Kesseli: Abgang ohne Abschied von seinen Mitarbeitern

FC ST.GALLEN ⋅ Der Streit um den Abgang von Stadion-CEO Pascal Kesseli geht weiter. Kesseli hat am Freitag in einem Schreiben bestätigt, dass die Trennung einvernehmlich gewesen sei. Ex-Verwaltungsrat Michael Hüppi hingegen behauptet, Kesseli habe am frühen Montagmorgen noch gar nichts vom bevorstehenden Aus gewusst.
08. September 2017, 15:40
Daniel Walt
"Die Trennung erfolgte sachlich, professionell und im gegenseitigen Einvernehmen." Dieser Satz steht in einem Communiqué, welches der FC St.Gallen und dessen früherer Stadion-CEO Pascal Kesseli am Freitagmorgen veröffentlicht haben. In der gemeinsamen Erklärung wird Bezug auf Aussagen von Ex-Verwaltungsrat Michael Hüppi genommen.

Hüppi hatte am Donnerstag in einem Interview erklärt, einvernehmlich sei die Trennung zwischen dem FC St.Gallen und Pascal Kesseli vielleicht auf dem Papier gewesen. Kesseli sei aber dazu gedrängt worden, die Vereinbarung mit der Floskel "im gegenseitigen Einvernehmen" zu unterschreiben. Hernandez hatte daraufhin gekontert und in einem Interview erklärt, Grund für die Trennung seien unterschiedliche Auffassungen über die Strategie gewesen – zu dieser Erkenntnis seien sowohl Kesseli als auch er im Lauf der Zeit gekommen.

 
«Es geht mir nicht um eine Abrechnung – die Öffentlichkeit hat aber das Recht, über einige Dinge im Club informiert zu sein», sagt Michael Hüppi über seine Aussagen zum FCSG. Zoom

Michael Hüppi.

"Ich durfte nichts zu Kesseli sagen"

Michael Hüppi, am Dienstag zurückgetretener Verwaltungsrat des FC St.Gallen, wundert sich über das von Präsident Stefan Hernandez und Ex-Stadion-CEO Pascal Kesseli unterschriebene Communiqué, das am Freitagmorgen veröffentlicht worden ist. "Ich kann mir nicht erklären, weshalb Kesseli dieses Communiqué unterschrieben hat", sagt Hüppi. Er gibt nun weitere Details preis, die seiner Ansicht nach zeigen, dass die Trennung von Pascal Kesseli keine im gegenseitigen Einvernehmen gewesen sein kann: "Am Montagmorgen um 8.30 Uhr wurde ich von Stefan Hernandez informiert, dass man sich bis am Mittag von Kesseli trennen werde. Ich wurde aufgefordert, Kesseli gegenüber nichts zu sagen, da dieser noch nicht informiert sei", so Hüppi.

Zudem habe sich Kesseli nicht einmal von seinen Mitarbeitern verabschieden können, sagt Hüppi – "und das wäre der Fall gewesen, wenn es sich um eine Trennung im gegenseitigen Einvernehmen gehandelt hätte". Dass neben Stadionmanager Marco Sessa mittlerweile auch weitere Mitarbeiter von Kesseli ihre Kündigung eingereicht hätten oder das demnächst täten, zeige, dass es sich nicht um eine einvernehmliche Trennung gehandelt habe.

 
Kontert Michael Hüppis Vorwürfe: St.Gallen-Präsident Stefan Hernandez. Zoom

Stefan Hernandez.

"Solche Dinge gehen schnell über die Bühne"

St.Gallen-Präsident Stefan Hernandez betont, dass keinerlei Druck oder finanzielle Zugeständnisse im Spiel gewesen seien, um Pascal Kesseli dazu zu bringen, die gemeinsame Erklärung zu unterschreiben. "Diese Erklärung zeigt, dass die Trennung tatsächlich einvernehmlich war", erklärt Hernandez. Und was sagt er zur Aussage Hüppis, am Montagmorgen habe Kesseli noch gar nichts von der bevorstehenden Trennung gewusst, und Hernandez habe Hüppi gesagt, er dürfe Kesseli auch nicht darüber informieren? "Das ist schlicht falsch. Weiter will ich mich zu Gesprächen innerhalb des Verwaltungsrats nicht äussern", so Hernandez.

Dass sich Pascal Kesseli am Montag nicht von seinen Mitarbeitern verabschiedet hat, bestätigt Stefan Hernandez. "Die Art und Weise der Trennung wurde zwischen ihm und uns abgestimmt. Solche Dinge gehen immer schnell über die Bühne", sagt Hernandez. Natürlich sei es Kesseli aber unbenommen, sich in anderem Rahmen von seinen Mitarbeitern zu verabschieden. Dass neben Stadionmanager Marco Sessa laut Hüppi bereits auch andere FCSG-Angestellte aus dem Umfeld von Kesseli gekündigt haben, wollte Hernandez am Freitagnachmittag nicht bestätigen. Sessa selbst weile derzeit in den Ferien. "Danach werden wir mit ihm eine einvernehmliche Lösung finden", sagt der Präsident.

Pascal Kesseli erklärte auf Anfrage: "Es gibt nichts mehr als das zu sagen, was im am Freitagmorgen veröffentlichten Schreiben steht."
 
 

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