«Der Sportchef muss der CEO sein»

FCSG ⋅ Fredy Bickel ist einer der profiliertesten Sportchefs der Schweiz. Dass im FC St. Gallen gerade dieser Posten nicht mehr direkt dem Verwaltungsrat unterstellt ist, nennt der 52-Jährige eine «höchst untragbare Lösung».
24. Juni 2017, 12:02
Christian Brägger

Fredy Bickel hat viel gesehen im Fussball. Bei den Grasshoppers, als er noch Pressechef, technischer Koordinator und Assistent des Sportchefs war. Dann bei der Uefa als Delegierter. Und vor allem als langjähriger Sportchef beim FC Zürich, bei den Young Boys und im Ausland bei Rapid Wien, wo er seit Dezember 2016 als Geschäftsführer Sport arbeitet. Die neue Organisationsstruktur in der FC St. Gallen AG hat Bickel aus der Ferne genau verfolgt, sie habe ihn sehr erstaunt, weil es so etwas sonst ja nirgends gebe, sagt er. «Sportchef Christian Stübi wurde degradiert. Ich hätte ein riesiges Problem, wenn mir das passiert wäre. Es ist eine höchst untragbare Lösung.»

Kurze, direkte Wege wichtig für einen Sportchef

Als Sportchef müsse man direkt dem Verwaltungsrat unterstellt sein, so Bickel. Darauf habe er an seinen Wirkungsstätten immer geachtet. Weil im Fussball fast alles vom Faktor Zeit abhänge, insbesondere, wenn man Personalentscheide fällen und Transfers abwickeln müsse. «Der kurze, direkte Weg ist das A und O in unserem Geschäft. Weil du dich sonst mit irgendwelchen Leuten unnötig lange aufhältst, weil jeder seine Interessen anbringen möchte und dreinredet. Das hat zur Folge, dass du zu nichts mehr kommst.» Dabei schlafe die Konkurrenz ja nicht. Bickel hätte also ein Problem damit, wenn ein CEO wie Ferruccio Vanin über ihm postiert wäre.

«Der Sportchef muss der CEO sein und somit über dem Trainer und dem Nachwuchschef stehen.» Als Sportchef trage man die langfristige, zukunftsgerichtete Gesamtverantwortung im Verein. Der Coach ar­beite grundlegend anders, für den Moment, den aktuellen Erfolg. Weil im FC St. Gallen Nachwuchschef Marco Otero und Trainer Giorgio Contini dem Sportchef gleichgestellt sind, käme für Bickel die Stelle als Nachfolger Stübis nicht in Frage. «Nein, ich könnte mir niemals vorstellen, bei diesem Konstrukt Sportchef im FC St. Gallen zu werden. Aber man wird in der Ostschweiz noch merken, dass diese Struktur nicht funktionieren kann.»

Christian Brägger


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