Mindestens zwei Millionen Franken Defizit

FC ST.GALLEN ⋅ Sportlich war die vergangene Saison des FC St.Gallen schlecht. Aus wirtschaftlicher Perspektive muss gar von einem sehr schlechten Jahr gesprochen werden, weist die Bilanz doch ein grosses Minus aus. Noch gibt es keinen Anlass zur Sorge.
29. Juli 2017, 13:03
Christian Brägger

Ende 2010 rettete Dölf Früh den FC St.Gallen mit Gefährten vor dem finanziellen Kollaps. Er wurde Präsident, und unter seiner Ägide schafften die Ostschweizer, was im Fussball hierzulande niemandem zu gelingen schien ausser Basel: Der FC St.Gallen wurde rentabel. Die Jahresrechnungen fielen fortan vorwiegend positiv aus, entsprechend konnten für die FC St.Gallen AG und die FC St.Gallen Event AG Rückstellungen gebildet werden für schwierigere Zeiten. Ungefähr sechs Millionen Franken an Reserven sollen sich demnach angehäuft haben.

Doch die sportlich turbulente Saison 2016/17 hat nun offenbar Auswirkungen auf die per Ende Juni 2017 abgeschlossene Jahresrechnung. Auf Anfrage bestätigt St.Gallens Mediensprecher Daniel Last die negativen Zahlen, die die Clubführung aber nicht in Unruhe versetzen: «Das zu erwartende Defizit dürfte sich in der Grössenordnung von etwa zwei Millionen Franken bewegen. Diesen Verlust haben wir im Szenario einer bewussten Kostenerhöhung für die erste Mannschaft in Verbindung mit einem sportlich schlechten Saisonverlauf und Sonderfaktoren erwartet. Einen detaillierten Kommentar werden die Verantwortlichen des FC St.Gallen zu gegebener Zeit abgeben.» Spätestens an der Generalversammlung im Herbst wird man Genaueres wissen.

Gestiegene Lohnkosten

Mehr respektive präzisere Voten waren von offizieller Seite nicht zu erhalten. Es ist wahrscheinlich, dass der FC St.Gallen bei diesen erhöhten Kosten einige Altlasten mitschleppt: Einerseits rechnete er wohl mit einem strukturellen Defizit von etwa einer Million Franken; andererseits sind die Löhne entlassener oder freigestellter Mitarbeiter wie Joe Zinnbauer, Daniel Tarone oder Martin Stock­lasa vermutlich vollends darin enthalten, zudem dürfte die Position des geschäftsführenden Präsidenten Stefan Hernandez, der Früh im Mai beerbte, ebenfalls Aufnahme gefunden haben. Überdies gingen die Zuschauereinnahmen um fast 500 Besucher pro Heimspiel zurück, Transfererlöse gab es nahezu keine, ein neuer Rasen wurde verlegt, Sponsoren sollen sich zurückgezogen haben. Dass das Finden von Geldgebern in einem Umfeld, in dem zuletzt eher Unruhe herrschte, nicht einfach ist, liegt auf der Hand. Wie gesagt, dramatisch ist die ganze Chose noch nicht. Ein Denkzettel ist sie aber alleweil.


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