Der FC St. Gallen behält einen kühlen Kopf

GEDULDSSPIEL ⋅ Der FC St. Gallen bezwingt den FC Sion dank zwei späten Toren von Marco Aratore und Albian Ajeti verdient mit 2:0. Den Ostschweizern gelingt gegen defensive Walliser ein überzeugender Auftritt.
Aktualisiert: 
06.08.2017, 22:00
06. August 2017, 17:46
Patricia Loher

Plötzlich tat sie sich doch noch auf, diese eine Lücke im Bollwerk FC Sion. 76 Minuten lang hatten sich die St. Galler darum bemüht, Geduld und Kopf nicht zu verlieren. Sie waren die bessere und vor allem die engagiertere Mannschaft gewesen, sie hatten so einiges versucht – lange ohne Erfolg. Erst als Marco Aratore per Kopf nach einer Flanke von Andreas Wittwer doch noch das 1:0 erzielte, war das Spiel in andere Bahnen gelenkt. Der 26-jährige Aratore bereitete zehn Minuten später nach einem wunderbaren Zuspiel Tranquillo Barnettas zudem das 2:0 vor. Aratore legte für den eingewechselten Albian Ajeti auf, der nur noch einzuschieben brauchte. Nach dem 3:3 in Lausanne und der abgebrochenen Partie in Lugano war es für die St. Galler im zweiten Spiel der erste Saisonsieg. Trainer Giorgio Contini bezeichnete den Auftritt seiner Mannschaft als «einen ersten Schritt». Und: «Wir haben aufgezeigt, was wir können.» Matchwinner Aratore sagte: «Ein Unentschieden wäre nach dieser Leistung zu wenig gewesen.»

  • Grund für gute Laune: Giorgio Contini tauscht einen genussvollen High-Five mit dem Maskottchen Gallus nach dem verdienten 2:0-Sieg gegen den FC Sion aus.
  • Im Gegensatz zu Contini ist Sittener Cheftrainer Paolo Tramezzani weniger gut gelaunt.
  • Zu Beginn war Contini noch nachdenklich: Nach der Leisung im ersten Heimspiel der Saison wird der 43-Jährige mit seiner Mannschaft eindeutig zufrieden sein.

Dank den Treffern von Marco Aratore und Albian Ajeti in den letzten 20 Spielminuten gewinnen die Espen das erste Heimspiel der Saison gegen den FC Sion 2:0. (Bilder: Benjamin Manser/Keystone)

Es war in der Tat ein in allen Belangen verdienter Sieg für den FC St. Gallen gegen eine Mannschaft, die erst nach dem Gegentor gewillt war, mitzuspielen. Sion hatte sich zuvor ganz auf die Defensivarbeit verlegt, die Walliser verteidigten ihren Sechzehnmeterraum zeitweise mit sieben Mann. Mit solch einer Taktik waren sie in Thun und Lausanne zu je einem 1:0-Erfolg gekommen. Weil sie aber in der Qualifikation zur Europa League gegen ein litauisches Team eine herbe Enttäuschung hatten hinnehmen müssen, glaubte man, sie würden in St. Gallen initiativer auftreten. Die Ostschweizer allerdings schienen ob der Spielweise des Gegners nicht überrascht. Die Mannschaft hatte die Partie fest im Griff, ohne allerdings leichtfertig das Risiko einzugehen, in einen Konter zu laufen. St. Gallen gelang es, die Balance zu halten. «Wir verfolgten einen Matchplan, der lautete: Geduldig bleiben», sagte Contini. Man habe sich vom Gegner «nicht rauslocken lassen wollen, sonst wäre es gefährlich geworden». St. Gallens Absicherung funktionierte vor allem auch deshalb, weil die Neuzuzüge Peter Tschernegg und Stjepan Kukuruzovic im defensiven Mittelfeld tadellose Leistungen ablieferten. 

  • Daniel Lopar: Note 5. Der Thurgauer hatte lange nicht viel zu tun, ehe er beim Stand von 0:0 einen Konter entschärfte.
  • Philippe Koch: Note 5. Defensiv blieb die Neuverpflichtung tadellos. Offensiv gelang ihm nicht alles wie gewünscht.
  • Alain Wiss: Note 5. Er strahlte in der Innenverteidigung viel Ruhe aus. Half auch im Spielaufbau mit.

Unsere Sportredaktion bewertet nach jedem Spiel die Leistung der eingesetzten Spieler. Die Noten reichen von 1 - Totalausfall, 2 - Schwachpunkt, 3 - Mitläufer, 4 - Normalform, 5 – Leistungsträger bis 6 - Matchwinner. (Bilder: PD)

St. Gallen hätte nach 45 Minuten führen müssen

St. Gallen attackierte den Gegner von Beginn an früh. Im Zentrum waren die Walliser praktisch chancenlos, sich einen Weg in Richtung des gegnerischen Strafraums bahnen zu können. Dem Gastgeber gelang schon vor der Pause wesentlich mehr als dem Gegner, er musste sich allerdings bei Halbzeit vorwerfen lassen, im und am Strafraum zu wenig präzis und zielstrebig vorgegangen zu sein. «Wir waren auf den letzten dreissig Metern nicht so klar», sagte auch Aratore. Trotzdem unterliefen den Sittenern dann und wann Fehler. So scheiterte in der 18. Minute Nassim Ben Khalifa in letzter Sekunde am Torhüter, in der 37. Minute liess sich Aratore nach einem langen Zuspiel von Kukuruzovic noch abdrängen. Aufgrund der Spielanteile und der besseren Tormöglichkeiten hätten die Ostschweizer zur Pause führen müssen. «Wir mussten eine Schippe drauflegen», sagte Aratore. Barnetta prüfte gleich nach Wiederbeginn Sions Torhüter Anton Mitrjuschkin, später taten das auch Danijel Aleksic und Tschernegg. Nur, St. Gallen blieb auf der Suche nach der Lücke lange glücklos, oft fehlte nur wenig. Das Spiel schien schliesslich gar zu kippen, doch Goalie Daniel Lopar verhinderte nach einem Konter gegen Marco Schneuwly das Gegentor, das Sion wohl den Sieg eingebracht hätte.


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