Erst der Kampf, dann der Fussball

WASSERSPIEL IM CORNAREDO ⋅ Der FC St. Gallen brilliert in Lugano nicht, profitiert aber nach heftigen Regenfällen vom Abbruch des Spiels. Zu diesem Zeitpunkt liegt er 0:1 zurück. Aber wenn Mut und Selbstvertrauen fehlen, wird es schwierig.
31. Juli 2017, 09:36
Christian Brägger, Lugano

Christian Brägger, Lugano

Im Wasserball, da ist Lugano eine Macht. Vor vier Tagen wurde es wie in der Vorsaison Schweizer Meister, insgesamt zum 16. Mal. In der best-of-5-Finalserie gegen Horgen setzte es die einzige Niederlage der Saison ab; bei einem Total von 25 Meisterschaftsspielen macht das 24 Siege. Und auch im Schweizer Cup konnte die Tessiner niemand bezwingen, im Final unterlag Kreuzlingen 7:18. Es wäre für den FC St.Gallen im Regen von Lugano, im mit Pfützen bedeckten Rasen des Coranerdo vielleicht auch dieser Stärke im Wasser wegen ein nahezu aussichtsloses Unterfangen gewesen, noch etwas zu reissen. Zumal er 0:1 nach einer äusserst schwachen ersten Halbzeit zurücklag – und sich die Tessiner bei diesen schwierigen Bedingungen sichtlich wohler gefühlt hatten.

Bis zum Abbruch des Spiels nach der Pause wegen Unbespielbarkeit des Terrains hatte der St.Galler Marco Aratore «eine schlechte erste Halbzeit» seiner Mannschaft gesehen. Auf des Gegners Seite sagte der auffällige Davide Mariani: «Das war ein starker FC Lugano, eines unserer besten Spiele. Der FC St.Gallen liegt uns sehr, er ist ein Rivale, der uns eigentlich nie Mühe bereitet. Schade, wurde das Spiel abgebrochen. Aber es gab keine andere Möglichkeit. Schauen wir, wie es nun weitergeht.»

Nachtragspartie wohl am 16. oder 23. August

Weitergehen könnte es nun so: Gemäss der Liga wird die Partie wiederholt, noch ist der Nachholtermin nicht fixiert. Es dürfte aber soweit kommen, dass diese Partie der zweiten Super-League-Runde neu auf den 16. August angesetzt wird. Oder eine Woche später, auf den Mittwoch des 23. August. Andere mögliche Termine dürften hingegen nur schwer zu finden sein, zumal Lugano nach seiner starken vergangenen Saison in der Gruppenphase der Europa League steht.

Und irgendwann, da wollen die St.Galler auch wieder dahin, an diesen Honigtopf des europäischen Fussballs. Bekanntlich strebt ihr Trainer Giorgio Contini einen Platz in der ersten Tabellenhälfte an. In Anbetracht der Darbietung vom Samstag muss aber konstatiert werden, dass dahin noch ein weiter, ja sehr weiter Weg ist. Contini war keineswegs erfreut über die Leistung seines Teams und sagte: «Wir haben leider wieder einmal einen Start verpasst, die Aggressivität fehlte. Wenn man das Gefühl hat, man müsse zuerst Fussball spielen und dann erst kämpfen, geht es nicht.» In der Tat hatte der FC St.Gallen nicht dagegen gehalten. Was zu vielen unnötigen Ballverlusten führte, und dazu, dass Vertrauen sowie Mut fehlten oder vollends verloren gingen. «Und somit forderte am Schluss keiner mehr den Ball», sagte der Coach. Paradoxerweise habe sein Team erst gegen Ende der ersten Halbzeit, als der Platz richtig schlecht bespielbar geworden sei, versucht Fussball zu spielen. «Ja, es war eine erste Halbzeit, die viele Fragen aufwarf.» Contini wird nun in den kommenden Wochen die richtigen Worte und Antworten finden müssen, er ist überzeugt, dass ihm das gelingen wird. «Jeder muss selbstkritisch sein. Doch wir haben gute Typen im Team, die so sind.»


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