Retro-Trikot mit Geheimbotschaft?

FCSG ⋅ Der FC St.Gallen hat sein neues Trikot vorgestellt. Was macht es modisch her? Wir haben es uns angeschaut - und fussballtechnische Rückschlüsse gezogen.
13. Juli 2017, 15:05
Diana Hagmann-Bula
Wir tragen weisse Turnschuhe, die nach der amerikanischen Tennislegende Stan Smith benannt sind. Wir schlendern in Röcken durch die Stadt, die an die Bekleidung von Belinda Bencic auf dem Sandplatz erinnern. Und nun hat sich auch noch der FC St.Gallen für ein Trikot entschieden, das halb Polo-Shirt ist, wie Roger Federer es in Wimbledon trägt. Knöpfe sind zwar dran, der Kragen fehlt aber. Wer zurzeit modemässig beim Tennis und seinen Stars abkupfert, macht nichts falsch. Das haben sich wohl auch die Designer des neuen FCSG-Trikots gedacht. Wie schön, wenn die Parallelen auf die sportliche Ebene übergehen würden. Kehrt das Team unter Giorgio Contini so erfolgreich aus der Sommerpause zurück wie der Schweizer Tenniscrack nach seiner Auszeit, werden die Fans Tränen der Freude trocknen. Unabhängig davon, ob ihnen das neue Trikot ihrer Mannschaft gefällt oder nicht.

  • Das Heimtrikot der kommenden Saison, präsentiert von Nzuzi Toko.
  • Das Auswärtstrikot der kommenden Saison.
  • Ein jubelnder Albian Ajeti im Heimtrikot der vergangenen Saison.

In unserer Bildergalerie sehen Sie die FCSG-Trikots, der vergangenen Jahre.

Fussball ist Lifestyle

Das Trikot, absolut unwichtig! Wichtig ist, was auf dem Platz passiert, ärgern sich die sport-, aber modeuninteressierten Leser dieser Zeilen nun vielleicht. Vincent Lecrosnier, Direktor für Farben, Materialien und Trends bei Ausrüster Adidas, würde da vehement kontern. «Was auf dem Feld passiert ist wichtig, aber noch wichtiger ist, was neben dem Platz los ist», pflegt er zu sagen. Die grosse Herausforderung für Adidas vor Meisterschaften sei jeweils, «dass man ein Trikot erstellt, das auf dem Feld gut aussieht und ein zweites, das einem Street-Approach gerecht wird.» Für viele Kinder und Jugendliche, so Lecrosnier in einem Interview, sei Fussball zu einer Art Lifestyle geworden. Sie tragen das Shirt ihrer Mannschaft nicht nur, wenn sie im Stadion jubeln oder leiden, sie tragen es auch, wenn das Spiel gewonnen oder verloren und vorbei ist. Auf der Strasse, in der Schule, im Café.
Das neue Auswärtstrikot des FCSG. Zoom

Das neue Auswärtstrikot des FCSG.

Die FCSG-Fans, denen Kleidung nicht egal ist, werden das neue Heimspiel-Trikot ihrer Mannschaft lieben. Schlicht, stilvoll, retro: So kommt es daher. Körperbetont genug, dass man die (meist) durchtrainierten Spielerkörper erahnen kann, weit genug, dass nicht verraten wird, ob Daniel Lopar und Co. in der Sommerpause ein paar Bratwürste zu viel gegessen haben. Während die Spieler Uruguays immer wieder ihren Six Pack unter hautengen Leibchen zur Schau stellen und das Klischee des Fussballer als Sexsymbol zementieren, mag es der Ostschweizer Club lockerer. Die Fans werden es ihm danken: Sie passen auch ohne «Schwangerschaftsfalten für gealterte Fans» (wie die Extraanfertigung für weniger sportliche Uruguay-Anhänger umschrieben wird) und trotz Bier- und Grilleskapaden in das Oberteil ihres Lieblingsteams.
 

Zurück zu den Anfängen

Mode ist Kommunikation, Mode schickt Botschaften. Fussballkleidung ist davon nicht ausgenommen. Im Fall des FCSG will uns das Trikot sagen: Wir gehen die neue Saison entspannt an (Schnitt). Das Retro-Design lässt vermuten, in welche Richtung es technisch gehen soll: Zurück zu den Anfängen. Weg vom komplizierten Fussball, der unter Joe Zinnbauer aufgekommen ist und nicht funktioniert hat, zurück zu einem schnörkellosen, direkten, erfolgsbringenden Spiel.
 

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Auch wenn das Trikot für die Partien vor heimischem Publikum modisch solid daherkommt: Schwieriger ist es mit dem Auswärtstrikot. Dieser Farbverlauf! Nicht jedermanns Sache, schon gar nicht jene der Männer. Ein Design, das an Batik und Hippies erinnert. Und man fragt sich, was es auf dem Rasen verloren hat. Gut, die Hippies haben im Grünen ihre Decken ausgebreitet, darauf über freie Liebe und neue politische Ideen philosophiert. Der Leistungsgesellschaft haben sie sich aber verweigert. Eben um Siege und Punkte geht es aber, wenn der Ball wieder rollt.
 
Dass Grün, die Farbe des Vereins ist, ist hingegen ein trendiger Glücksfall. Das Farbforschungsinstitut Pantone hat Greenery zur Farbe des Jahres 2017 erkoren. Eine hellere Nuance zwar als auf dem FCSG-Trikot, aber ebenfalls Grün. Vielleicht wird es ja auch das Jahr des FCSG. Doch noch. Irgendwie.

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