Der Kapitän ist wieder an Bord

EVERGREEN ⋅ Vor zweieinhalb Jahren musste Philippe Montandon seine Fussballkarriere beenden. Jetzt ist er wieder zurück beim FC St. Gallen. Zum Club hat er eine sehr enge Beziehung – obwohl dieser ihn einst wegschickte.
18. November 2017, 05:19
David Gadze

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

Wenn der Kapitän als Erster von Bord geht, ist das in der Regel kein gutes Zeichen. So auch am 9. August 2014. Der FC St. Gallen spielt gegen den FC Aarau. Nach einem Eckball prallen Philippe Montandon und sein Teamkollege Marco Mathys mit den Köpfen zusammen. Montandon bleibt liegen – und verlässt Minuten später unter Tränen den Platz. «Ich ahnte, dass es das Ende meiner Karriere gewesen sein könnte», erzählt der heute 35-Jährige.

Sieben Gehirnerschütterungen hatte Montandon zu jenem Zeitpunkt bereits erlitten. Die achte ist eine zu viel. Beim Start in die Rückrundenvorbereitung muss er kapitulieren: Anfang Januar 2015 verkündet er sein Karrierenende. Mit ihm verliert der FC St. Gallen nicht nur einen seiner wichtigsten Spieler, sondern auch den Captain, Publikumsliebling und eine Identifikationsfigur auf und neben dem Platz.

Mehr als ein Arbeitgeber

Jetzt ist Philippe Montandon zurück beim FC St. Gallen. Seit zwei Wochen arbeitetet er als Leiter Sponsoring im Aussendienst. «Ich bin sehr froh, wieder hier sein zu dürfen», erzählt er im Kybunpark. Es ist nicht seine erste Rückkehr zu den «Espen». Mitte 2015 übernahm er für ein knappes Jahr den Job als Teammanager, nachdem Christian Stübi zum Sportchef aufgestiegen war. Auch als Spieler stand er zweimal beim FCSG unter Vertrag.

Der Sohn von Francis Montandon, der als Verteidiger für den FC Biel, Xamax und die Grasshoppers spielte und zwei Länderspiele absolvierte, kommt im Sommer 2004 als 22-Jähriger von Absteiger und Cupsieger Wil zum FC St. Gallen. In den folgenden Jahren baut der Brüttiseller eine enge Verbindung zum Club auf. Dieser ist für ihn mehr als ein Arbeitgeber. «Ich fühlte mich hier von Anfang an wohl.» Das habe wohl mit seinem Charakter und den Werten des Vereins zu tun: «Das Bodenständige, Leidenschaftliche entspricht mir. Ich bin ein einfacher Mensch.»

Auch die Anhänger schliessen Montandon rasch ins Herz. Er ist ein unermüdlicher und fairer Kämpfer, ein ehrlicher Arbeiter – einer von ihnen. Als Trainer Rolf Fringer jedoch in der Saison 2006/07 nicht mehr auf ihn setzt, wird er für die Rückrunde an den FC Schaffhausen ausgeliehen. Im Sommer verlängert der FCSG zwar seinen Vertrag nochmals um ein Jahr, leiht ihn aber wiederum nach Schaffhausen aus. Montandon hofft immer noch auf eine Rückkehr zu den «Espen», doch auch nach dem Abstieg des FCSG im Sommer 2008 hört er nichts mehr – beziehungsweise zu spät. «Uli Forte rief mich an und sagte mir, dass er mich gerne zurückholen würde. Doch da hatte ich bereits bei Lugano unterschrieben.»

«Ich bin stolz, Captain gewesen zu sein»

Drei Jahre lang spielt Montandon für die Bianconeri, dreimal ­verpassen sie den Aufstieg in die Super League nur knapp. «Ich hatte eine schöne Zeit im Tessin, aber nach diesen Rückschlägen war für mich klar, dass ich weg musste.» Er kontaktiert Heinz Peischl, der einst in Wil sein ­Trainer war, ihn danach zum FC St. Gallen holte und inzwischen als Sportchef in St. Gallen amtet. Er sagt ihm, dass er gerne zurückkehren würde zu seinem Herzensclub, der soeben erneut in die Challenge League abgestiegen ist. Nach seiner Rückkehr etabliert sich Montandon sofort als Führungsspieler. Dem sofortigen Wiederaufstieg folgt die Qualifikation für die Europa League. «Das erleben zu dürfen, war ein Traum. Und ich bin stolz, dass ich diese Mannschaft als Captain anführen durfte.»

Jetzt ist der Kapitän, der mit seiner Frau und den beiden Kindern in Teufen lebt, also wieder an Bord, wenn auch in anderer Funktion. So bitter sein Abgang von der Fussballbühne war, Philippe Montandon blickt nicht mit Wehmut zurück. «Ich hatte eine tolle Karriere und bin dankbar für alles, was ich erleben durfte, ganz besonders beim FC St. Gallen.»

FC St. Gallen – FC Lugano

heute Sa, 19 Uhr, Kybunpark;

Matchtipp Philippe Montandon: 2:0


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