Keine erste Adventskerze für den FC St.Gallen

HEIMNIEDERLAGE ⋅ Weil die Ostschweizer den Start völlig verschlafen, verlieren sie gegen Zürich 1:3. Immerhin zeigen sie auf die schlechte erste Halbzeit eine Reaktion – doch der Auftakt in die Vorweihnachtszeit ist missglückt.
Aktualisiert: 
03.12.2017, 22:00
03. Dezember 2017, 17:47
Christian Brägger

Er hielt es auf der Medientribüne nicht mehr aus. Zehn Minuten vor Spielende war die 2:1-Führung seines FC Zürich in Gefahr. Der Gegner, die Heimmannschaft aus St.Gallen, drückte. Also stopfte Ancillo Canepa, der Präsident des Gastclubs, seine Backpfeife. Es sollte ihn beruhigen, in jedem Fall war das Tabakbröseln willkommene Ablenkung für die Hände; ob seinen Faustschlägen hatte der Schreibpult in dieser zweiten Halbzeit mehrmals vibriert. Daneben wirkte sein Sportchef Thomas Bickel geradezu tiefenentspannt. 

Kurz darauf verfehlte Silvan Gönitzer auf der Seite den Ball, Raphael Dwamena rannte los, überlief Karim Haggui – und liess Goalie Daniel Lopar keine Chance. Das 3:1 für den FC Zürich war die Entscheidung – und Canepa rauchte nun genüsslich seine Pfeife. Daran änderte auch der Lattentreffer von Roman Buess wenige Minuten später nichts. Letztlich gewann der FC Zürich nicht unverdient und verschaffte sich punktemässig Abstand zu den Ostschweizern. Derweil, wie zum Trost, bleibt das Team von Trainer Giorgio Contini mit weiterhin 24 Punkten guter Vierter der Super League. Zumal auch die Grasshoppers verloren. Doch hinter dem FC St.Gallen wird das Gedränge in der Tabelle immer grösser – lauert hier etwa Gefahr? 
 

  • Daniel Lopar: Note 4. Hält gegen Odey (28.) sensationell und die St. Galler im Spiel. Beim 0:1 glücklos. Beim 0:2 machtlos?
  • Nicolas Lüchinger: Note 4,5. Um keinen Zweikampf verlegen, manchmal zu ungestüm. Entwickelt sich zu einem Antreiber.
  • Silvan Hefti: Note 4. Mit Schwindel und Sehproblemen raus (40.) – eine Migräneattacke? Hoffentlich nichts Schlimmes.

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 – Leistungsträger bis 6 - Matchwinner. (Bilder: PD)

Im Grunde ist die Geschichte der Niederlage an diesem ersten Adventstag vor knapp 12 500 Zuschauern rasch erzählt. Zu Beginn waren die St.Galler überhaupt nicht parat, auch wenn sie auf all die Dinge vorbereitet waren, die gegen Zürich lauern könnten. Auf den weiten Einwurf Alain Nefs zum Beispiel, der letztlich zum frühen 1:0 für die Gäste führte. Oder darauf, die Zürcher nicht spielen zu lassen – die neuerliche Unachtsamkeit im Defensivverhalten hatte das 0:2 nach nur zwölf Minuten zur Folge. Und ja, eigentlich war die Partie da bereits entschieden, auch weil der Challenge-League-Aufsteiger im Abschluss sündigte.

Die Hypothek der Startphase wiegt zu schwer

Doch mit der Zeit kam der FC St.Gallen besser ins Spiel, davon zeugte Buess’ Anschlusstreffer in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit. Er war zwar keineswegs zwingend, dafür aber die Initialzündung für einen beschwingteren Auftritt in den zweiten 45 Minuten. Mit reellen Chancen zum Ausgleich. Mit teilweise gefälligem Spiel, mehr Leidenschaft und Kampf. Aber eben, es war auch zu spät, die Hypothek der Startphase zu gross. Und es offenbarte sich einmal mehr, dass der Killer vor dem gegnerischen Tor auf Seite der St.Galler fehlt – in solchen Spielen war Albian Ajeti Gold wert. «Wir hätten uns durchaus mit einem Punkt belohnen können», sagte Contini später. Für den FC St.Gallen hat die Adventszeit denkbar schlecht angefangen. Nun folgen Basel und Sion. Wie hell der Adventskranz danach wohl leuchten wird?


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