«Es war kein Sololauf von mir»

INTERVIEW MIT MATTHIAS HÜPPI ⋅ Es sei klar gewesen, dass man habe Gas geben müsse bei der Besetzung des Sportchef-Amts. Zudem habe man mit Alain Sutter bewusst einen Dreijahresvertrag abgeschlossen, um Nachhaltigkeit anzustreben. Das sagt Matthias Hüppi im Interview.
04. Januar 2018, 06:45
Patricia Loher
Matthias Hüppi, Sie haben den Posten des Sportchefs innerhalb von drei Wochen besetzt. Weshalb drückten Sie derart aufs Tempo?
Es war uns sofort klar, dass wir Gas geben müssen. Ein Sportchef ist wichtig für die Stabilität eines Clubs, er muss die Spieler und den Trainerstab unterstützen. Als wir kommunizierten, dass Alain Sutter Sportchef wird, spürten wir bei Spielern und Trainern Zufriedenheit, weil wir umgesetzt haben, was wir versprachen.

Alain Sutter verfügt über grosses Wissen im mentalen Bereich. Kann er auch ein guter Sportchef sein?
Alain Sutter hat eine grosse Vergangenheit als Fussballer, er hat überall auf der Welt Erfahrungen gesammelt. Für junge Spieler kann er ein Vorbild sein, wenn sie seinen Namen hören, muss ihr Herz hüpfen. Er ging zudem immer seinen eigenen Weg. Das passt zu uns: Auch wir wollen unseren eigenen Weg gehen.
  • Die Profikarriere von Alain Sutter beginnt 1985 bei den Grasshoppers (hier in einem Spiel gegen Sion 1991). Mit den Zürchern holt Sutter 1990 und 1991 die Meisterschaft sowie 1989 und 1990 den Cup.
  • 1985 debütiert Sutter mit nur 17 Jahren in der Nationalmannschaft. Unsere Aufnahme zeigt das Schweizer Team bei einem Testspiel gegen die Türkei in Adana im März 1986. Sutter steht an vierter Position von links.
  • Grösster Erfolg: Alain Sutter nimmt 1994 mit der Schweiz an der WM in den USA teil.

Von 1985 bis 1998 dauerte die Profikarriere von Alain Sutter. Er spielte dabei für sechs verschiedene Clubs und nahm mit der Schweiz an der WM 1994 in den USA teil. (Bilder: Keystone)


Das heisst?
Wir haben mit Alain Sutter bewusst einen Dreijahresvertrag mit Option unterzeichnet. Wir wollen Nachhaltigkeit. Dazu stehen wir, auch wenn die Zeiten einmal schwierig werden sollten. Aufgrund der Erfahrung in seiner Coaching-Praxis weiss er, wie mit Menschen umzugehen ist. Alain Sutter verfügt über ein hohes Mass an Integrität. Das schafft Vertrauen. Ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit wird auch Future Champs Ostschweiz sein. Wir müssen eigene Spieler in die erste Mannschaft bringen. Wir müssen ihnen aufzeigen, dass Chancengleichheit besteht und dass es verschiedene Wege gibt, den Sprung in die Super League zu schaffen. Kein Talent darf verloren gehen. Und auch um jene Spieler, denen der Durchbruch nicht gelingt, müssen wir uns kümmern. Zudem ist Sutter Berater der ersten Mannschaft. Und der Coach des Coaches. Seit dem Rücktritt von Christian Stübi hat Giorgio Contini alles alleine gemacht. Das konnte so nicht weitergehen.

An der Vorstellung Alain Sutters war viel von einer neuen Kultur die Rede. Was meinen Sie damit?
Vielleicht bin ich ein bisschen nostalgisch, obwohl ich glaube, dass das nicht schaden kann. Aber der Fussball darf sich nicht noch mehr von seiner Basis, den Anhängern, entfernen. Ich träume ein bisschen von St.Pauli und einem Schuss Union Berlin. Hinter diesen Clubs stehen Menschen, die ihren Verein durch alle Böden verteidigen. Auch in St.Gallen hat es solche Anhänger. Wir möchten diese Kultur wieder vertiefen.

Zuletzt wurden oft die Seilschaften kritisiert. Mit Alain Sutter verbindet Sie aufgrund Ihrer Tätigkeit bei SRF eine Freundschaft. Was entgegnen Sie dem Vorwurf, Sie hätten die Beziehungen spielen lassen?
Ich erhielt vom Verwaltungsrat den Auftrag, mich bei Alain Sutter zu melden. Es war kein Sololauf von mir. Am Ende hat sich der Verwaltungsrat mit 5:0-Stimmen für Sutter entschieden. Natürlich verbindet uns zwei ein Grundvertrauen. Ich denke aber, das bringt mehr, als es schadet.

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