Zeljko Perusic: Keine einzige gelbe oder rote Karte in der ganzen Karriere

NACHRUF ⋅ Zeljko Perusic verstarb vergangene Woche mit 81 Jahren. Der frühere Spielertrainer des FC St.Gallen hatte es nicht nötig, mit grossen Worten auf seine Taten aufmerksam zu machen – er liess seine Füsse reden.
05. Oktober 2017, 07:17
Fredi Kurth

Fredi Kurth

Der Kroate Zeljko Perusic war einer der international bekanntesten Akteure, die je beim ältesten Fussballclub der Schweiz im Einsatz standen. Er wurde bereits 1960 als Spieler von Dinamo Zagreb zu «Jugoslawiens Fussballer des Jahres» gewählt. Fünf Jahre später gewann er mit 1860 München den deutschen Meistertitel, zudem bestritt er für Jugoslawien 27 Länderspiele. Es wären bestimmt noch einige mehr geworden, hätte er gegenüber dem damaligen Tito-Regime mehr Gefälligkeit gezeigt.

Immerhin durfte «Peru», wie ihn alle riefen, im Alter von 28 Jahren nach Deutschland ausreisen. Schwierig war dann wieder das Engagement in St.Gallen, da die Schweiz kaum Aufenthaltsbewilligungen erteilte. So war Perusic unter den Feierabendfussballern der Ostschweizer der einzige Profi; er konnte keine andere Beschäftigung annehmen. In jener Zeit bewegten sich die Gehälter im Fussball noch in angemes­senem Rahmen, sodass sich Schweizer Vereine damals arrivierte ausländische Profis leisten konnten.

Das Löwenherz am rechten Fleck

Perusic wurde 1971 in der heute im Spitzenfussball nicht mehr existierenden Doppelfunktion des Spielertrainers verpflichtet. St.Gallen war gerade aus der NLA abgestiegen, und der Routinier sollte die Mannschaft wieder in die Spitzenklasse zurückführen. Das gelang souverän; der Ligaerhalt ein Jahr später wurde dann aber erst in einem Entscheidungsspiel gegen Luzern mit einem 4:1 auf dem Zürcher Hardturm Tatsache. Danach hatte St.Gallen mit dem Abstieg für einige Zeit nichts mehr zu tun. Mit den Internationalen Rolf Blättler, Toni Weibel und Ruedi Schneeberger konnte das Niveau entscheidend angehoben werden. Perusic verabschiedete sich 1974 als ältester Fussballer der NLA vom Espenmoos. Er war später aber auch noch als Spielertrainer bei Vaduz, als Trainer bei Brühl und schliesslich als Juniorenförderer beim FC St.Gallen.

Seine Füsse benützte der kleingewachsene, aber stets wirb­lige Mittelfeldspieler, um dem Gegner den Ball abzuluchsen und die Mitspieler mit idealen Vorlagen zu bedienen. Doch vor allem benützte er sie zum Laufen. Sogar in der Bundesliga, wo Tempofussball und Ausdauer schon damals besondere Markenzeichen waren, wunderten sich die Beobachter, wie weit Perusic rennen konnte. Der Kroate spielte bei 1860 München für die «Löwen» – und ein Löwenherz schien ihn anzutreiben. Ein Herz, das der Verstorbene auch am rechten Fleck hatte. Zu seiner ruhigen, bescheidenen Art passte nämlich, dass er seine Füsse nie zum Dreinschlagen missbrauchte. Nicht ein Mal wurde er verwarnt oder des Feldes verwiesen. Vergangenen Samstag gedachten die Münchner seiner beim Spiel gegen Schweinfurt mit einer Trauerminute und Trauerflor.

«Gelaufen bin ich in meinem Leben genug»

Weit laufen, ja, weit reisen, nein – das dürfte ebenfalls eine seiner Devisen gewesen sein. Nicht einmal die Rückkehr in sein Heimatland Kroatien reizte Perusic. Als er Vaduz trainierte, musste er in Buchs wohnen, um nicht sein Aufenthaltsrecht in der Schweiz zu verlieren. Und nach drei Jahren kehrte er zusammen mit seiner Frau Mag­dalena sowie seiner Tochter und seinem Sohn in das gleiche Haus an der Zilstrasse in St.Gallen zurück, wo er bereits schon vorher gewohnt hatte.

Bereits vor ungefähr fünf Jahren spürte Perusic, wie eine Krankheit ihn und seine Gesundheit einzuschränken begann. Nur noch mit Gymnastik und Gehschritten konnte er sich auf der nahen Finnenbahn fit halten. «Gelaufen bin ich in meinem Leben genug», sagte er damals verschmitzt. Sein tiefsitzender Schalk mochte Perusic ebenfalls geholfen haben, den Abschied von dieser Welt noch einige Zeit hinauszuschieben.


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