Botschaften eines harzigen 1:1

FC ST GALLEN ⋅ Die Ostschweizer gleichen dank Roy Gelmi spät aus und holen gegen den FC Sion im letzten Heimspiel der Saison einen glücklichen Punkt. Es ist gut, dass bald die Sommerpause kommt.
Aktualisiert: 
28.05.2017, 22:00
28. Mai 2017, 17:40
Christian Brägger
Am Ende kletterte er doch noch über den Zaun. Und verabschiedete sich definitiv von der Fankurve, die für diesen Moment nur ihm gehörte. Die Umarmungen waren innig, Mario Mutsch war jetzt einer der ihren. 
 
Es war der emotionalste Moment eines heissen Nachmittages im 18. und letzten Heimspiel der Saison. Was nicht verwunderte. Zumal das Geschehen davor zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Sion niemanden der 12 773 Zuschauer bewegen konnte. Mit Ausnahme des 1:1-Ausgleichstreffers durch Roy Gelmi in der 86. Minute, den der Mittelfeldspieler nach einem Corner Tranquillo Barnettas mittels Kopfball erzielte. Es war auf St. Galler Seite der einsame Höhepunkt, nachdem die Gäste aus dem Wallis die Partie bestimmt hatten. In der die Sittener jedoch ausser dem Führungstreffer durch Paulo Ricardo nach fast einer Stunde – ebenfalls nach einem Eckball – ähnlich wenig zustande gebracht hatten. In einem Auftritt, in dem es für sie nach dem verlorenen Cupfinal-Mythos immerhin um den dritten Schlussplatz und die damit verbundene Teilnahme an der Gruppenphase der Europa League ging. Dieser ist nun in weite Ferne gerückt, und vielleicht war dies ja der Grund, weshalb im Kabinentrakt Sion-Profi Geoffrey Bia auf seinen Präsidenten Christian Constantin losging. Und ihn heftig am Kragen packte. 
 
 
  • In seinem ersten Heimspiel hat es gegen Sion für einen Sieg nicht gereicht: Trainer Giorgio Contini im Gespräch mit den Spielern während der Trinkpause.
  • Der Walliser Verteidiger Paulo Ricardo jubelt nach dem Tor zum 0:1 mit dem Ball unter dem Trikot.
  • St.Galler Goalie Dejan Stojanovic weist seine Teamkollegen mehr nach links.

Der FC St.Gallen spielt gegen den FC Sion in seinem letzten Heimspiel 1:1. Nach torlosen 64 Minuten bringt Paulo Ricardo die Walliser mit einem starken Kopfball von der Kante des Fünfmeterraumes in Führung. Erst in der 86. Minute gelingt Roy Gelmi der Ausgleichstreffer.


Wiss bleibt bis 2019  beim FC St. Gallen
Die Mannschaft von Trainer Giorgio Contini dürfte diese durchzogene Saison nun im siebten Rang beenden, Botschaften aus ihrem Kreis erzeugten ebenfalls Aufmerksamkeit. Alain Wiss bleibt den Ostschweizern zwei weitere Jahre erhalten, seine Vertragsverlängerung erntete anerkennenden Beifall. Der 22-jährige Pascal Albrecht hingegen, der Goalie Nummer drei, muss den FC St. Gallen zum Ende der Saison verlassen. Contini sagte: «Es ist ein ganz normaler Prozess, dass wir ihn durch einen jüngeren Goalie ersetzen.» 
  • Dejan Stojanovic: Note 5. Spielt für Lopar, weil Contini ihn im Ernstkampf sehen will. Selten geprüft, in der ersten Halbzeit rettet er zweimal grandios. Beim Gegentor machtlos.
  • Mario Mutsch: Note 4. Wird vor dem letzten Heimspiel offiziell verabschiedet. Während der Partie solide, einige Stockfehler. Nach dem Schlusspfiff feiern die Fans den Luxemburger. Er wird den Ostschweizern vor allem menschlich fehlen.
  • Alain Wiss: Note 4. Vor der Partie wird bekannt, dass der Zentralschweizer zwei weitere Jahre dem FCSG erhalten bleibt. Überzeugt im defensiven Zentrum, hat unter Contini wieder Vertrauen gefunden.

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 – Leistungsträger bis 6 - Matchwinner. (Bilder: PD)

In den 90 Minuten davor hatte Contini sein Team nicht so gut gesehen, er bemängelte die häufigen Ballverluste. «Immerhin stimmten Mentalität und Moral. Und ich kann weitere Schlüsse ziehen für meine Planung. Die Spieler, die heute aufgelaufen sind, haben sich bei mir ja wieder eine Note abgeholt.» Auch ihm war aufgefallen, dass der verletzte Sejad Salihovic nicht so leicht zu ersetzen ist, Kreativität fehlte und sich stattdessen Passivität ausbreitete; dass Barnetta – er war gestern Captain, weil auch Toko nicht mittun konnte – im defensiven Mittelfeld nicht zur Entfaltung kommt; dass Dejan Stojanovic, den Contini auch im letzten Saisonspiel in Basel sehen will, nicht nur wegen zwei bravourösen Rettungsaktionen vielleicht mehr als nur ein valabler Ersatz ist für Daniel Lopar. Das fünfte Spiel als St. Gallen-Trainer wollte Contini indes nicht als Referenz sehen. «Aber ich erkenne, wer meine Gedanken umsetzen kann.» Das wird wichtig sein, wenn das Ansinnen der St. Galler Fans umgesetzt werden soll. Sie wollen nach der Saison 2017/18 ins internationale Geschäft. 

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