Lopar und Aratore spielen in der richtigen Liga

GEGENTRIBÜNE ⋅ Für viele Fussballer dürfte die Super League das höchste der Gefühle bleiben. Daniel Loper und Marco Aratore, die kürzlich mit dem FCSG verlängert haben, sind Beispiele dafür. Es gibt aber auch jene Spieler, die für grösseres bestimmt sind. Einer von ihnen spielt ebenfalls beim FC St.Gallen.
28. November 2017, 13:55
Schweizer Fussballer mit überdurchschnittlichen Leistungen in der Super League machen sich bald einmal Gedanken über einen Wechsel in eine prominente ausländische Liga. Bei aussergewöhnlichen Talenten wie Ricardo Rodriguez, Stephan Lichtsteiner, Xherdan Shaqiri oder Granit Xhaka war die Frage rasch beantwortet. Dann gibt es eine grosse Anzahl etwas weniger begabter Fussballer hierzulande, deren weitere Zukunft unter anderem von den persönlichen Erwartungen abhängig ist.
 

Fatale Regeländerung

Für St.Gallens Torhüter Daniel Lopar entschied sich die Frage bereits am 1. Juli 1992. An jenem Datum wurde die Rückpass-Regel eingeführt. Sie hatte zur Folge, dass die Männer zwischen den Pfosten nicht nur erstklassige Keeper, sondern auch gute Fussballer sein mussten. Wäre es nur auf den Reflex angekommen, hätte der 32-jährige Thurgauer auch im Ausland und im Nationalteam Karriere machen können. Marco Aratore ist sechs Jahre jünger als Lopar. Die Vertragsverlängerung bis 2020 lässt aber ebenfalls darauf schliessen, dass der Basler in nächster Zeit weiterhin beim FC St.Gallen brillieren möchte. Nach meiner Einschätzung entsprechen die Anforderungen der Super League auch ziemlich genau seinen Fähigkeiten. So wie dies auch für Spieler wie Steve von Bergen, Adrian Winter, Roberto Rodriguez, Claudio Lustenberger oder Marco Schneuwly gilt.
 

FC St. Gallen mit einigen Beispielen

Beim FC St. Gallen können von den Schweizern auch Alain Wiss, Andreas Wittwer, Stjepan Kukuruzovic, Nzuzi Toko, Roman Buess und Ben Khalifa, also eine ganze Reihe, dieser Kategorie zugeordnet werden. Zu gut für den FC Winterthur, aber nicht gut genug für Mainz 05 oder Schalke 04. Bei ihnen kann der Verein auch nicht mit einem satten Transfererlös rechnen, wie es der Unternehmensleitung im Prinzip vorschwebt. Dasselbe dürfte auch auf Danijel Aleksic zutreffen, der seine lange holprige Laufbahn nun auch langfristig auf ruhigen Kurs bringen möchte. Bei den jungen Kaderleuten wie Nicolas Lüchinger oder Silvan Gönitzer gilt es abzuwarten, ob die Latte Super League zu hoch, zu tief oder gerade richtig liegt. Silvan Hefti hat die Anlagen, um sie zu überspringen. In den nächsten zwei Jahren dürfte sich entscheiden, ob der Goldacher in einer Topliga als Ausnahme- oder einfach als Kadergrösse auftauchen könnte. Zurzeit ist er mit einem Transferwert von 1,5 Millionen Franken aufgeführt, dem höchsten des St. Galler Aufgebots, neben Tranquillo Barnetta, mit ebenfalls 1,5 Millionen Franken, aber natürlich sinkendem Kurs.
 

Karriere schwer vorhersehbar

Wer nicht als Toptalent gehandelt wird, dürfte sich überlegen, ob er es im Ausland versuchen oder den sicheren Hort der Schweizer Liga vorziehen will. Auch wenn sich jemand nicht ganz oben behaupten kann und immer wieder mal transferiert wird oder zwischen Ersatzbank und Tribüne pendelt, kann ein Schweizer Fussballer, zum Beispiel in der Serie A, eine für sich persönlich schwierige und dennoch positive Erfahrung machen. Ein- oder mehrere Male  im San Siro spielen – davon träumt fast jeder Fussballer. Die Rückkehr in die Super League ist bei diesen Spielern ja nicht ausgeschlossen.

