, Aleksic zehn Minuten später von der ungenügenden Abwehr Tomas Vacliks profitiert.

Die Basis für den Sieg war gelegt, mit welchem der FC St.Gallen die Mannschaft von Trainer Raphael Wicky überholte. Auf den Walliser dürften unangenehme Zeiten zukommen, zumal er nach der dritten Saisonniederlage in der Meisterschaft überhaupt nicht im Soll ist. Demgegenüber setzten die Akteure von Trainer Giorgio Contini einen Richtwert in ihrer Spielanlage, einen Orientierungspunkt für die Zukunft, was Pressing, Leidenschaft und Spielfreude anbelangt. Selbst die Anhänger waren verzückt, stehende Ovationen nach 30 Minuten hat man in St.Gallen Jahre nicht erlebt. Doch es war verdient, weil Contini das Team optimal auf den Gegner eingestellt hatte; es bot für seine Verhältnisse vor allem in der ersten Halbzeit einen Auftritt nahe der Perfektion. Einziger Vorwurf: Statt 2:0 hätte der FC St.Gallen zur Pause höher führen müssen gegen diese in dieser Saison angezählten Basler, die nicht das erste blaue Auge kassierten, seit die neue Führung am Werk ist. Taulant Xhaka lief früh einmal im roten Bereich, als wäre er das massgebende Pendel, das anzeigt, dass es nicht läuft.

Basel legt in der zweiten Halbzeit zu

Eigentlich war dem FC St.Gallen in der ersten Halbzeit alles gelungen, jeder Spieler gefiel und ging mit viel Selbstvertrauen ans Werk, auch der Neuzugang Nicolas Lüchinger, der zu seinem Début kam. Demgegenüber agierte Basel erstaunlich passiv, was nicht nur an den zahlreichen Absenzen gelegen haben konnte. Sondern am starken Auftritt der St. Galler. Erst in der zweiten Halbzeit zeigten sich die Gäste engagierter, Ricky Van Wolfswinkel tauchte schnell einmal alleine vor dem Tor Daniel Lopars auf, Davide Callàs Abschluss streifte später die Latte. Aber Angst, dass da noch etwas Unheilvolles passieren könnte, musste man bis auf die Schlussminuten nicht haben. Contini hatte am Vortag der Partie ja gesagt, man werde sehen, ob es der richtige Moment ist, gegen Basel zu spielen. Seine Mannschaft hatte ihm die Antwort auf dem Rasen gegeben.

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