Continis Frust über den Schiedsrichter

FC ST.GALLEN ⋅ Nach der chaotischen Woche in der Vereinsleitung ist der Punkt in Zürich ein Stimmungsaufheller. Doch auch einen Tag später ist Giorgio Continis Ärger über den Schiedsrichter noch nicht verraucht.
11. September 2017, 07:42
Patricia Loher

Patricia Loher

Eigentlich hatte Gjelbrim Taipi eine gute Partie gespielt. Der Albaner, der auf diese Saison hin aus Schaffhausen nach St.Gallen gekommen ist, war ein bissiger Zweikämpfer und emsiger Arbeiter. Auch dank dem 24-Jährigen liess die Mannschaft in der ersten Halbzeit im Letzigrund nur wenig zu. In der 51. Minute leitete Taipi zudem mit einem präzisen langen Ball auf den eingewechselten Danijel Aleksic St.Gallens Ausgleich ein, es hätte für Taipi also ein guter Abend werden können. Nur leistete er sich wenige Minuten nach dem 1:1 gegenüber dem Schiedsrichter eine verbale Entgleisung, welche die rote Karte zur Folge hatte. Der Platzverweis reduzierte St.Gallens Siegchance beim Aufsteiger und Leader auf ein Minimum, am Ende sahen sich die Gäste gar gezwungen, gegen die anstürmenden Zürcher ein Bollwerk zu errichten. Noch nie habe er auf ein 5-4-0 setzen müssen, sagte Coach Giorgio Contini hinterher und fügte an: «Es war ein guter Punkt.»

Jubel nach dem 1:1. Wenig später wird Gjelbrim Taipi (rechts) des Feldes verwiesen. Zoom

Jubel nach dem 1:1. Wenig später wird Gjelbrim Taipi (rechts) des Feldes verwiesen.

Taipi muss mit einer Busse rechnen

Taipi, der sich bei Schiedsrichter Adrien Jaccottet für die verbale Attacke entschuldigte, wird intern sanktioniert. «Es gibt einen Bussenkatalog für Tätlichkeiten und Unsportlichkeiten», so Contini, der die rote Karte schon kurz nach dem Spiel als «korrekt» taxiert hatte. Natürlich war der Platzverweis gegen Taipi St.Gallens Frust des Abends. Nur: Es war nicht der einzige.

  • Daniel Lopar: Note 4. Der Goalie war kaum gefordert, da der FC Zürich an diesem Abend vor allem am eigenen Unvermögen scheiterte.
  • Philippe Koch: Note 4. Der frühere Spieler des FC Zürich lieferte eine solide, unaufgeregte Partie ab.
  • Karim Haggui: Note 4,5. Hatte Glück, dass sein Kopfball kurz nach der Pause im eigenen Strafraum nur an die Latte ging.

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 – Leistungsträger bis 6 - Matchwinner. (Bilder: PD)

Das Führungstor für die Zürcher fiel nach einer Abseitsposition von Moussa Koné. Auch einen Tag nach dem 1:1 war der Ärger bei Contini noch nicht ganz verraucht. «Eigentlich bringt es nichts, sich noch länger aufzuregen. Und ich weiss, dass wir auch wieder einmal profitieren werden. Aber man darf doch sagen, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt», so der Trainer. «Nach dem Handspiel vor dem 2:2 gegen die Young Boys mussten wir wieder einen irregulären Treffer hinnehmen. Das ist ärgerlich» - was das YB-Tor angeht, gehen die Meinungen allerdings auseinander. So hat Schiedsrichter-Chef Cyril Zimmermann den Entscheid verteidigt

Zusätzlich zum Abseits-Tor des FCZ habe der Schiedsrichter auch andere Dinge zu St.Gallens Ungunsten übersehen. «Das kann eine Mannschaft, die so viel Aufwand betreiben muss, um zu Chancen zu kommen, zermürben», so Contini. «Von uns wird stets erwartet, dass wir uns entschuldigen. Ich erwarte aber auch von den Schiedsrichtern, dass sie hinstehen und Fehler eingestehen können.»

  • Die St.Galler Fans machen mit ihrem Transparent der Clubführung eines klar: "Chaos isch üsen Part, nöd dä vom Vorstand."
  • Der Führungstreffer der Hausherren ist früh gefallen: Moussa Koné erzielt das Tor zum 1:0 in der 19. Minute.
  • Torschütze Moussa Koné jubelt nach seinem Führungstreffer.

Die St.Galler Spieler haben sich von den Querelen der letzten Wochen definitiv nicht beeinflussen lassen und haben auf dem Feld eine starke Leistung gezeigt. Spitzenreiter FC Zürich kommt im Heimspiel gegen den FC St. Gallen nicht über ein 1:1-Unentschieden hinaus. (Bilder: Freshfocus)

Für St.Gallen war es im siebten Spiel das dritte Unentschieden. Mehr möglich gewesen wäre in Zürich nur, hätten die St.Galler die Partie zu elft zu Ende spielen können und hätten sie sich in der Offensive nicht derart schwer getan. «Im Umschaltspiel nach vorne begingen wir zu viele Fehler», sagte Contini. In der Spielstatistik waren nach 90 Minuten bloss zwei Abschlüsse auf das gegnerische Tor aufgeführt.

Die Ostschweizer halten sich im engen Mittelfeld der Tabelle wacker. Ihr Vorsprung auf den Abstiegsplatz beträgt vier Punkte, der Rückstand auf den Leader fünf Zähler. Wohin ihr Weg führen kann, bleibt ungewiss. Nach dem Cupspiel am kommenden Sonntag beim FC Linth aus der 2. Liga interregional empfängt der FC St.Gallen am Mittwoch, 20. September, den FC Basel, ehe er im Kybunpark auf den FC Thun trifft. Danach dürfte die Tabelle mehr Konturen haben.


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