Effizienter FC St.Gallen wieder einmal im Glück

DREI PUNKTE ⋅ Zwei Chancen, zwei Tore: St.Gallen setzt sich beim FC Sion mit 2:1 durch. In der ersten Halbzeit trifft Marco Aratore, nach der Pause erhöht Nassim Ben Khalifa auf 2:0. Trotzdem müssen die Gäste noch bangen.
16. Oktober 2017, 06:55
Patricia Loher, Sitten
Vielleicht hat sich Christian Constantin das Spiel am TV angesehen. Möglicherweise aber genoss der 60-Jährige in den Walliser Bergen einfach das schöne Herbstwetter. Ins Stadion begab sich Sions Präsident, wenige Tage nachdem gegen ihn eine 14-monatige Sperre ausgesprochen worden war, jedenfalls nicht. Im Tourbillon im Umlauf waren lediglich einige Constantin-Masken, welche die Anhänger aus Solidarität mit dem Präsidenten verkauften. Am Abend wurde bekannt, dass Constantin gegen die Sanktionen Rekurs einlegen wird.
Die Anhänger im Tourbillon trugen gestern Christian-Constantin-Masken. Zoom

Die Anhänger im Tourbillon trugen gestern Christian-Constantin-Masken.

Constantin dürfte es kaum bereut haben, sich nicht über die Sperre hinweggesetzt zu haben. Denn auch so ist das Ungemach für seine Mannschaft schon gross genug. Zwar war ihr Auftritt gegen St. Gallen nicht schlecht. Sion war über weite Strecken gar das bessere Team. Nur: Zwei Wochen nach dem bitteren 1:6 bei den Young Boys erwischte St. Gallen die Walliser mit einer beeindruckenden Effizienz. Nach zwei Chancen führten die St. Galler in der 57. Minute mit 2:0. «Es war ein glücklicher Erfolg», sagte auch Trainer Giorgio Contini. Der Sieg war für die Ostschweizer ein guter Lohn, weil sie eine schlechte erste Halbzeit abgeliefert hatten. Sion spielte, Sion dominierte. St.Gallen kam praktisch nicht ins Spiel und hatte es seinem Goalie Daniel Lopar zu verdanken, nach einer halben Stunde nicht schon hoffnungslos im Rückstand zu sein.
  • Vor dem Spiel wurden Masken mit Constantins Gesicht verkauft.
  • Die Masken kosteten fünf Franken. Ein fünftel der Einnahmen fliesst in die Jugendarbeit des FC Sion.
  • Die Zuschauer tragen die Constantin-Masken im Stadion.

Marco Aratore und Nassim Ben Khalifa schiessen die St.Galler im Tourbillon zum Sieg. Christian Constantin war nicht im Stadion. Einige Sittener Anhänger hatten sich eine Aktion ausgedacht. Sie verkauften Constantin-Masken für fünf Franken. (Bilder: Keystone)

Die Gäste leisteten sich im Spielaufbau viel zu viele Fehler. So war es ihnen kaum einmal möglich, sich aus der Dauerumklammerung der Walliser zu befreien. St.Gallens Tor in der 33. Minute fiel deshalb praktisch aus dem Nichts. Es war der zweite gute Angriff der Ostschweizer in diesem Spiel, Alain Wiss bediente Danijel Aleksic, der die Lücke in Sions Abwehr und Marco Aratore fand. Der Mittelfeldspieler traf abgeklärt und sehenswert zum 1:0. Für St.Gallens besten Torschützen war es bereits der sechste Saisontreffer. Im Vergleich mit der vergangenen Saison habe er nun eine offensivere Rolle inne, sagte der Basler. «Ich bin näher am Tor.» Aber natürlich, auch Aratore gestand auf die Frage, was am Ende den Unterschied ausgemacht habe: «Wir erzielten die Tore.»

Erster Saisontreffer für Ben Khalifa

Nach der Pause kamen die St.Galler den Wallisern ein bisschen näher. Sie standen nun höher, ihr Zweikampfverhalten war besser. Damit verhinderten sie, dass Sion mit seinen schnellen, technisch versierten Spielern wieder so druckvoll auftreten konnte wie noch zu Beginn des Spiels. So war das zweite St. Galler Tor dann doch mehr verdient und vor allem wurde es wie schon das erste schön herausgespielt: In der 57. Minute bediente Aleksic präzis Nassim Ben Khalifa, der zwei Sittener stehen liess und auf 2:0 erhöhte. Während sich Aleksic den zweiten Assist an diesem Tag gutschreiben liess, war es für Ben Khalifa, der im Sommer aus Lausanne gekommen ist, das erste Tor für St.Gallen.
  • Yannis Tafer wird in der 83. Minute für Aratore eingewechselt.
  • Daniel Lopar: Note 5. Dank ihm bleibt seine Mannschaft überhaupt im Spiel. Zeigt in der ersten Hälfte beim Stand von 0:0 drei herausragende Paraden.
  • Nicolas Lüchinger: Note 4. Der Verteidiger zeigt ein gutes Zweikampfverhalten – bis zur 76. Minute, als er einen Penalty verschuldet.

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 – Leistungsträger bis 6 - Matchwinner. (Bilder: pd)

Obwohl diese 2:0-Führung wie ein Geschenk des Himmels war, gelang es den Gästen nicht, ihr Sorge zu tragen. «Wir haben uns zu wenig clever angestellt», so Contini. Der Trainer sprach damit Kontermöglichkeiten an, die sein Team nicht nutzte. Und die Situation in der 76. Minute, als Nicolas Lüchinger einen Penalty verschuldete, den Adryan zum 1:2 verwertete. Danach hatten die Ostschweizer einige bange Minuten und viele wütende Angriffe der Gastgeber zu überstehen, ehe sie ihren fünften Saisonsieg auf sicher hatten. «Heute war einiges nicht gut», sagte Contini. «Aber wir hatten zuletzt auch öfters Pech. Deshalb müssen wir uns für diesen Sieg nicht schämen.»

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