Der FC St.Gallen geht in Basel ein

SAISONENDE ⋅ Keine Chance für den FC St.Gallen beim alten und neuen Schweizer Meister: Das Team von Trainer Giorgio Contini geht gegen einen in der Schlussphase entfesselten Gastgeber gleich mit 1:4 ein.
02. Juni 2017, 22:37
Ralf Streule
Es war ein Novum, zumindest im Schweizer Fussball. Mitten im Spiel, man zählte die 70. Minute, gehörte das Feld für fünf Minuten den FC-Basel-Fans. Hunderte hatten das Feld beim Stand vom 1:2 betreten, friedlich gestürmt gewissermassen. Und das Publikum auf den Rängen applaudierte: Die Fans hatten eine Botschaft auf ihrem Transparent, die allen gefiel. «Chapeau Bärnie», eine Verneigung vor dem scheidenden Präsidenten Bernhard Heusler. Und als kurz darauf das Spiel weiterging, war im St. Jakob-Stadion die Stimmung auf dem Höhepunkt – und der entfesselte FC Basel kam zu zwei weiteren Toren.

Der FC St.Gallen hat sein letztes Saisonspiel beim FC Basel klar und deutlich mit 1:4 verloren. In der Schlussphase kamen die Espen gegen einen entfesselten Meister regelrecht unter die Räder. (Bilder: Freshfocus)



Die Luft bei den St. Gallern war draussen. Und Trainer Giorgio Contini liess es sich danach nicht nehmen, die Fanaktion als nicht ganz fairen Wendepunkt des Spiels zu bezeichnen. Die Aktion wurde zum dritten Akt der Basler Feierlichkeiten. Vor dem Spiel wurde Trainer Urs Fischer verabschiedet, nach dem Spiel wurde die Meistertrophäe entgegengenommen – in Anwesenheit von Roger Federer und Ex-Baslern wie Scott Chipperfield, Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri. 
 

Aleksic wiederholt Kabinettstückchen von 2015

Das Entscheidende im Kehrausspiel hatte sich aber in den Minuten vor der Fanaktion abgespielt. Boris Babic, der für den wohl scheidenden Albian Ajeti von Beginn weg zum Einsatz kam, versagten beim Stand von 1:1 alleine vor Tomas Vaclik die Nerven. Im Gegenstoss erzielte Renato Steffen abgeklärt das 2:1. Schon dies hatte den St. Gallern den Schwung genommen, den sie zuvor noch gehabt hatten.
  • Danijel Aleksic: Note 5. Dem Serben gelingt wie schon vor zwei Jahren in Basel ein traumhaftes Freistosstor. Auch sonst zeigt er eine ambitionierte und technisch starke Leistung, scheint wieder lockerer Fussball zu spielen wie noch vor einigen Wochen.
  • Marco Aratore: Note 4. Er macht als Offensivspieler vor allem zu Beginn eine gute Figur, bringt mit Tempovorstössen einige Male Gefahr vors Basler Tor. Gegen Ende der Partie aber immer weniger zu sehen.
  • Boris Babic: Note 3. Er vergibt nach einer Stunde die Grosschance zur 2:1-Führung für den FC St.Gallen. Der 19-Jährige tut sich gegen Basel-Verteidiger Marek Suchy von Beginn weg schwer, wirkt noch etwas schwerfällig. In einigen Situationen kann er den Ball aber gut behaupten.

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 – Leistungsträger bis 6 - Matchwinner. (Bilder: PD)


Zwei Fragen hatten sportlich noch beantwortet werden müssen an diesem Abend: Wird Urs Fischer bei seinem Abschiedsspiel mit dem FC Basel noch einen Clubrekord aufstellen, was Punkte und Tore anbelangt? Und würde Seydou Doumbia doch noch alleiniger Torschützenkönig vor Guillaume Hoarau? Beide Antworten lauteten am Ende Ja. Doumbia hatte schon in der 14. Minute ein erstes Mal getroffen: Eine scharfe Hereingabe von Matias Delgado musste der Ivorer nur noch ablenken. Er traf am Ende auch noch zum 3:1 – seinem 20. Tor der Saison. 
St. Gallen fiel nach dem Gegentor nicht auseinander, mit selbstbewusstem Spielaufbau versuchte es, die Basler in Verlegenheit zu bringen. Es war schliesslich Danijel Aleksic – er lieferte eines seiner besten Spiele der Saison ab –, der für die St. Galler ausglich: Per herrlichem Freistosstor, das an jenes vor zwei Jahren an gleicher Stätte erinnerte. 

Auch nach der Pause schien St. Gallen noch an einer Überraschung zu schnuppern, bevor die ganze Euphorie im Stadion über die Ostschweizer hereinbrach. Es war ein berauschender Abend für die Basler – und ein nicht ganz so ernüchternder für Continis St. Gallen. Ernüchternd endete aber das Abschiedsspiel von Mario Mutsch. Der Luxemburger wurde bereits nach fünf Minuten verletzt ausgewechselt. Er hätte einen anderen Abgang verdient.

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