Olma-Ohrfeige: Die Espen gehen gegen Lausanne-Sport mit 0:4 unter

OLMAMATCH ⋅ Rückschlag für den FC St. Gallen: Die Mannschaft von Trainer Giorgio Contini enttäuscht und muss sich von Lausanne auskontern lassen. St. Gallen verliert vor eigenem Publikum mit 0:4.
Aktualisiert: 
23.10.2017, 06:00
22. Oktober 2017, 17:51

Patricia Loher

Als der Schlusspfiff dann endlich ertönte nach den rabenschwarzen 90 Minuten, war das Stadion schon fast leer. Ein grosser Teil der Zuschauer hatte sich nach dem 0:3 in der 55. Minute enttäuscht auf den Heimweg gemacht. Es war für die St. Galler am letzten Olma-Tag und bei garstigem Herbstwetter ein bitterer Moment. Nur eine Woche nach dem 2:1-Erfolg in Sitten, den sich St. Gallen vor allem dank beeindruckender Effizienz gesichert hatte, war es gestern Lausanne, das die Ostschweizer gnadenlos auskonterte und die Chancen konsequent nutzte. Das Team vom Genfersee, vor dem Saisonstart noch einer der meistgenannten Abstiegsanwärter, erteilte der Mannschaft von Trainer Giorgio Contini eine Lektion in Sachen Cleverness, defensiver Stabilität und schnellem Umschaltspiel. Für die Waadtländer war es der erste Meisterschaftssieg in St. Gallen seit Dezember 1998 oder seit 13 Spielen.

Dabei hätten die Gastgeber gewarnt sein müssen nach Lausannes Erfolgen unter anderem gegen Basel und die Young Boys. Doch vielmehr bekam der FC St. Gallen aufgezeigt was passieren kann, wenn nicht alle seine Spieler ihre Leistungsgrenzen erreichen, wenn Ideen und Entschlossenheit fehlen. Natürlich, während Lausanne einen perfekten Auftritt auf das Parkett legte und jeder Schuss auch ein Tor war, lief vieles gegen die Ostschweizer. Vor den beiden Treffern zum 0:2 lenkte Andreas Wittwer die Abschlüsse der Gegner jeweils ab. Aber insgesamt machten es die St. Galler den Waadtländern doch zu einfach. Vor dem 0:1 dürfte sich Leandro Marin vorgekommen sein wie im Training, der allein gelassene Mittelfeldspieler nutzte Lausannes erste Chance zum Führungstor. Auch vor dem 0:2 durch Joël Geissmann in der 38. Minute verhielten sich die St. Galler fahrlässig nachlässig. Es waren zwar die Ostschweizer, welche die Gangart dieses Spiels bestimmten, und vielleicht hätte die Partie eine andere Wende genommen, wären Danijel Aleksic oder Nassim Ben Khalifa beim Stand von 0:1 erfolgreich gewesen. Doch über 90 Minuten waren die St. Galler eben doch zu berechenbar. Es blieb zum Beispiel ihr Geheimnis, weshalb sie gegen die teilweise mit bis zu sieben Spielern verteidigenden Gäste ihr Glück immer wieder durch die Mitte suchten. «Es war geplant, mehr über die Flügel zu spielen», sagte Trainer Contini und fügte an: «Nun fragen sie mich sicher, wieso wir das nicht gemacht haben. Ich weiss es nicht.»

  • Danijel Aleksic: Note 3.5. Ein guter Freistoss ist für einen wie ihn zu wenig. Bringt sich kaum ins Spiel ein.
  • Marco Aratore: Note 4. Einer der aktivsten St. Galler. Versucht, auch nach dem Rückstand Verantwortung zu übernehmen.
  • Nassim Ben Khalifa: Note 3. Vergibt beim Stand von 0:1 aus drei Metern mit der Hacke St. Gallens beste Chance.

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 - Leistungsträger bis 6 - Matchwinner.

Campo läuft ungehindert über das halbe Feld

Zur Pause griff Contini ein, er wechselte den Aussenverteidiger Philippe Koch aus, an seine Stelle rückte Silvan Hefti, Alain Wiss zog der Trainer in die Innenverteidigung zurück. Hefti brachte zwar mehr Schwung über die rechte Seite, nach seiner Flanke in der 51. Minute setzte Roman Buess einen Kopfball nur knapp neben das Tor. Wenig später aber fiel die Entscheidung, als Samuele Campo ungehindert über das halbe Feld laufen konnte und mit einem Traumtor das 0:3 erzielte. «Danach war das Vertrauen weg», sagte Contini. In der Tat war es in jener Phase beängstigend, wie einfach sich die St. Galler auf eigenem Platz vom Gegner auseinander dividieren lassen mussten. «Es war eine verdiente Niederlage», sagte St. Gallens Aleksic. Die Ostschweizer müssen sich nun sehr schnell etwas einfallen lassen: Nach dem Cup-Achtelfinal vom kommenden Donnerstag beim 1.-Liga-Team von Delémont empfangen sie am nächsten Sonntag die Grasshoppers. Die Zürcher haben unter dem neuen Trainer Murat Yakin Fahrt aufgenommen.

  • Der St.Galler Marco Aratore gegen Lausannes Leandro Lucas Marin.
  • Lausannes Joel Geismann trifft zum 0:2 gegen den St.Galler Torhüter Daniel Lopar.
  • Die Lausanner um Joel Geismann bejubeln dessen Tor zum 0:2.

Gleich mit 0:4 musste sich der FC St.Gallen gegen den FC Lausanne-Sport geschlagen geben. Die Espen bekundeten Mängel in der Abwehr und die Pässe waren oft ungenau. Die Waadtländer hingegen zeigten sich selbstsicher. (Bilder: Keystone)


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