Verletzungsmisere beim FC St.Gallen - Contini: "Ich mag nicht jammern"

SUPER LEAGUE ⋅ St.Gallen gastiert heute ab 19 Uhr bei den Grasshoppers. Die Ostschweizer sind weiter gut im Rennen. Sie verdanken das einem Kader, das noch vor wenigen Monaten als zu gross taxiert wurde.
14. April 2018, 12:02
Patricia Loher

Patricia Loher

In Anbetracht der langen Verletztenliste ist es doch erstaunlich: Die St.Galler haben noch immer gute Karten, die Saison in rund einem Monat auf Rang drei abzuschliessen. Es könnte ein wertvoller Platz sein. Wenn die Young Boys Meister und Cupsieger werden, ist das drittklassierte Team direkt für die Gruppenphase der Europa League qualifiziert. Platz drei wäre für die Ostschweizer ein Coup. Sie könnten dann von sich behaupten, nicht nur den Abgang von Albian Ajeti besser verkraftet zu haben als erwartet, sondern auch der Verletzungshexe getrotzt zu haben.

Noch nie in den vergangenen Jahren war das Verletzungspech bei den St.Gallern so gross wie in dieser Rückrunde. Bei den meisten betrifft die Sorgen die Knie. Nicolas Lüchinger postete auf Instagram ein Bild: Es zeigte ihn selber, Philippe Koch und Miro Muheim, wie sie an Krücken gehen. Für die drei ist die Saison nach Knieoperationen zu Ende. Neuzugang Muheim wird nach einem Kreuzbandriss mindestens ein halbes Jahr ausfallen. Verletzt sind auch Nachwuchshoffnung Jasper van der Werff und Routinier Tranquillo Barnetta.

Wann kehrt Barnetta zurück?

Der 19-jährige Van der Werff hätte nach einer Zerrung im Knie in dieser Woche wieder mit dem Team trainieren sollen, litt aber an einer Angina. Barnettas Problem ist ebenfalls das Knie. Die vielen Trainings auf Kunstrasen und pickelharten Unterlagen haben anscheinend nicht nur ihm zugesetzt. «Wir entschieden uns, dass Barnetta eine Schonphase einlegt», so Trainer Giorgio Contini. Zurzeit ist ungewiss, wann der 32-jährige Mittelfeldspieler wieder einsatzbereit sein könnte.

Noch nach der Winterpause wurde moniert – auch von dieser Zeitung –, das Kader sei mit 26 Feldspielern zu gross, um effizient trainieren zu können. Doch im Verlauf der Wochen, als ein Akteur nach dem anderen Forfait erklären musste, erwies sich die Grösse des Teams als Glücksfall. Trainer Contini war jedenfalls trotz des zwischenzeitlichen Ausfalls von bis zu sechs potenziellen Stammspielern weiterhin in der Lage, eine kompetitive Mannschaft zu nominieren, die immerhin fünf Siege in Serie aneinanderreihte und damit bis auf Rang drei vorrückte.

Bei der 2:4-Niederlage vom Sonntag gegen Leader Young Boys konnte Contini trotz langer Abwesenheitsliste Spieler wie Cedric Itten und Danijel Aleksic einwechseln. Natürlich sind der Optionen weniger geworden, letzter gestandener Super-League-Spieler auf der Ersatzbank war nach der Einwechslung von Aleksic und Itten noch Yannis Tafer. Vor allem ein Ausfall eines Abwehrspielers hätte Contini wohl vor Probleme gestellt, zumal Karim Haggui einmal mehr nicht dem Aufgebot angehörte. «Ich mag nicht jammern, dass viele Spieler fehlen. Ich arbeite mit jenen, die mir zur Verfügung stehen», so Contini. Dass auch junge Akteure wie Cedric Gasser zum Zug kommen, ist eine eigentlich positive Folge eines negativen Themas. Und: Möglicherweise wäre Van der Werff ohne das Verletzungspech anderer noch nicht entdeckt worden.

Ein bisschen kürzer ist die Ausfallliste geworden. Peter Tschernegg ist seit zwei Wochen zurück. Und nach sieben Wochen wieder fit ist Silvan Gönitzer. Der 21-Jährige gehörte am Sonntag erstmals seit seiner Knieverletzung, die er sich Mitte Februar zugezogen hatte, wieder dem Kader an. «Unser Grundgerüst steht», sagt Contini. «Und wir sind in der Lage, Ausfälle zu kompensieren.»


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