Bei andern kann auch ein abenteuerlich anmutender Entscheid pro Ausland zu einer erfolgreichen Fortsetzung führen. Wer hätte dem Ex-St. Galler Marwin Hitz zugetraut, dass er als Stammgoalie mit dem aktuell besten Wert der ganzen Bundesliga und im Kader des Nationalteams einen festen Platz finden würde. Steven Zuber und Remo Freuler sind im Ausland erst richtig aufgeblüht. Pirmin Schwegler erlebte Höhen bei Eintracht Frankfurt, Tiefen bei Hoffenheim und nun wieder Anerkennung in Hannover. Valentin Stocker hat sich hingegen sein Bundesliga-Abenteuer in Berlin wahrscheinlich etwas anders vorgestellt. Auch Yoric Ravet, beim SC Freiburg als grosser Hoffnungsträger präsentiert, isst hartes Brot. Der Ex-Young Boy flog bei seinem Debüt gegen Dortmund nach einer halben Stunde vom Platz und kam anschliessend nur noch zu drei Teileinsätzen.
 

FC Basel als Alternative

Ein Sonderfall bedeutet ein Angebot des FC Basel. Dieser lockt mit der Champions League und spielt mit ähnlich guten Karten wie ein weniger gut betuchter Bundesliga- oder Serie-A-Verein. Michael Lang, der bereits im Alter von 16 Jahren in der ersten Mannschaft des FC St. Gallen debütiert hat, dürfte schon Offerten aus dem Ausland erhalten haben – und in der aktuellen Form immer wieder. 2015 von GC zu Basel gewechselt, ist er beim Meister zur Spielerpersönlichkeit gereift. Er hat einen Status erreicht, den man nicht leichtsinnig preisgibt. Aber Lang ist erst 26 Jahre alt. Grössere Sprünge sind noch möglich. Aber es müsse ein Klub sein, der mehr biete als Basel, sagte er am Sonntag im Interview mit Matthias Hüppi.
 

Aufgefallen

St. Gallens clevere Punktetaktik. Der FC St. Gallen hat zuletzt im September beim FC Zürich unentschieden gespielt. Danach folgten fünf Siege und vier Niederlagen in fast regelmässigem Wechsel. Weil Continis Team das Remis für sich abgeschafft hat, gelingt es ihm immer wieder, in überraschend guter Tabellenlage zu erscheinen. Denn Siege werden mit einem Zusatzpunkt belohnt. Gewinnt eine Mannschaft dreimal hintereinander, holt sie neun Punkte. Spielt sie ebenso oft unentschieden nur drei, auch wenn sie dabei formidabel gespielt hat. 

Nach hinten schauen. Mit seiner Unbeständigkeit stellt der FC St. Gallen die Geduld seiner Anhänger immer wieder auf die Probe. Ein Kollege von mir meinte, der Mannschaft fehle nicht nur die Konstanz, sondern auch die Substanz. Das 0:3 gegen Luzern und das 0:2 gegen Lugano und vor allem die Art und Weise führten auch bei mir zu einem Positionswechsel: Der FC St. Gallen ist aktuell kein Team der oberen Tabellenhälfte. Die ständigen Wechsel zwischen Mittelmass und Abstiegskandidatur entsprechen dem zufälligen Auf und Ab der von unten her sehr ausgeglichenen Liga. Fast schon resignativ habe ich dem Spiel im Berner Oberland entgegengeblickt: Sich mal ganz entspannt und ohne irgendwelche Erwartungen vor der HD-Wand niederlassen. Doch so leicht lässt sich Verbundenheit zu den windgepeitschten Espen nicht abschütteln. Nach 18 Uhr am Samstagabend ertappe ich mich beim Gedanken: "Ui, in einer Stunde ist der Match unterwegs." Aber nichts änderte er danach an meiner Einstellung: Die defensive Leistung war okay; die Mannschaft erarbeitete sich ein Chancenplus (6:2 nach 92 Minuten, 6:4 nach 94 Minuten. . .). Aber wir werden weiterhin nach hinten blicken müssen.

Dreckige Tore. Vor den schwachen Auftritten gegen Lugano und Luzern hat St. Gallen seine Tore immer auf schöne Art erzielt. "Dreckige" oder auch billige Tore, wie sie St. Gallen einige erhalten hat, das wünschte ich mir auch einmal für die Kybunpärkler. Voilà, da waren sie. Thuns Torhüter Franceso Ruberto hat sie gleich im Doppelpack geschenkt. (th)


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