Die neuen Starken beim FCSG

AKTIONARIAT ⋅ Die Zukunft des FC St.Gallen liegt nach dem Rückzug von Dölf Früh in den Händen von zehn Ostschweizer Aktionären. Ob sie im Club radikal aufräumen oder nur kleine Anpassungen vornehmen werden, ist offen. Die Übersicht zeigt, wer die Aktionäre sind.
18. November 2017, 07:33
Christian Brägger, Ralf Streule
Seit Montag ist die neue Eignerstruktur der FC St.Gallen Event AG bekannt. Das neue Aktionariat soll den Club in ruhigere Gewässer führen und den oft kritisierten Verwaltungsrat durchleuchten. Das Aktionärsgremium ist breiter abgestützt als zuvor, die Anteile sind auf zehn Schultern verteilt. Es handelt sich ausschliesslich um Exponenten aus der Ostschweiz. Eine Machtkonzentration, wie es sie mit Dölf Früh gab, der mit seinen annähernd 50-Prozent einem Mehrheitsaktionär gleichkam, kennt die Event AG jetzt nicht mehr. Zwar stockte Edgar Oehler auf 24,39 Prozent auf, doch auch der Thurgauer Unternehmer braucht für die Entscheidungsmehrheit mindestens drei weitere Mitbesitzer der Event AG – ein basisdemokratisches Konzept, dass es im Aktionariat unter Früh nicht gab.

Das sind die neuen und bisherigen Aktionäre der FC St.Gallen Event AG: 

Edgar Oehler (bisher), 24,39%
Der frühere Chef der Arbonia-Forster-Gruppe (AFG) hat Anfang der Woche seinen Anteil an der Event AG verdoppelt. Am liebsten hätte der 72-Jährige  mehr dazugekauft, doch im Rahmen des Aktionärbindungsvertrags war dies nicht möglich. Der FC St.Gallen liegt dem Unternehmer sehr am Herzen, mit dem früheren Präsidenten Dölf Früh verbindet ihn viel. In einem Gespräch mit dieser Zeitung hat Oehler den Handlungsbedarf im VR anerkannt, weil es «dringend unabhängige Leute braucht, die nicht operativ tätig sind», wie er sagte. An gleicher Stelle bekannte er sich zudem zu Präsident Stefan Hernandez. «Sonst hätte ich mein Aktienpaket nicht verdoppelt.» (cbr)

Patric und Jérôme Müller (neu), 12,2%
Die Gebrüder Müller wuchsen in Teufen auf und gründeten in St. Gallen die Immobilienfirma Gemag. Die Verantwortlichen des FC St. Gallen seien auf sie zugekommen, als es um die Aktienübernahme ging, sagen Patric (30) und Jérôme (28, links/oben). Bereits zuvor war Gemag Sponsor des FCSG. Die Entwicklung des Clubs habe man stets eng verfolgt und sei ihm emotional verbunden. Noch habe man den VR nicht näher kennen gelernt. «Wir werden uns als Erstes ein objektives Bild verschaffen.» (rst)

Roland Gutjahr (neu), 12,2%
Dank dem neuen Stadion erhielt Roland Gutjahr eine noch engere Bindung zum FC St.Gallen: Mit seiner Firma, der Ernst Fischer AG, baute er vor rund zehn Jahren die Stahlkonstruktion der damaligen AFG Arena und wurde Sponsor des FC St.Gallen. Heute leiten seine Tochter Diana und deren Ehemann die Unternehmung. Gutjahr engagiert sich auf privater Basis für den Club, er will mithelfen, der FCSG bereitet ihm grosse Freude. In einem ersten Interview mit dieser Zeitung hat der 69-Jährige einige Baustellen geortet, mit den anderen Eignern und über viele Gespräche mit der Führungscrew wird nun gemeinsam auf eine erfolgreiche Zukunft hingearbeitet. (cbr)

Patrick Thoma (neu), 12,2%
Patrick Thoma ist VR-Präsident der Thoma Immobilien Treuhand AG mit Sitz in Amriswil und Niederlassungen in St. Gallen und Wil. Mit dem FC St. Gallen sei er seit Jahren verbunden, als Junior habe er selbst im Club gespielt. «Die Ostschweiz hat der Firma Glück gebracht, das will ich zurückgeben.» Er tut dies als Dienstagsclub-Mitglied, als Präsident des Ambassadoren-Clubs und nun als Aktionär. Die Vorgänge im Verein seien ihm nicht entgangen, sagt er, hält sich aber zurück: «Wichtig ist, dass Ruhe einkehrt.» Mit Dölf Früh habe es beruflich Berührungspunkte gegeben. Dass er dessen Ansichten vertreten könnte, verneint er. «Ich habe eine eigenständige Meinung.» (rst)

Rolf Schubiger (bisher), 9,76%
«Das Wichtigste ist, dass Trainer Giorgio Contini und seine Spieler jetzt gut arbeiten», sagt Rolf Schubiger. Der Chef der gleichnamigen Küchenfirma und des vor Jahren veräusserten Online-Portals Nettoshop hat im Zuge der Veränderungen den Besitzanteil verdoppelt, «um das Gleichgewicht nach dem erzwungenen Rückzug Pascal Kesselis zu halten». Der Vater von drei Söhnen war immer darauf bedacht, das Aktionariat breiter aufzustellen. Schubiger gewinnt der neuen Eignerstruktur denn auch nur Positives ab: «Allen Beteiligten geht es um den FC St.Gallen, um unseren Club der Ostschweiz. Wir alle wollen einen gesunden Verein, der Freude macht.» (cbr) 

