Die Otero-Gruppe ist zerschlagen: Endlich wird aufgeräumt beim FC St.Gallen

KOMMENTAR ⋅ Der FC St.Gallen trennt sich von seinem umstrittenen Nachwuchschef Marco Otero. "Die Zeit der Seilschaften ist vorbei, wer nicht spurt, muss gehen", schreibt Patricia Loher, Leiterin der Sportredaktion, in ihrem Kommentar.
22. Januar 2018, 21:21
Die neue Führung des FC St.Gallen kennt keine Gnade. Nachdem schon der Talentmanager Kristijan Djordjevic freigestellt wurde, muss nun auch der umstrittene Nachwuchschef Marco Otero per sofort gehen. Zudem trennt sich der Club von Konditionstrainer Harry Körner und von Physiochef Benjamin Bubeck. Präsident Matthias Hüppi und Sportchef Alain Sutter haben die Gruppe Otero zu einem grossen Teil zerschlagen.

Als Otero vor drei Jahren die Leitung von Future Champs Ostschweiz (FCO) übernahm, blieb kaum ein Stein auf dem anderen. Unter dem Deckmantel fehlender Erfolge wurde das Nachwuchsprojekt umgebaut, verdienstvolle Leute mussten gehen. Begründungen gab es keine, kritische Fragen wurden nicht geduldet. Auch intern war Otero wegen seines Umgangs eine Reizfigur, es bildeten sich Fronten, die sich verhärteten. Schnell einmal stand der Nachwuchschef im Ruf, dem Spielerberater Donato Blasucci nahe zu sein – so wie FCO-CEO Ferruccio Vanin, Trainer Giorgio Contini, Co-Trainer Markus Hoffmann, Körner und Daniel Lopar. Bubeck wurde zudem auf Drängen von Otero installiert.

Das Zeichen der neuen Führung ist unmissverständlich: Die Zeit der Seilschaften ist vorbei, wer nicht spurt, muss gehen. Finanziell allerdings ist dieser personelle Kahlschlag ein Kraftakt. Dem Club fehlten schon zuvor in dieser Saison 1,5 Millionen Franken. Otero soll mehr als 200'000 Franken im Jahr verdient haben und noch über einen Vertrag bis 2019 verfügen. Doch den Verantwortlichen war das Risiko zu gross, dass sich das vergiftete Klima weiter und möglicherweise bis in die erste Mannschaft ausbreitet. Denn ein entzweites Team in der Super League käme St.Gallen wesentlich teurer zu stehen.

Patricia Loher
patricia.loher@tagblatt.ch

 

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