FCSG-Clubführung auf dünnem Eis

GENERALVERSAMMLUNG ⋅ Das Aktionariat des FC St.Gallen erhält ein neues Gesicht, Dölf Früh verkauft seine Anteile. Dass ein Wandel Not tut, zeigte sich am Montag an der GV: Das Publikum erteilte der Führung einen Denkzettel.
13. November 2017, 23:01
Ralf Streule
Man könnte es als schallende Ohrfeige für die Führung des FC St.Gallen bezeichnen, zumindest aber als ziemlich deutlichen Denkzettel. Verliefen die Generalversammlungen der FC St.Gallen  AG in den vergangenen Jahren meist ohne kritische Voten oder Gegenstimmen, zeigten am Montag im Fürstenlandsaal viele der gut 450 Publikumsaktionäre ihre Zähne. Nicht etwa die warme Rede von Präsident Stefan Hernandez, in der er von Erfolg und nötigem Wandel sprach, erntete am meisten Applaus. Sondern jene Voten von Michael Hüppi, dem abtretenden Verwaltungsrat, der von weiterhin fehlender Unabhängigkeit im Verwaltungsrat sprach. Und wären nicht zuvor neue Aktionäre vorgestellt worden, wäre der Abend für die Führung vielleicht noch ungemütlicher verlaufen.
  • Eine enttäuschte Aktionärin macht ihrem Ärger Luft.
  • Bei ihm blies der Gegenwind der Aktionäre besonders heftig: Ferruccio Vanin.
  • Die Aktionäre fällen einen Entscheid.

An der Generalversammlung der FC St.Gallen AG wurden weitreichende Änderungen im Aktionariat bekannt gegeben. Impressionen unseres Fotografen Urs Bucher. (Bilder: Urs Bucher)

Am meisten zeigte sich die Publikumskritik bei der Wiederwahl der Verwaltungsräte. In anderen Jahren war dieses Traktandum stets eine Formsache, die meist mit Applaus erledigt wurde. Diesmal war sich das Publikum uneins: Besonders Ferruccio Vanin, der im Frühling von Dölf Früh als neuer Verwaltungsrat installiert wurde, erhielt viele Gegenstimmen. Auch Hernandez selbst erhielt das Vertrauen von rund 50 Anwesenden nicht erteilt. Und als am Ende eine Votantin davon sprach, dass es zuletzt zu wenig um Fussball und zu viel um Macht gegangen sei im Club, erhielt sie den wohl wärmsten Applaus des Abends geschenkt.


Hernandez zeigt Verständnis für kritische Voten

Es wurde deutlich: Der VR, dem zuletzt das fehlende sportliche Know-how, die fehlende Unabhängigkeit oder gar Machtspiele zum Vorwurf gemacht wurden, hat einen schweren Stand. Hernandez zeigte Verständnis für die Voten – und versprach, dass der Verwaltungsrat aufgestockt werde, dass man auf der Suche nach einem Sportchef sei – und dass man alles Nötige tue, um den FC St.Gallen auch strategisch in ruhigere Bahnen zu lenken. "Mit dem neuen Aktionariat haben wir eine sehr gute Lösung gefunden." Der Wunsch, die Aktien breit abzustützen auf vielen Personen aus der Ostschweiz, sei in Erfüllung gegangen.
 

In den nächsten Tagen wird über VR entschieden

Doch was heisst das nun für die operative Clubführung? Der neue Aktionär Roland Gutjahr sprach nach der Versammlung davon, dass "in den nächsten Tagen" über eine dringend notwendige Aufstockung des Verwaltungsrats – und über allfällige Änderungen im Gremium – entschieden werde. Noch sei es aber zu früh, konkreter zu werden. "Wir müssen jetzt zuerst zusammensitzen. Ich habe ein sehr gutes Gefühl mit diesem neuen Aktionariat – ich denke, wir werden uns finden."

Tag eins nach Dölf Früh

Der vormalige Präsident Dölf Früh hat seine Ankündigung wahr gemacht: Er hat seinen Anteil von 48,86 Prozent an der Event AG verkauft. Wie erwartet scheidet gleichzeitig auch Pascal Kesseli (zuvor 9,76) aus dem Aktionariat aus. Das Ziel, die Aktien breiter zu verteilen, ist damit erreicht: Neu dazu stossen der Amriswiler Roland Gutjahr von der Ernst Fischer AG (12,2), die Gebrüder Jérôme und Patric Müller (Gemag Immobilien, 12,2) sowie Patrick Thoma von der Thoma Immobilien Treuhand AG (12,2). Bankier Ernst Eisenhut übernimmt 4,88 Prozent. Edgar Oehler stockt seinen Anteil von 12,1 auf 24,39 Prozent auf, Rolf Schubiger seinen von 4,9 auf 9,76. Bankier Steffen Tolle bleibt bei seinem Anteil von 9,76 Prozent, die Schützengarten AG und Martin Jäger bei ihrem von je 4,88. (rst)


Lesen Sie die Ereignisse nochmals in unserem Liveticker nach:
 

Leserkommentare

Anzeige: