Neu-Aktionär Gutjahr: "Der FCSG wirkt führungslos"

INVESTOR ⋅ Roland Gutjahr ist einer der neuen Aktionäre der Event AG des FC St.Gallen. Der Thurgauer Unternehmer kündigt rasche Massnahmen an, um wieder Ruhe in den Verein zu bringen. Auch personelle Wechsel und Einsparungen gehören dazu.
15. November 2017, 06:10
Christian Brägger

Christian Brägger

Roland Gutjahr hat am Montag einen Teil der Aktien von Ex-Präsident Dölf Früh gekauft. Er wolle mithelfen, den Verein breiter abzustützen. «Damit nicht Dinge wie in Wil passieren, jemand aus dem Ausland kommt und der Verein ­kaputtgeht.» Gutjahr hat mit seiner Firma, der Ernst Fischer AG, die Stahlkon­struktion des Kybunparks gebaut. Er wurde durch den Bau zum Gönner, indem er auf die Einforderung hoher Zusatzkosten verzichtete. Der 69-Jährige unterstützt auch das Nachwuchsprojekt Future Champs Ostschweiz.

Der FC St. Gallen als Anlageobjekt ist derzeit nicht das attraktivste Produkt. Warum halten Sie neu 12,2 Prozent Anteile an der Event AG?

Ich habe grosse Freude am FC St. Gallen. Vor allem will ich mit den anderen Ostschweizer Aktionären mithelfen, die anstehenden Probleme zu lösen.

Welche Probleme meinen Sie?

Ich muss mich darauf abstützen, was mir zugetragen wurde. Es herrscht eine gewisse Unruhe im Verein, und in der Führungsetage laufen die Dinge nicht so, wie man sich das vorgestellt hatte. Ich habe von Machtspielen gehört, kann dies aber nicht beurteilen. Aber wenn eine Situation einmal verfahren ist, wird es auch schwierig, den Überblick zu behalten. Es ist gut, dass ich quasi jungfräulich an das Thema herangehe.

Wie werden die Hauptaktionäre nun vorgehen?

Wir kennen uns nicht alle, doch ich habe ein sehr gutes Gefühl. Eigentlich sehe ich niemanden mit persönlichen Interessen. Keiner hat es nötig, sich zu profilieren. Jeder bringt etwas mit ins neue Gremium. Wir sind alle in der Wirtschaft tätig und kennen den Kampf ums Brot. Nun werden wir zusammensitzen und eine einfache Eignerstrategie entwickeln. Wir werden diese dann mit dem VR absprechen. Und schauen, ob und wie sich unsere Vorstellungen mit jenen des VR decken. Wir müssen die Reibungsverluste aufheben. Im Grunde wollen doch alle dasselbe: Finanziell soll es stimmen, der Club soll langfristig überleben, und wir alle wollen den sportlichen Erfolg.

Wer wird das Aktionariat briefen? Der frühere VR Michael Hüppi?

Hüppi wird es kaum sein. Wir haben kein parteiliches Interesse, das ist ein Vorteil. Und uns umgeben Leute, die kein Interesse haben, uns in eine falsche Richtung zu beraten. Wir haben Leute an der Seite, die die Situation sehr gut kennen, aber nicht infiziert sind und dennoch ein grün-weisses Herz haben.

Wer sind diese Berater? Der Name Roger Hegi fällt immer wieder.

Dazu kann ich nichts sagen. Es sind in der Öffentlichkeit bekannte Leute, auch im Fussball sind sie versiert. Nicht nur in der Schweiz, auch europaweit.

Der VR gilt nicht als führungsstark. Die kritischen Stimmen werden lauter.

Wir werden rasch handeln und dem VR eine klare Aufgabenverteilung vorgeben. Zudem werden wir mehr Informationen einfordern als sonst üblich. Im Prinzip erfüllen wir Aktionäre und der VR nun die Aufgaben im Verein als Gruppe, um dann klar zu definieren, welche Veränderungen notwendig sind. Dass es Veränderungen braucht, hat ja auch die GV gezeigt: Exekutive und Legislative dürfen nicht im gleichen Raum sein. Ich denke, der VR hat das gespürt.