Steffen Tolle (bisher), 9,76%
Früher war Steffen Tolle Partner der Bank Wegelin. Heute ist der zweifache Familienvater unter anderem in Anlageausschüssen für Pensionskassen sowie etlichen VR-Mandaten aktiv. Der Costa-Rica-Fan ist in sechs gemeinnützigen Stiftungen tätig, vier davon präsidiert er. Tolle engagiert sich im FC St.Gallen schon seit vielen Jahren, hat mit Freunden eine Loge (Nexus) gemietet und hält Aktien an der Event AG seit 2013. Das Herz des passionierten Fussballers ist grünweiss, mit dem Aktionärsgremium will er «die Sachlage nun genau analysieren». Und sagt: «Ich bin zuversichtlich für die Zukunft des FC St.Gallen, an der mir sehr viel liegt.» (cbr)

Martin Jäger (bisher), 4,88%
Der 53-Jährige ist jener Aktionär, über den in der Öffentlichkeit am wenigsten bekannt ist. Er hat sich 2014 als Privatperson ins Aktionariat eingebracht, zusammen mit Rolf Schubiger und Pascal Kesseli. Rainer Sigrist und Ralf Klingler traten damals aus. Jäger ist ein Freund Schubigers und arbeitet seit 1999 in dessen Firma, heute als Leiter Einkauf. Er erinnert sich, wie er schon als Jugendlicher mit grünweissen Fahnen zu Fuss von Engelburg ins Espenmoos an die Spiele pilgerte. Nun sagt er, ohne konkreter zu werden: «Es muss Ruhe einkehren.» Und er beschreibt sein gutes Gefühl: «Das Aktionariat spricht offen miteinander, alle wollen nur das Beste.» (rst)

Ernst Eisenhut (neu), 4,88%
Aktiv gesucht habe er die Aufgabe als Aktionär beim FC St.Gallen nicht. Als sich abzeichnete, dass Pascal Kesseli aus dem Aktionariat hinausgedrängt werde, habe er aber auf Anfrage Rolf Schubigers zugesagt. «Viele warnten mich vor der grossen Aufgabe, aber der Club braucht wieder ein Ziel und eine Strategie.» Der 63-Jährige Vermögensberater ist Geschäftsführer der St.Galler Sirius Wealth Management und Leiter der St.Galler Niederlassung der Luzerner Privatbank Reichmuth & Co. Er ist mit Bankier Steffen Tolle befreundet. Zusammen mit 17 Bekannten hat er eine Loge im Kybunpark gemietet. Er wuchs in Stein AR auf und lebt heute wieder dort. (rst)

Stefan Hernandez (bisher), 4,88%
Stefan Hernandez ist als Präsident des 
FC St.Gallen innerhalb des Aktionariats in einer delikaten Situation. Einerseits ist er Mitentscheider. Andererseits ist er die Verbindung zu dem in die Kritik geratenen Verwaltungsrat und der direkte Informant aus dem Gremium. Für ihn wird es auch darum gehen, das Gesicht als Präsident zu wahren. Man arbeite gemeinsam an der Zukunft des Vereins, sagte Hernandez im «Blick». Interessant könnte es werden, wenn der VR in den kommenden Wochen weitreichende Entscheide treffen will. Dies dürfe der VR aktuell nicht mehr in Eigenregie tun, sagte Roland Gutjahr. Reden also die Aktionäre bei der Sportchef-Suche mit? (rst)

Schützengarten AG (bisher), 4,88%
Die Brauerei Schützengarten liefert des Fussballfans liebstes Getränk ins Stadion, überdies tritt sie seit vielen Jahren als Sponsoringpartner des FC St.Gallen auf. Seit 2009 ist die St.Galler Brauerei in Aktienbesitz, im April dieses Jahres stockte sie ihren Anteil auf die nächstmögliche Stufe von 4,88 Prozent auf. «Es sind sehr gut vernetzte Personen im Aktionariat mit dabei, die alle das Wohl des FC St.Gallen im Fokus haben. Hierzu gehört ein finanziell gesunder Verein, der fairen und attraktiven Fussball bietet und mit viel Leidenschaft und Selbstbewusstsein ein guter Botschafter für die Ostschweiz ist», sagt Reto Preisig, der Vorsitzende der Geschäftsleitung. (cbr) 
 

FC St.Gallen AG rückt näher zur Event AG

Früh veräusserte auch seinen 8,25-Prozent-Anteil an der FC St.Gallen AG, der zweiten Gesellschaft innerhalb des Club-Konstrukts. Neu besitzt die Event AG dieses Paket, womit sie noch deutlicher zur Muttergesellschaft der FC St.Gallen AG wird. Das Aktionariat der Event AG bestimmt damit weiterhin praktisch alleine über den Verwaltungsrat, der beiden Gesellschaften strategisch vorsteht. So gesehen fanden die VR-Wahlen unter den Publikumsaktionären am vergangenen Montag nur pro Forma statt. Doch gerade jene Wahlen offenbarten, wie kritisch der Puls der grünweissen Anhänger derzeit schlägt. 


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