Das Geld für Verstärkungen fehlt dem FC St.Gallen

FC ST.GALLEN ⋅ Nur 66 Stunden nach der Niederlage im Cup bietet sich den Ostschweizern die Chance zur Charmeoffensive. Gegen Zürich winkt der dritte Tabellenplatz. Derweil spricht der Trainer von Transfers.
02. Dezember 2017, 09:37
Christian Brägger

Christian Brägger

Schwamm drüber. Nicht zu lange die Wunden lecken. Dafür war im Cup der Unterschied zu den Young Boys viel zu krass. Vor allem geht es unverzüglich mit der Meisterschaft weiter. Und überhaupt: Cupsieger kann immer nur eine Mannschaft werden. Die Enttäuschung wäre aller Wahrscheinlichkeit nach früher oder später sowieso gekommen. Dennoch sagte Trainer Giorgio Contini am Freitag an der Pressekonferenz: «Wir haben es verpasst, etwas zu reissen. Nicht nur, weil die Young Boys um Klassen besser waren. Auch weil uns der Glaube zu mehr gefehlt hat.»

Doch nun gilt es, die letzten drei Super-League-Runden vor der Winterpause ideal über die Bühne zu bringen. Die Aufgabe ist mit Zürich, Basel und dem FC Sion als Gegner schwer genug. Die gute Ausgangslage mit dem vierten Tabellenplatz steht auf dem Spiel. Sie sollte nicht leichtfertig verspielt werden, bevor das neue Aktionariat den Verein auf einen neuen Kurs bringt. Ob mit einem Kahlschlag oder mit nur geringfügigen Veränderungen in der Organisation – man weiss es nicht.
 

Teilweise fehlt den Spielern die nötige Frische

Zur Stabilität zurückzufinden wird für den FC St.Gallen anspruchsvoll sein. Es ist viel Geschirr zerschlagen worden im Umfeld. Auch die Stimmung war schon besser, immer weniger Zuschauer besuchen die Heimspiele, was Löcher in die Kasse reisst. Vor allem aber wiegt das Minus von über 2,5 Millionen Franken in der vergangenen Saison schwer. Das betont auch Contini, dem ­dadurch in der kurz- und mittelfristigen Kaderplanung für die Rückrunde und die nächste Saison die Hände gebunden sind. Gerade in dieser Phase der Spielzeit erkennt man im FC St.Gallen fehlende Frische. Wenn Akteure wie Stjepan Kukuruzovic oder Marco Aratore ausgebrannt wirken und im Formtief stecken. Wenn Spieler seit längerer Zeit «stehen geblieben» sind, wie Contini es nennt. Spieler, zu denen man sich vielleicht über­legen müsse, ob eine weitere Zusammenarbeit Sinn mache.

Oder wenn wegen der Verletzten die St.Galler Ersatzbank nicht mehr wirklich viel hergibt. «Nur ein Beispiel: Bei YB ging Jean-Pierre Nsame raus – Marktwert eine ­Million Franken. Rein kam Guillaume Hoarau – Marktwert drei Millionen Franken.» Man dürfe die Relationen nie verlieren, wer und was der FC St.Gallen sei. Der Coach hat es zwar nicht gesagt, aber spielerisch hat sein Team zuletzt stagniert. Dies spielt vielleicht in Continis Überlegungen mit, wenn er erstmals den Wunsch nach Verstärkungen in der Winterpause äussert – wobei man immer erst im Nachhinein weiss, ob die Neuzugänge tatsächlich auch Verstärkungen sind. «Ich würde gerne zwei 1A-Transfers für die Offensive tätigen. Dazu noch einen 1-AB-Transfer für die Defensive – aber eben, unser Defizit bindet uns zurück.»

Mit 1A-Verpflichtungen meint Contini Profis, die finanzierbar sind, sofort einsetzbar und auch Leistungsträger. Vor allem die Finanzierbarkeit schränkt die Auswahl ein: Ein Michael Frey (Zürich), Simone Rapp (Thun) oder Shkelqim Demhasaj (Luzern) fallen durch den Raster. Zudem müsste der FC St.Gallen für die Blutauffrischung sein ­Kader ausdünnen. «Aber wir sind keine Topadresse, die um Spieler angefragt wird», sagt Contini, der sich zugänglich zeigte wie lange nicht mehr.
 

Mit einem Sieg das gute Gefühl zurückbringen

Des Trainers gute Laune lag wohl auch daran, dass der FC St.Gallen nach dieser 17. Super-League-Runde hervorragender Dritter sein kann. «Das ist mit Blick auf unsere wirtschaftlichen Möglichkeiten doch unglaublich.» Gegen Zürich müssen auf dem Platz nun die spielerischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Heisst: Mit kontrolliertem Pressing den ­Gegner ständig bearbeiten und so zu Fehlern zwingen.

Die morgige Partie im Kybunpark, die um 16 Uhr beginnt, soll den erfolgreichen Abschluss des Halbjahres einläuten. Fehlen wird Yannis Tafer, der mit körperlichen Problemen kämpft. Ebenso nicht dabei sind Nassim Ben Khalifa, Alain Wiss und der gelbgesperrte Peter Tschernegg.


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