Im Moment ist der bestehende VR am Drücker. Was passiert, wenn Ferruccio Vanin nun mit Marco Otero vorzeitig den Kontrakt ver­längert? Niemand könnte gegen­steuern, der Vertrag wäre gültig.

Das ist richtig. Wir müssen schnell handeln, vor allem darf der VR vertragliche Verpflichtungen von Tragweite nicht mehr in Eigenregie abschliessen. Aber man muss aufpassen: Wir dürfen jetzt nicht mit dem Beil dreinhauen und alle fortjagen.

Wer bringt die sportliche Kompetenz im Aktionariat mit?

Es ist klar, dass wir im VR einen Fussballfachmann haben müssen. Das wird nicht der Sportchef sein. Es muss jemand sein, der unabhängig vom ganzen Betrieb, also nicht angestellt ist. Es muss jemand sein, der erfahren ist und den Mut hat, in der Überwachung Verantwortung zu übernehmen.

Kann es passieren, dass der bestehende VR ausgetauscht wird? Auch ein Sascha Roth, der neben­bei in Frühs Unternehmen arbeitet, ist nicht unabhängig.

Es wird Veränderungen geben; in welchem Umfang, wird sich weisen. Es gibt ja niemanden, der nur Schlechtes tut.

Aber es gibt Leute, die auf den eigenen Vorteil schauen.

Das stimmt. Aber jeder Mensch kann etwas, auch die Leute im VR. Das Problem ist nur, dass die Leute immer das machen, was sie eben nicht können. Auf der Führungsebene brauchen wir gute Verkäufer, Repräsentanten.

Stefan Hernandez kann das?

Der Verein wirkt in der vergangenen Zeit doch etwas führungslos.

Werden Sie, bis auf Edgar Oehler, einheitlich auftreten im Aktionariat?

Ja. Ich bin nicht sicher, ob Edgar Oehler nicht auf unserem Kurs ist. Auch wenn ich nicht genau weiss, weshalb es wichtig war für ihn, aufzustocken. Dennoch braucht auch er mindestens drei weitere Aktionäre, um die Mehrheit zu erlangen. Eines habe ich gelernt: Wenn Geld Macht ist und nicht Wissen, dann funktioniert es nicht. Langfristig gewinnen Fähigkeiten gegen Macht und Geld.

Könnte es sein, dass Pascal Kesseli als CEO der Event AG zurückkehrt?

Das würde mich überraschen und schliesse ich eigentlich aus. Aber man weiss ja nie.

Wie viel mussten Sie bezahlen für die 12,2 Prozent?

Nominalwert der Aktien sind 150000 Franken. Hinzu kam ein Zusatzbetrag quasi als Eintrittsbewertung.

Das Minus beträgt 2,8 Millionen Franken. Wo wird man neben dem Personal den Hebel ansetzen?

Wir brauchen Kostentransparenz und müssen wissen, wohin das Geld fliesst. Vor allem müssen wir neues Geld generieren, Sponsorenverträge abschliessen. Wir müssen alle unser Netzwerk anzapfen. Wir müssen Sponsoren, welche die Lust verloren haben, zurückholen. Es ist viel kaputtgegangen in der letzten Zeit. Zudem müssen wir das grün-weisse St. Gallen in die Region verpflanzen. Den FC Ostschweiz muss man spüren. Wir müssten doch 14000 Zuschauer im Schnitt haben.

Man sagt, im Nachwuchs sitze das Geld ziemlich locker. Vanin und vor allem Otero sollen sehr viel verdienen. Von 200000 Franken und mehr ist die Rede.

Wenn das stimmt, wird sehr viel bezahlt. Wir werden ohnehin die gesamte Lohnstruktur hinterfragen. Wir wissen, was in der Privatwirtschaft bezahlt wird. Die Zahlen, die man von dort kennt, und die Löhne, die im FC St. Gallen offenbar bezahlt werden, divergieren extrem.

Laut Hernandez würde beispielsweise Vanin in der Privatwirtschaft mindestens das Doppelte verdienen.

Niemals, das ist eine Illusion.


1Leserkommentar

Anzeige: