"Es spielt, wer ins System passt"

HEIMSPIEL ⋅ Die letzten drei Ligaspiele des FC St.Gallen geben Giorgio Contini bereits Anhaltspunkte für die neue Saison. Der Trainer steckt mit dem Team mitten im Findungsprozess - auch heute gegen GC.
21. Mai 2017, 07:38
Christian Brägger

Christian Brägger

Das Leben des Giorgio Contini hat sich am 4. März schlagartig verändert. Seit jenem Tag ist er der Trainer des FC St. Gallen, und seither ist auch das Interesse an seiner Person viel grösser als in den Jahren zuvor, als er noch für den FC Vaduz arbeitete. Den «runden Tisch», den er dort im Vorfeld der Partien mit den zwei Journalisten aus dem «Ländle» jeweils veranstaltete, den gibt es im Osten der Schweiz vorerst nicht. Vor zwei Tagen aber, da wäre dieser «Round Table» anstelle der Pressekonferenz mit stereotypem Rede-und-Antwort-Spiel durchaus angebracht gewesen. Jedenfalls war der intime, private Rahmen gegeben, weil das Medieninteresse an Contini und dem FC St. Gallen nach der jüngsten Niederlage in Lugano am Freitag verschwindend klein war und suggeriert, dass es um nichts mehr geht. Selbst Contini sagte mit einem Lächeln im Gesicht: «Siehst du? Kaum verliert man, kommt niemand mehr.»

Keine Kehrausspiele – Wegweiser für die Zukunft

Dabei ist schon die Denkweise, es würden nun noch drei Kehrausspiele folgen, grundsätzlich falsch. Denn nach der Saison ist wieder vor der Saison, und die Vorbereitung auf die neue Spielzeit hat mit Contini soeben begonnen. Mit seinen Ansichten des Fussballs, mit seinen Vorstellungen bezüglich Spielermaterial, mit seinem Taktikverständnis, mit seinen Wünschen nach Kadermutationen. So gesehen erhält die heutige Partie im Kybunpark gegen die Grasshoppers eine gewisse Tragweite, weil sich ab 13.45 Uhr jeder einzelne Spieler nach dem Training nun auch im Ernstkampf präsentieren und profilieren kann. Contini sagte: «Jeder soll sich mit Leistungen empfehlen. Mein Auftrag ist es aber auch, Punkte einzufahren. Also kommen die Spieler zum Zug, die in mein System passen.» Es gebe zudem ja auch die Planung, die über das Saisonende hin­auslaufe. So werde es Spieler geben, die aus dem Raster fallen, sagte der Coach. «Es geht darum, wie ich hier in Zukunft arbeiten möchte. Dafür will ich jetzt möglichst viele Eindrücke sammeln. Um dann in der neuen Saison die besten Spieler auf den besten Positionen zu haben.»

Gegen den Rekordmeister stehen Contini alle Profis zur Verfügung, keiner ist gesperrt, keiner verletzt. Auch Tranquillo Barnetta und Gianluca Gaudino, die beide am vergangenen Dienstag gegen Lugano angeschlagen waren und geschont wurden, sollten wieder im Aufgebot stehen. Sie trainierten zu Wochenbeginn mit dem Physiotherapeuten, dann am Mittwoch und Donnerstag individuell, danach wieder voll. Noch nicht ganz verwunden hatte Contini das 2:3 im Tessin, er hätte sich von seiner Mannschaft mehr Mut gewünscht. «Wir dürfen auch auf dem gegnerischen Platz offensiv verteidigen, hoch stehen.» Hervorheben wollte er jedoch die zweite Halbzeit, weil die St. Galler trotz des Zweitorerückstands ruhig geblieben waren. Und ihr Spiel durchzogen. «Wir liessen den Ball gut zirkulieren, unsere Tore entstanden aus gelungenen Aktionen. Leider wurden wir nicht belohnt. Dennoch können wir aus dieser Niederlage lernen.»

Wenig Neues an der Transferfront

Nicht viele Worte verlor der Coach über die Gerüchte an der Transferfront. Contini lebt im Hier und Jetzt, «die Wechsel sind dann vollzogen, wenn sie kommuniziert werden». So gibt es derzeit über Albian Ajeti, den der FC Basel verpflichten will, wenig Neues. Es scheint aber möglich, dass St. Gallen ihn für das Schweizer Testländerspiel gegen Weissrussland am 1. Juni freigibt, auch wenn die Ostschweizer tags darauf noch in Basel ihre Saison beenden. Contini sagte: «Priorität hat der Verein. Es kann aber Ausnahmen geben, dazu müsste es dann Diskussionen geben zwischen dem Verband, dem Nationaltrainer und mir.» Überdies wird Alain Wiss, dessen Vertrag ausläuft, mit Sportchef Christian Stübi nochmals zusammensitzen und über einen möglichen Verbleib diskutieren. Die Verhandlungen Martin Anghas mit dem FC Zürich scheinen hingegen weit fortgeschritten. Hier stehen die Zeichen auf Abschied. Und immer wieder gibt es Gerüchte aus dem Hause Moreno Costanzo, dass er vor einem Wechsel von Vaduz zu St. Gallen stehen könnte. Bei Sejad Salihovic liegen die Dinge etwas anders. Es ist offen, ob ihn Stübi mit einem neuen Kontrakt ausstattet. Contini sagte: «Sejad passt hierher, und soviel ich weiss, will er auch hierbleiben. Bei ihm geht es aber auch ums Thema, wie wir hier in die Zukunft gehen wollen.» Heisst: Will man auf seiner Position weiter auf einen 32-Jährigen setzen? Oder doch auf die Jugend? Was bei Salihovic kein Diskussionspunkt sein dürfte, ist seine Qualität. Falls doch, können und sollen sich die etwa 14 000 Zuschauer, die heute gegen die Grasshoppers erwartet werden, selbst ein Urteil bilden.

 

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