FCSG demontiert - Basel buhlt wieder um Ajeti

SUPER LEAGUE ⋅ Im Spitzenspiel der zehnten Runde ist für den FC St. Gallen bei den Young Boys nichts zu holen, die Ostschweizer unterliegen gleich mit 1:6. Zudem hat Basel wieder Interesse an Albian Ajeti angemeldet.
Aktualisiert: 
02.10.2017, 07:00
01. Oktober 2017, 17:51
Patricia Loher
Es war ein herber Rückschlag. St. Gallens Spieler schlichen geknickt und durchgeschüttelt vom Feld. Erstmals seit der 0:7-Niederlage im April 2016 gegen Basel mussten die Ostschweizer wieder eine Kanterniederlage hinnehmen. 20 Minuten hatten dem Leader in der zweiten Halbzeit gereicht, um den ersten Verfolger in diesem Spitzenspiel zu demontieren und ihm die Grenzen aufzuzeigen. Zwischen der 55. und der 76. Minute stellten die Young Boys alle ihre Qualitäten unter Beweis, sie spielten schnell und trickreich. St. Gallen hatte den Gastgebern nichts mehr entgegenzusetzen, das Team zerfiel in seine Einzelteile. Die Young Boys erhöhten ihre Führung kontinuierlich, spätestens nach dem 1:4 dürfte den St. Galler Verantwortlichen an der Seitenlinie Angst und Bange geworden sein. «Es hat uns an Erfahrung und Cleverness gefehlt. Wir hätten ruhiger bleiben müssen», sagte Trainer Giorgio Contini. 
  • Albian Ajeti: Note 2.5. Auch wenn er fast keine brauchbaren Bälle erhält: Von einem wie ihm muss mehr kommen.
  • Danijel Aleksic: Note 2.5. Ausser beim Penalty, den er zum 1:2 verwertet, ist er offensiv kaum zu sehen.
  • Marco Aratore: Note 2.5. Ein Tag zum Vergessen auch für ihn. Ein einziger Abschluss geht auf sein Konto.

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 – Leistungsträger bis 6 - Matchwinner.



 
Dabei war im Spiel seiner Mannschaft lange nicht alles so schlecht, wie es das Resultat vermuten lässt. Die St. Galler waren gut in die Partie gekommen. Sie traten den Bernern nach vier Spielen ohne Niederlage selbstbewusst und mutig entgegen. Nur ist in einem Spitzenkampf eben wenig zu holen, wenn gleich zweimal ein Beginn missglückt: Schon in der dritten Minute leisteten sich die St. Galler eine Fahrlässigkeit, die ihren Matchplan durchkreuzte. Nach einem langen Ball auf Roger Assalé verhielten sich Philippe Koch und Stjepan Kukuruzovic zu zögerlich, was Assalé mit einem Alleingang in Richtung Sechzehnmeterraum und mit einem wunderbaren Tor bestrafte. Hatten die Young Boys für diesen ersten Treffer gerade einmal zweieinhalb Minuten benötigt, gelang ihnen das zweite Tor nach der Pause schon nach etwas mehr als einer Minute durch Kevin Mbabu. St. Gallens Spieler reklamierten heftig, nach der Cornerflanke war der Ball vorerst Assalé an die Hand gesprungen, doch der Schiedsrichter unterbrach die Partie nicht, sondern gab das 2:0. Dieses Tor und auch eine nicht geahndete Tätlichkeit von Assalé an Alain Wiss kurz vor der Pause bezeichnete selbst YB-Trainer Adi Hütter als die Schlüsselszenen: «Ich weiss nicht, ob das Spiel so gelaufen wäre, hätten wir die rote Karte gesehen.» Assalé war schliesslich mit zwei Toren und zwei Assists der Mann des Spiels. In Überzahl und gegen ein Team ohne Assalé wäre es den St. Gallern vielleicht eher möglich gewesen, nach dem Anschlusstreffer zum 1:2 in der 53. Minute – Danijel Aleksic hatte einen an Roman Buess verschuldeten Elfmeter verwertet – noch einmal zurückzufinden in dieses Spiel. Stattdessen «sind wir unter die Räder gekommen», wie es Torhüter Daniel Lopar bezeichnete. 
  • Djibril Sow (YB) gegen Karim Haggui.
  • Der Espe Roman Buess im Duell mit Jordan Lotomba.
  • Stjepan Kukuruzovic (St.Gallen) 
im Zweikampf mit Roger Assale.

Der FC St.Gallen machte gegen Tabellenführer YB keinen guten Eindruck. Mit einer 1:6 Niederlage verliessen die Espen das Stade de Suisse.

 

Hernandez: «Basel klopft überall an»

Als ob das 1:6 nicht bereits genug zu diskutieren gegeben hätte, sickerte auch noch durch, dass der FC Basel erneut sein Interesse an St. Gallens Stürmer Albian Ajeti angemeldet hat. Nach der schweren Verletzung von Ricky van Wolfswinkel sind die Basler in Not geraten, der 20-jährige Ajeti dürfte aufgrund seines Alters auch ausserhalb der Transferperiode wechseln. St. Gallens Präsident Stefan Hernandez sagte: «Die Basler klopfen im Moment überall an. Aber wir haben Ambitionen, diese werden wir aufrechterhalten. Trotz dieser Niederlage und mit diesem Team.» Natürlich weiss auch er, dass es eine finanzielle Schmerzgrenze gibt: Sollten die Basler nach dem geplatzten Transfer im Frühling nun bereit sein, mehr Geld für ihren früheren Junior Ajeti aufzuwerfen, wird sich der FC St. Gallen sicher gut überlegen, was zu tun ist.

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