Alain Wiss: «Ich war eigentlich schon fast weg»

FCSG-SPIELER IM INTERVIEW ⋅ Als St. Gallen und Luzern letztmals aufeinandertrafen, sass Alain Wiss nur auf der Tribüne. Heute ab 20 Uhr ist der 26-Jährige im Heimspiel gegen seinen früheren Club im St. Galler Team gesetzt.
09. August 2017, 05:16
Interview: Raphael Gutzwiller

Interview: Raphael Gutzwiller

Alain Wiss, Sie sassen beim FC St. Gallen in der Rückrunde fast nur auf der Ersatzbank, nun sind Sie Stammspieler. Wie kommt das?

Mein Glück war wohl, dass der Trainer wechselte. Joe Zinnbauer hat in der Rückrunde nicht mehr auf mich gesetzt. Der Tiefpunkt war, dass ich im Spiel in Luzern sogar auf der Tribüne sitzen musste. Als dann Giorgio Contini den FC St. Gallen übernahm, hat er mir sogleich mitgeteilt, dass er auf mich setzen möchte und dass ich in St. Gallen bleiben soll.

Stimmt es, dass Sie wechseln wollten?

Ja, wegen der schwierigen Situation habe ich dem FC St. Gallen mitgeteilt, dass ich im Sommer den Verein verlassen und mir einen neuen Club suchen werde.

Kam zu diesem Zeitpunkt auch eine Rückkehr zum FC Luzern in Frage?

Nein, das war nie ein Thema. Nach diesem schwierigen halben Jahr habe ich nicht zurückkehren wollen. Aber eine Rückkehr nach Luzern schliesse ich sicher nicht aus, das ist im Fussball auch gar nicht möglich.

Kaum hat Contini das Zepter in St. Gallen übernommen, standen Sie in der Startformation. Wie zufrieden waren Sie mit Ihren Leistungen?

Das Gute war, dass ich von Beginn weg das Vertrauen von Contini mit guten Leistungen zurückbezahlen konnte. Nun zum Saisonstart steht meine Leistung stellvertretend für die der Mannschaft. Im ersten Spiel in Lausanne war nicht alles gut, die Leistung war durchschnittlich. Beim wegen starken Regens abgebrochenen Spiel in Lugano waren wir sehr schwach. Beim Sieg am Sonntag gegen Sion haben wir nun erstmals eine richtig gute Leistung zeigen können.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Contini?

Es ist hochprofessionell, das klassische Verhältnis zwischen einem Trainer und einem Spieler. Ich hatte aber bestimmt den Vorteil, dass er mich noch von Luzern-Zeiten kannte. Er wollte mich im Winter sogar zu Vaduz holen, als er noch dort Trainer war.

Warum wechselten Sie nicht nach Vaduz?

Ich wollte mich damals in St. Gallen durchbeissen und habe das Angebot von Vaduz deshalb abgelehnt. Ich kann ja jetzt froh sein, ist mir Contini deswegen nicht mehr böse.

Haben Sie also doch ein anderes Verhältnis zum Trainer als andere Spieler?

Grundsätzlich ist es wirklich ein normales Spieler-Trainer-Verhältnis. Aber gerade am Anfang hat er mit mir sicher sehr viele Gespräche geführt.

Musste er Sie mental aufbauen?

Ein wenig bestimmt. Es war keine einfache Zeit, als ich ausser Traktanden gefallen war. In dieser Situation war es sehr gut zu hören, dass der Trainer volles Vertrauen in mich hat.

Bei St. Gallen spielen Sie meistens Innenverteidiger, in Luzern kannte man Sie als klassischen Sechser. Was gefällt Ihnen besser?

Ich bin ein ausgebildeter defensiver Mittelfeldspieler. Wenn man es so spielt, wie ich diese Rolle interpretiere, kann man ziemlich problemlos auch in der Innenverteidigung agieren. Dennoch spiele ich lieber im Mittelfeld. Contini hat mir auch schon gesagt, dass er mich durchaus auch auf der Sechs sieht. In den letzten Spielen der vergangenen Saison spielte ich auch dort. Da aber Silvan Hefti verletzt war, spiele ich im Moment in der Innenverteidigung.

Heute treffen Sie auf den FC Luzern. Welche Verbundenheit haben Sie noch mit diesem Club?

Ich bin immer noch sehr mit Luzern verbunden. Meine Familie und meine Freundin wohnen dort, und auch mein Freundeskreis ist in Luzern. Ich habe auch noch mit einigen Spielern des FC Luzern Kontakt, am meisten mit Hekuran Kryeziu.

Contini sieht Verbesserungspotenzial

Drei Tage nach dem über weite Strecken überzeugenden Heimspiel gegen Sion will St. Gallen heute gegen Luzern nachdoppeln. Allerdings erwartet Trainer Giorgio Contini einen Gegner, der anders auftreten wird als die Walliser – weniger destruktiv und eher bereit, mitzuspielen. Obwohl St. Gallen am Sonntag der erste Saisonsieg gelang, hat Contini doch noch einiges Verbesserungspotenzial festgestellt. «Es war ein ordentlicher Auftritt. Aber wir sind noch nicht da, wo wir hinwollen», sagte der 43-Jährige. Noch passten nicht alle Automatismen, hie und da seien Pässe zu ungenau gespielt worden. Gut möglich, dass Contini heute noch einmal auf die selbe Startformation setzt wie gegen die Sittener. «Das fördert die Automatismen. Zudem ist die Saison jung, wir sind noch frisch. Ich brauche nicht schon zu rotieren.» Fehlen werden heute die beiden verletzten Adonis Ajeti und Toko. (pl)


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