(F)lopar – ein Goalie spaltet die FCSG-Fangemeinschaft

PATZER ⋅ Nach zwei Fehlgriffen in den letzten beiden Spielen steht Daniel Lopar, Torhüter des FC St.Gallen, in der Kritik. Anhänger fordern seine Ablösung. Die Mehrheit hält aber - noch - zum Keeper.
07. November 2017, 11:49
Daniel Walt
"Und nehmt endlich Lopar raus! Unfassbar!" Wenige Momente nach dem dritten Gegentor für den FC St.Gallen in Luzern platzt User "Deputy" im FCSG-Fanforum der Kragen. Er fordert die Absetzung jenes Mannes, der 2008 den Sprung zum Stammtorhüter des FC St.Gallen geschaffte hatte und der seither mit einigen Unterbrüchen immer im Tor der Grünweissen stand.

Tatsächlich: Beim Weitschuss des Luzerners Tomi Juric griff der 32-Jährige gröber daneben. Eine Runde zuvor, beim 3:1-Heimsieg gegen GC, hatte Lopar zudem bei einem Befreiungsschlag den Ball direkt in die Füsse eines Hoppers-Angreifers gespielt. Auch hier resultierte aus dem Patzer des Romanshorners ein Gegentor. Wobei der St.Gallen-Goalie sich zuvor bei Danijel Aleksics Tor einen Assist hatte gutschreiben lassen.


"Den Zenit überschritten"

"Klar, er ist treu, und so weiter. Aber das rechtfertigt seine Leistungen nicht", doppelt User "Deputy" kurze Zeit später im Forum nach und stellt fest: "Wir haben ein Torwart-Problem!" Andere Fans teilen seine Analyse: "Ach, ihr Denkmalschützer… Lopar hat seinen Zenit überschritten. Er gehört ersetzt", schreibt beispielsweise "Frauenzimmer1879", während "Südtribüne" zu beissender Ironie greift: "Und ja, Lopar hat wirklich sensationell ausgesehen beim 3:0!" Auf der Facebook-Seite von "Tagblatt Online" fordert Raphael Forster den Einsatz von Ersatztorhüter Dejan Stojanovic im nächsten Spiel: "Stojanovic sollte jetzt mal eine Chance erhalten", schreibt er.

FCSG-Goalie Daniel Lopar patzte zwei Mal in zwei Spielen – gegen GC und gegen Luzern. (Youtube)

"Die einzig wahre Nummer 1"

Während sich gewisse Fans auf Daniel Lopar einschiessen, halten viele dem Romanshorner bedingungslos die Stange. Wenn Lopar einen Fehler mache, gebe es halt einen Gegentreffer, schreibt Andrea Eugster auf Facebook. Die Frage sei aber vielmehr, wo die treffsicheren Stürmer blieben. Support erhält Eugster von Bruno Köppel: "Lopar hat keine spielentscheidenden Tore verschuldet, wohl aber schon viele solche verhindert", schreibt er. Auch Marlene Haigis-Dietrich unterstreicht, dass der FCSG ohne Lopar vermutlich viele Punkte weniger auf seinem Konto hätte: "Lopar hat uns schon öfters den Arsch gerettet – die haben ein Stürmerproblem", hält sie trocken fest. Für Mike Zimmermann steht gar fest, dass sich die Torhüterfrage nicht stelle – solange Lopar seine Karriere nicht beende, sei er die "einzig wahre Nummer 1".

Auch im FCSG-Fanforum hat Daniel Lopar viele Unterstützer. "Poohteen" beispielsweise anerkennt, dass der Goalie gewisse Schwächen habe – "hätte er diese nicht, würde er schon längst nicht mehr bei uns spielen, sondern in der Bundesliga", schreibt er. Stojanovic aber sei bislang noch in jedem Spiel für St.Gallen den Beweis schuldig geblieben, dass er besser sei als Lopar. Derselben Meinung ist "Mythos": "Lopar ist für mich natürlich auch immer noch unsere unangefochtene Nummer 1. Die Absetzung von Lopi zu fordern ist lächerlich", hält er fest. Auf die Formel "Danke, Daniel Lopar!" reduziert User "Robo77" seinen Beitrag.

Seit bald zehn Jahren steht Daniel Lopar - mit kurzen Unterbrüchen - als Stammgoalie im Tor des FC St.Gallen. Ein Anhänger hat dem Romanshorner einen Videoclip gewidmet. (Robo77)

"Was bringt es?"

Neben klaren Befürwortern und Gegnern Daniel Lopars finden sich im Internet auch einige wenige gemischte Stimmen. "Lopar ist ein guter Torwart – nur ein guter, nicht ein sehr guter", schreibt Erich Pfister auf der Facebook-Seite von "Tagblatt Online". Ulli Kupferschmid merkt an, man dürfe durchaus auch Kritik anbringen. Beim dritten Tor in Luzern sehe Lopar nicht gut aus und danach bei einem weiteren Weitschuss. Trotzdem liege es nicht am Torwart, dass man in Luzern verloren habe – "es war eine ungenügende Mannschaftsleistung, und an letzter Stelle kommt Lopar. (…) Was bringt es jetzt, immer auf Lopar draufzuhauen und einen Sündenbock gefunden zu haben?"

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Immer wieder in Frage gestellt

Daniel Lopar steht seit Sommer 2006 beim FC St.Gallen unter Vertrag. Er ist damit mit Abstand der dienstälteste Spieler bei den Ostschweizern. Eineinhalb Jahre musste Lopar warten, bis ihn der damalige Trainer Krassimir Balakov Anfang 2008 zum Stammtorhüter machte. Lopar verdrängte damals Stefano Razzetti auf die Ersatzbank – und stieg mit den Ostschweizern im letzten Spiel im altehrwürdigen Espenmoos gegen Bellinzona in die Challenge League ab. Auch der neue Trainer Uli Forte hielt vorerst grosse Stücke auf den Romanshorner – 2010 dann setzte er ihm aber Germano Vailati vor die Nase. Unter Fortes Nachfolger Jeff Saibene erkämpfte sich Lopar schliesslich seinen Platz im St.Galler Tor zurück. Eine heikle Phase zu überstehen hatte er dann aber wieder in der Saison 2014/15: Trainer Saibene setzte plötzlich auf das Rotationsprinzip und liess Lopar sowie dessen Kontrahenten Marcel Herzog jeweils für zwei Partien spielen. Im Sommer 2015 dann beendete der Luxemburger dieses Experiment wieder und gab Lopar den Vorzug. Seitdem ist der 32-Jährige wieder St.Gallens Stammtorhüter. Die Ostschweizer haben Lopars Vertrag erst vergangene Woche vorzeitig bis Sommer 2020 verlängert. (dwa)


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